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Archiv für die 'Abenteuer' Kategorie


Percy Jackson – Diebe im Olymp

Erstellt von Redaktion am 26. Februar 2010

Percy JacksonPercy Jackson – Diebe im Olymp

Originaltitel: Percy Jackson & the Olympians: The Lightning Thief
Produktionsland: USA, Kanada
Erscheinungsjahr: 2010
Länge: 120 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Chris Columbus
Drehbuch: Craig Titley
Roman: Rick Riordan
Produktion: Chris Columbus, Michael Barnathan, Karen Rosenfelt
Musik: Christophe Beck

Darsteller: Logan Lerman (Percy Jackson), Brandon T. Jackson (Grover Underwood), Alexandra Daddario (Annabeth Chase),Jake Abel (Luke Castellan), Pierce Brosnan (Chiron), Kevin McKidd (Poseidon), Sean Bean (Zeus), Steve Coogan (Hades), Rosario Dawson (Persephone), Catherine Keener (Sally Jackson), Uma Thurman (Medusa)

Die Herrschaft von Harry Potter neigt sich langsam dem Ende zu und so wird es Zeit einen Nachfolger auf den Thron zu bringen. Spätestens mit dem voraussichtlich 2011 erscheinenden letzten Film der Potter-Reihe sollte der Prinz etabliert sein, um das Zepter aus der Hand des Königs zu nehmen. Percy Jackson dürfte aber ein Dreizack reichen, denn immerhin ist er Poseidons Sohn.

Aus der Feder von Rick Riordan stammen die Bestsellergeschichten des jungen Percys, der eines Tages entdeckt, dass er ein ganz besonderer Junge ist. Auf Grund seiner Abstammung genießt er fortan eine besondere Ausbildung und erlebt mit seinen Freunden gefährliche Abenteuer – die mit seiner Abstammung in Verbindung stehen. In seinem ersten Abenteuer muss Harry, Verzeihung, Percy (Logan Lerman), den gestohlenen Herrscherblitz zurückbringen. Ansonsten hauen die Götter des Olymps – allen voran Zeus – die Welt in Stücke. Zu allem Übel hat Hades Percys Mutter Sally (Catherine Keener) entführt und die muss gerettet werden.

Zusammen mit der süßen Kämpferin Annabeth Chase (Alexandra Daddario) – Tochter der Athene und ebenfalls eine Halbgöttin – und dem schwarzen Satyr Grover Underwood (Brandon T. Jackson) muss Percy erst einmal Zauberperlen suchen, dann in die Unterwelt reisen, dort die Mutter retten und anschließen auf dem Olymp Zeus von seiner Unschuld überzeugen. Der Film geht beinahe zwei Stunden, also ist dafür doch eigentlich genug Zeit …

So wie die Romanreihe, so ist auch der Film von Mister Harry Potter inspiriert. Und zwar sehr stark. Um Nägel mit Köpfen zu machen haben sich die Studiobosse dann auch Chris Columbus ins Boot geholt. Der hat seinerzeit die ersten beiden „Harry Potter“-Filme gedreht und weiß also genau, um was es geht. Und Columbus liefert auch genau das, was bestellt wurde: Kindertaugliche Massenunterhaltung nach Schema Potter. Um es auf den Punkt zu bringen: Das ist unterhaltsam, leidlich spannend, aber irgendwie schon mal dagewesen und austauschbar. Allerdings werden nun Sagengestalten und griechische Mythen bemüht, anstatt altenglische Mauern und britisches Zauberwerk. Egal, Hauptsache der Film weiß zu unterhalten.

Und das gelingt ihm auch. Chris Columbus vertrödelt keine unnötige Zeit mit ausgefeilten Dialogen und langweiliger Charakterentwicklung. Er gibt sofort Gas. Die platten Dialoge erklären die wichtigsten Zusammenhänge, dann folgt eine Szene nach der anderen. Selbst der vermeintliche Tod von Percys Mutter ist nur eine Sekunde der Besinnung wert, dann geht es weiter: Ab durch die USA, im Stile eines Roadmovies und genau so aufgemacht wie ein modernes Videospiel.

Glücklicherweise rast Percy zusammen mit seinen Freunden durch die Gegend und es ergibt sich dann doch die ein oder andere Szene, in der Schauspieler miteinander agieren. So deutet sich zwischen Percy und Hermine – Verzeihung – Annabeth, eine kleine Liebschaft an, während der drollige Juniorbeschützer Ron – Verzeihung – Rover, für den ein oder anderen Gag gut ist. Rover wird übrigens vom Komiker Brandon T. Jackson gespielt. Die Rolle ist einfach angelegt: Plappernder Schwarzer mit blöden Sprüchen, der von einem Problem ins Andere trudelt. Da fühlt sich der Zuschauer an die guten alten achtziger Jahre erinnert. Wenigstens macht Alexandra Daddario als Annabeth eine gute Figur und den lieben Percy heiß. Aber keine Bange, Percy wurde zwar um fünf Jahre für den Streifen gealtert (im Buch beginnen die Abenteuer als der Junge elf ist), aber dennoch bleibt alles sehr züchtig und in geordneten Bahnen. Okay, typisch amerikanisch gibt es zwar keinen Kuss, aber heftige Actionszenen und Kampfsequenzen, in denen der ein oder andere Darsteller schon mal ein wenig blutig aufgeschlitzt wird. Ja, so sieht verfilmte Doppelmoral aus.

„Percy Jackson – Diebe im Olymp“ hält für die jugendlichen Zuschauer aber auch wichtige Weisheiten bereit. So sind Drogen einfach Kacke und niemand sollte einfach etwas Essen, das einfach so angeboten wird. Genau das geschieht nämlich im verlotterten Las Vegas und der heiße Drogenrausch entpuppt sich schon bald als große Gefahr, während im bunten Hintergrund Lady Gagas „Pokerface“ aus den Boxen dringt. Wenigstens hat der Film stellenweise einen guten Score.

Etliche Abenteuer und abgeschlagene Köpfe später rettet das lustige Trio die liebe Mutter von Percy. Schon erwähnt? Die Alleinerziehende hat sich natürlich nur wegen Percy mit einem stinkenden Säufer eingelassen, der seine Frau und den Stiefsohn wie Dreck behandelt. Daran können sich alle jungen männlichen Legastheniker die unter ADS leiden klammern, vielleicht ist ihr Vater ja auch ein Gott. Mehr jugendlicher Außenseiter geht einfach nicht.

Jedenfalls weiß der Film die Hoffnung zu bedienen. Um nun aus der Unterwelt zu fliehen (die fleißig zur Hölle christianisiert wurde, aber mit dem Eingang in Hollywood Ironie zeigt) muss leider einer zurückbleiben. Und wen trifft es? Natürlich den Schwarzen! Und jahrelang haben die Zuschauer geglaubt diese dunklen Klischee-Zeiten seien vorbei - Chris Columbus belehrt seine Zuschauer mit einem Griff in die Mottenkiste aber eines Schlechteren.

Auch die Spezialeffekte haben bessere Zeiten gesehen. Sie bewegen sich zwar über TV-Niveau, aber Kino-Standard sieht heutzutage einfach anders aus. Vor allem Pierce Brosnan als Zentaure ist einfach nur grottig umgesetzt. Es bleibt sowieso ein Rätsel, warum er und Uma Thurman in diesem Streifen mitspielen. Schauspielerische Leistung zeigt jedenfalls keiner von beiden.

„Percy Jackson – Diebe im Olymp“ ist leidlich unterhaltsame Massenware, die vor allem das jüngere Publikum ansprechen dürfte, da es einfache Teenie-Action ohne Experimente ist.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Percy Jackson von Carlsen bei Buch24.de:
“Percy Jackson 01. Diebe im Olymp”
“Percy Jackson 02. Im Bann des Zyklopen”
“Percy Jackson 03. Der Fluch des Titanen”

“Percy Jackson” bei Booklooker.de

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Sherlock Holmes

Erstellt von Redaktion am 24. Februar 2010

Sherlock HolmesSherlock Holmes
USA 2009, 128 Minuten

Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Michael Robert Johnson, Anthony Peckham, Simon Kinberg, Lionel Wigram, Michael Robert Johnson
Musik: Hans Zimmer
Produktionsdesign: Sarah Greenwood
Director of Photography: Philippe Rousselot
Montage: James Herbert

Darsteller: Robert Downey Jr. (Sherlock Holmes), Jude Law (Dr. John Watson), Rachel McAdams (Irene Adler), Mark Strong (Lord Blackwood), Eddie Marsan (Inspektor Lestrade), Robert Maillet (Dredger), Geraldine James (Mrs. Hudson), Kelly Reilly (Mary Morstan), William Houston (Constable Clark), Hans Matheson (Lord Coward), James Fox (Sir Thomas), William Hope (Botschafter Standish), Clive Russell (Captain Tanner)

Es gibt etliche Sherlock-Holmes-Verfilmungen und das Bild des Pfeife rauchenden Detektivs mit kariertem Mantel und Mütze hat sich eingeprägt. Mit einer enormen Beobachtungsgabe und seinem Verstand legt er jedem Gauner das Handwerk. Guy Ritchie (”Bube, Dame, König, grAs”, “Snatch – Schweine und Diamanten”) hat sich nun an eine Neuauflage des Themas gemacht und präsentiert einen ganz anderen Holmes – ein Holmes, der mit bekannten Klischees bricht. Und das ist genau richtig.

Denn tatsächlich ist Sir Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes stets nur frei interpretiert worden. Und dieses Recht nimmt sich auch Guy Ritchie heraus, um einen ganz anderen Film-Holmes zu präsentieren als bis dato bekannt. Und Ritchies Adaption ist viel näher an der Romanvorlage dran, als alle anderen Verfilmungen zuvor. Denn Holmes war ein Supermann seiner Zeit – geistig und körperlich. Selbst den Mordversuch durch seinen Erfinder überlebte Holmes einst, gestärkt durch seine ihn liebende Leserschaft. Richtig gelesen, Doyle hat seinen Helden schlussendlich gehasst und wollte ihn sterben lassen.

Guy Ritchie hat sich nun den Stoff geschnappt und in ein modernes Kinoformat gesteckt. Was nun auf den ersten Blick wie ein Widerspruch aussieht, ist ein rasant inszenierter und unterhaltsamer Kinofilm, der gleichzeitig die Atmosphäre des viktorianischen Englands einfängt. Doch worum geht es überhaupt?

Nun, Mister Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) und sein teurer Freund Doktor John Watson (Jude Law) stellen den Kultisten Lord Blackwood (Mark Strong) just in jenem Augenblick, in dem dieser einen Ritualmord begehen will. Blackwood wird zum Tode verurteilt, verlangt kurz zuvor nach einem Gespräch mit Holmes. Ihm verkündet der Lord, dass Holmes nur ein Mittel zum Zweck sei und noch weitere Morde geschehen werden. Blackwood wird gehängt und für Holmes ist die Sache erledigt. Der hat nämlich ganz andere Probleme.

Busenfreund Watson hat vor zu heiraten und die Wohngemeinschaft zu verlassen. Für Holmes eine Katastrophe, denn nur wenige Menschen kommen mit seiner exzentrischen Lebensweise zurecht. Glücklicherweise taucht Holmes alte Liebe Irene Adler (Rachel McAdams) auf – eine Meisterdiebin – und es gehen Gerüchte um, dass Blackwood wiederauferstanden sei. Nun wird Holmes Neugierde geweckt. Zugleich hofft er auch mit seinem neuen Fall Watson von der Heirat abzuhalten. Aber der hält an seinen Plänen fest, was zu Streit zwischen den beiden Männern führt.

Trotzdem ermitteln sie und plötzlich gibt es zwischen Irene und Blackwoods Auferstehung einen Zusammenhang.Es dreht sich nun alles um einen geheimnisvollen Orden, Rituale, das Schicksal des ganzen Empires und schlussendlich einen mysteriösen Mann, der sogar Irene Angst einjagt …

Diese ganze Geschichte steckt nun in einem Korsett aus Action, Humor und Spannung. Guy Ritchie brennt ein wahres Feuerwerk an originellen alten Ideen ab. Erneut ein Widerspruch, der auf der Leinwand einfach gelungen ist. Denn Ritchie bedient sich an bekannten Elementen des modernen Actionfilms, setzt diese aber leicht verändert in Szene und verpasst der Sache ihren ganz eigenen Stil - der vor allem durch den altertümlich schmutzig-punkigen Stil Londons und der wunderbaren klassisch modernen Musik von Hans Zimmer geprägt wird. Überhaupt ist der Score von Zimmer grandios passend, kommt oftmals mit einer instrumentalen Reduzierung daher, anstatt auf orchestrale Gigantomanie zu bauen.

Wie der gesamte Film, so sind auch die Hauptrollen detailliert ausgearbeitet und überzeugen durch liebevolle Kleinigkeiten die am Rande zu bemerken sind, ohne die Szenerie zu dominieren oder gar aufgesetzt zu wirken. Sei es nun die Drogensucht Holmes oder die Kriegsverletzung von Watson. Bemerkenswert auch die düstere Mystery-Anspielung auf den us-amerikanischen Schriftsteller Edgar Allan Poe (in Wort und Bild, denn es fällt der Name und fliegt der Rabe) und anderen Kleinigkeiten, die zwar Zufall, aber ebenso Absicht sein können (wie die Frage nachdem Doktor, die mit „Wer?“ beantwortet wird und auch als Anspielung auf die viktorianischen Abenteuer aus „Doctor Who“ gesehen werden kann). Guy Ritchie hat hier einen verspielten Actionfilm geschaffen, an dem er sich austoben konnte.

Bemerkenswert sind dabei vor allem Robert Downey Jr. (als Sherlock Holmes) und Jude Law (als Doktor John Watson). Beide spielen ihre Rollen perfekt, gehen darin regelrecht auf. Im körperlichen Spiel fließen Winzigkeiten der Persönlichkeit nebensächlich ein und lassen die Figuren somit authentisch wirken. Aber vor allem im witzig spritzigen Dialog brillieren beide Männer, fesseln mit Wortgefechten oder überraschenden Hieben auf die Nase – ohne es sich krumm zu nehmen. Eine wahre Männerfreundschaft eben. Diese wurde von allzu kritischen Beobachtern gerne mal als homoerotische Verbindung gewertet, wird aber von Ritchie gekontert, da er beiden Männern eine Beziehung gönnt. Holmes hat eine Liebschaft hinter sich, Watson wird bald heiraten. Das sollte alle Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Obwohl Law ausgezeichnet spielt, ist es vor allem Downey Jr. der den Film als Holmes überstrahlt. Seine Interpretation der Rolle ist außergewöhnlich, er kreiert sozusagen einen einmaligen Charakter. Das ist zuletzt Johnny Depp als Jack Sparrow in „Fluch der Karibik“ geglückt und war für das Genre ein Glücksgriff. Mit Sherlock Holmes wird erneut ein Ausnahmecharakter in die Kinowelt entlassen und es bleibt zu hoffen, dass die Fortsetzung – der Cliffhanger des Films deutet ja darauf hin – mit einem ebenso starken Robert Downey Jr. punkten wird.

Was Guy Ritchie sehr gut gelingt, ist es die analytischen Fähigkeiten und die Assoziationen des Detektivs für den Zuschauer sichtbar zu machen. Das geschieht mittels schnellen Zwischenschnitten, Rückblenden und Vorschauen. Diese Stilmittel werden genau im richtigen Umfang eingesetzt, beantworten zum Ende hin die offenen Fragen. So geht der körperlich fitte Holmes im voraus einen Boxkampf durch und weiß genau, wie er seinen Gegner ausschalten muss. Oder auch gut gefilmt: Die Verfolgungsszene Irene Adlers, die in der Rückblende explosionsartig an Umfang zunimmt. Einfach und gut gemacht, sehr eindrucksvoll.

Ein wahrer Held braucht natürlich auch einen Schurken. Der wird von Mark Strong als Lord Blackwood gegeben. Allerdings verpasst Strong seiner Rolle dermaßen viel unterkühlte düstere Boshaftigkeit, dass er beinahe schon zu verhalten bleibt und ein wenig farblos vor sich hindümpelt. Dadurch wirkt Blackwood eher harmlos und scheint für Holmes keine echte Herausforderung zu sein. Zwar muss der gute Sherlock das Empire retten, aber sich keineswegs mit einem Verbrechergenie messen. Auch die Einflechtung okkulter Riten durch den Lord machen aus der Rolle keine persönliche Herausforderung für Holmes. Absicht oder Zufall? Bedrohlicher wirkt da nämlich eher der Mann im Hintergrund, der einige Fäden zieht und ein ebenso brillantes Genie ist wie Sherlock Holmes. Er dürfte der nächste, wahre Oberschurke sein, dem sich Holmes stellen muss. Mag sein, dass Ritchie vorher keinen Widersacher installieren wollte, an dem sich die Fortsetzung dann messen lassen müsste.

Auch die weibliche Besetzung agiert ein wenig limitiert und kühl. Dem Film ist die niedrige FSK 12 anzumerken. So werden Actionsequenzen niemals vollends ausgelotet, der Tod zum Ende hin ausgeblendet und müssen auch die Damen mit ihren vorhandenen Reizen leider geizen. Und das, obwohl die fabelhafte Rachel McAdams eine sehr passable Irene Adler gibt. Ein wenig mehr Blut, ein wenig mehr Erotik und ein etwas persönlicher Gegner – der Film wäre perfekt.

So bleibt eine hervorragende Adaption des Stoffes, die näher an der Vorlage ist als die meisten anderen Umsetzungen zuvor. Sauber inszenierte Action, klasse Musik, zwei geniale Hauptdarsteller, augenzwinkernde Einlagen und eine wunderbare Atmosphäre überzeugen auf ganzer Linie. „Sherlock Holmes“ ist ein sehr unterhaltsamer Spielfilm und gehört mit zum Besten, was Guy Ritchie jemals auf die Leinwand gebracht hat.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

“Sherlock Holmes” bei Booklooker.de

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Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster - Staffel 1-3

Erstellt von Redaktion am 10. Februar 2010

Bei Libri.dePrimeval: Rückkehr der Urzeitmonster - Staffel 1-3

Produktionsland: Großbritannien
Originalsprache: Englisch
Produktionsjahr: seit 2007

Darsteller: Douglas Henshall, Lucy Brown, Andrew Lee Potts
Regisseure: Jamie Payne, Cilla Ware
Komponist: Dominik Scherrer

Format: PAL, Box-Set
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9 - 1.78:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Episoden: 23 in 3 Staffeln
Spieldauer: 1045 Minuten
Studio: Polyband & Toppic Video/WVG
Erscheinungstermin: 2009

Neben den us-amerikanischen Science-Fiction-Serien, behaupten sich zunehmend auch Serien aus Großbritannien auf dem internationalen Markt. Der britische Fernsehsender ITV1 schickt seit einigen Jahren „Primeval“ ins Rennen um die Einschaltquoten und liegt damit weit vorne. So erreichten die ersten beiden Staffeln bei ihrer Erstausstrahlung in Großbritannien im Schnitt mehr als sechs Millionen Zuschauer, in Deutschland waren es immerhin mehr als zwei Millionen Menschen, die einschalteten. Deutsche Premiere feierte „Primeval“ auf PRO7 und wurde dann ab Januar 2010 auf Kabel 1 wiederholt. Aus dem Hause Polyband & Toppic Video/WVG stammt nun eine Staffelbox, in der die ersten drei Staffeln enthalten sind. Das macht insgesamt dreiundzwanzig Episoden mit einer Gesamtspieldauer von 1045 Minuten. Stellt sich nur die Frage, wie unterhaltsam diese Minuten sind.

Die erste Staffel der Serie umfasst gerade mal sechs Episoden und ist damit die kürzeste Staffel. Im Zentrum der Handlung steht vor allem die Charaktervorstellung und das zentrale Handlungselement: Die Urzeitmonster, die durch eine Anomalie aus der Vergangenheit in unsere gegenwärtige Welt stolpern. Durch Absicht und Zufall formiert sich hier ein Team, dass im Auftrag der britischen Regierung diese Monster jagt, Schlimmes verhindert und die Anomalien erforscht.

Kopf des Teams ist der Wissenschaftler Nick Cutter (Douglas Henshall). Er ist Evolutionsbiologe und arbeitet zusammen mit seinem Assistenten Stephen Hart (James Murray) an den Vorfällen. Im Verlauf der sechs Episoden kommt heraus, dass die beiden Männer mehr als nur Freundschaft verbindet. Vor allem Cutter erfährt, dass es für ihn eine ganz persönliche Verbindung zu den Anomalien gibt, denn seine verschollene Frau Helen (Juliet Aubrey) scheint in einer dieser Anomalien verschwunden zu sein.

Mehr zufällig schließt sich der junge Student Connor Temple (Andrew-Lee Potts) dem Team an. Er ist etwas ungeschickt, intelligent und über beide Ohren in Abby Maitland (Hannah Spearritt) verliebt, die er in der ersten Episode kennenlernt. Abby ist Tierpflegerin und wird zufällig in die Ermittlungsarbeiten hineingezogen. Dank ihren Fähigkeiten gehört sie schnell zum harten Kern der Truppe. Das Team steht unter der Leitung von Claudia Brown (Lucy Brown), einer Mitarbeiterin des Innenministeriums, die wiederum Sir James Peregrine Lester (Ben Miller) untersteht, einem humorlosen Bürokraten.

Die Aufgabe des Teams ist es nun auffälligen Meldungen nachzugehen und festzustellen, ob es sich um eine Anomalie handelt. Stets entwischt auch ein Bewohner der Urzeit und stellt die Mannschaft vor Probleme. Meistens frisst das Urzeitmonster jemanden auf und muss mit einem Trick wieder in seine eigene Zeit gelockt werden. Im Grunde war es das auch schon.

Die erste Staffel zeichnet sich dadurch aus, dass sie vor allem auf ein junges Publikum zugeschnitten wurde. Die Handlung ist betont episodenhaft und gestückelt. Es gibt unzählige Logikfehler, die zugunsten einer betont lässigen Szenerie in Kauf genommen werden. Hauptsache es sieht gut aus. Dadurch ist die Geschichte flach und auch die Charaktere kommen ohne Tiefe daher. Sehr ärgerlich ist vor allem der monotone Aufbau des Dramas und die stets ähnliche Krisis. In fast jeder Episode fühlt sich der Zuschauer auch an das gute alte Kasperletheater erinnert: Das Krokodil taucht hinter dem Kasper auf, aber er sieht es einfach nicht. Dann dreht sich der Kasper um, aber einen Augenblick vorher ist das Krokodil abgetaucht und steckt woanders seinen Kopf hinaus. Der Kasper dreht sich zurück und wieder ist das Krokodil verschwunden, um plötzlich genau vor der Nase des Kaspers aufzutauchen. Wird der Kasper gegen Cutter oder ein anderes Teammitglied ausgetauscht und das Krokodil gegen ein beliebiges Tier aus der Urzeit, so beschreibt das die meisten der Drehbücher.

Um die jugendliche Lust nach nackter Haut und Teenagerliebe zu bedienen, kommen nun Abby und Connor ins Spiel. Die Rolle der punkigen Tierpflegerin wird dabei von Hannah Spearritt übernommen, die Dank ihres sportlichen Körperbaus jugendlich frisch wirkt. Vor einigen Jahren gehörte sie der Popgruppe „S Club 7“ an, nun versucht sie sich als Schauspielerin. Trotz – oder gerade wegen – der einfach gestrickten Geschichte gelingt ihr das recht gut. Passenderweise ist Abby eine Liebhaberin vom Amphibien. Deswegen schaltet sie ihre Heizung immer hoch, so dass sie in ihrer Wohnung stets knapp bekleidet herumlaufen muss. Bei der Gelegenheit präsentiert sie dann auch ihre knapp verhüllten kecken Brüste und den äußerst knackigen Po.

Connor steht nun stellvertretend für all die Jungs, die nun gerne Abbys Freund wären und die Glückliche mal beglücken würden, aber stets abblitzen. Doch Meter für Meter gräbt sich Connor an seine Auserwählte heran, zieht schlussendlich sogar bei ihr ein und darf – stellvertretend für alle anderen Außenseiter der jugendlichen Gesellschaft – die knackige Abby bewundern. Jetzt muss Connor nur noch ihr Herz erobern.

Es ist leicht zu erkennen, dass „Primeval“ in seichten Gewässern fischt. Es gibt keinen großen Anspruch. Das gilt auch für die von den Machern gelobten Tricks und Special Effects. Diese wurden am Computer generiert und ihre CGI-Herkunft ist offensichtlich. Auch die Action wirkt gekünstelt, ebenso die grundlegende Handlung selbst. Es wirkt stellenweise, als hätten die Produzenten versucht „Stargate SG1“ zu klonen und dabei ist ein Unfall passiert. Trotzdem ist die erste Staffel der Serie stellenweise recht unterhaltsam. Sie gewinnt zum Ende hin sogar an Spannung und Fahrt, denn es kristallisiert sich tatsächlich ein übergreifender Handlungsbogen heraus.

Und mit dem kracht der Zuschauer dann brachial in die zweite Staffel hinein, die nun aus ganzen sieben Episoden besteht. Der Zuschauer hat sich von Claudia Brown verabschieden müssen. Das ist vor allem für Cutter ein Problem, denn immerhin empfand er tiefe Zuneigung für sie. Statt sich nun der Liebe hinzugeben, muss er sich gegen seine Ehefrau durchsetzen. Denn Helen wird nun zum Dreh- und Angelpunkt der Serie.

Die Produzenten haben von der reinen Teenager-Serie Abschied genommen und die Möglichkeiten einer Zeitanomalie genutzt, um „Primeval“ ordentlich umzukrempeln. Cutter kehrt aus der Vergangenheit zurück und lässt eine sich selbst erfüllende Prophezeiung hinter sich. Doch die Gegenwart hat sich verändert. Es gab nie eine Claudia Brown und das Team hat im sogenannten ARC einen festen Stützpunkt. Von hier aus erforscht die Mannschaft weiterhin die Anomalien, kann jedoch auf mehr Ressourcen zurückgreifen.

Noch immer ist Connor in Abby verknallt, doch es gibt nur einen freundlichen Händedruck oder mal einen Schmatzer auf die Wange. Wenigstens ist Abbys Schwärmerei für Stephen zu den Akten gelegt worden, hat dieser doch was mit Helen am Laufen. Sehr zum Ärger von Cutter. Und der steht vor dem Problem, dass die neue PR-Managerin des ARC Jennifer „Jenny“ Lewis ist und Claudia zum Verwechseln ähnlich sieht. Somit bleibt Lucy Brown der Serie vorerst als Schauspielerin erhalten.

Der durchgehende Handlungsbogen sorgt nun für einen besseren Ablauf der Serie. Einige Logiklücken wurden geschlossen und durch die plötzliche Wendung mittels der veränderten Realität, ist auch das leicht veränderte Verhalten der Charaktere zu erklären. Vor allem der Konflikt zwischen Cutter, Helen und Stephen trägt zu einem runderen und spannenderen Bild bei. Scheinbar wurde auch das Budget der Serie aufgestockt, denn die Kulissen sind größer, abwechslungsreicher und auch die CGI-Effekte haben zugelegt. Man sieht zwar noch immer, dass es Computerwesen sind, aber diesmal wirken sie einfach einen Tick echter. Und endlich wurden der Kasper und das Krokodil in die staubige Kiste gesteckt, in die sie auch hineingehören.

Eine besonders schöne Idee der Drehbuchautoren ist, dass nun auch Kreaturen aus der Zukunft die Gegenwart besuchen. Allerdings gibt es hier keine großen Änderungen, denn diese Kreaturen fressen auch gerne Menschen. Die Handlung wird nun durch Helen besonders vorangetrieben. Sie auch scheint Wissen und Technik aus der Zukunft zu besitzen, das macht neugierig. Doch die Enthüllungen, die lassen auf sich warten. So wie die Figur der Helen in der Serie gewinnt, so gewinnt auch  Juliet Aubrey hinzu. Ihre Darstellung der Helen ist sehr packend und stellenweise gar ergreifend. Auf der einen Seite menschliches Monster, auf der anderen Seite verletzlicher Mensch. Eine sehr glaubhafte Darstellung der Rolle.

Ebenso wie die zweite Staffel, so bringt auch die dritte Staffel einige Veränderungen mit sich. Die Serie wirkt nun noch erwachsener, spielt noch stärker mit den Möglichkeiten und Gefahren der Anomalie. Eine der DVDs kommt sogar mit einem FSK von 16 daher, was sich natürlich auch auf die ganze Box niederschlägt. Merkwürdigerweise sanken in Großbritannien die Einschaltquoten „Primevals“ bei der dritten Staffel auf knapp über vier Millionen ab. Dabei gewinnt die Serie gerade jetzt an Spannung.

Connor und Abby kommen sich endlich näher. Das bedeutet immer weniger Liebeleien unter Jugendlichen. Zwar muss  Hannah Spearritt noch immer ihren knackigen Körper präsentieren, aber endlich wirkt es natürlich. Auch Connors Schüchternheit wirkt passend und ist kein zentraler Bestandteil mehr.

Und erneut hat sich einiges im Team verändert. Durch Tod eines Mitglieds und dem Ausscheiden von Jenny aus dem Dienst, ist der Weg frei für neue Mitglieder. Da wäre erst einmal die Ägyptologin Sarah Page (Laila Rouass). Leider ist ihre Einstiegsfolge auch die dümmste der ganzen dritten Staffel. Es tauchen tatsächlich Urzeitkrokodile auf die das Fressen einstellen, sobald sich die Leute vor ihnen verbeugen. Logische Erklärung: Sie sind es halt alle aus Ägypten gewohnt angebetet zu werden. Was für ein Unsinn. Nun, die Neue im Team braucht halt auch ihr Scheinwerferlicht, um gut dazustehen. Glücklicherweise ist diese Folge nur ein Ausrutscher und Sarah wird tatsächlicher zu einer tragenden Figur mit plausibler Geschichte.

Eine tragende Figur ist auch Helen – immer noch. Sie enthüllt weitere Details aus der Zukunft und dem Zuschauer werden ihre Motive klar, sind sogar nachvollziehbar. Die Szene in der sie ihren eigenen, geliebten Mann erschießt, ist heftig. Doch Helen, gefangen in ihrem eigenen Wahn – ausgelöst durch das Wissen um die Zukunft der Menschheit – sieht einfach keinen anderen Ausweg. Starker Tobak!

Im ganzen positiven Chaos der dritten Staffel, mausert sich Danny Quinn (Jason Flemyng) zum neuen Teamleiter. Er ist risikofreudig und unbesonnen, in vielen Dingen also das Gegenteil von Cutter. Doch das Team kann sich jederzeit auf seine Hartnäckigkeit und seine Loyalität verlassen. Das gilt auch für Captain Becker (Ben Mansfield) der eine Spezialeinheit leitet und zum Schutz des Teams eingeteilt ist. Endlich haben die Drehbuchautoren was gelernt und präsentieren glaubhafte und nachvollziehbare Gründe, warum das Team ohne Waffen und nur mit einem Grinsen gegen menschenfressende Dinosaurier in den Kampf zieht. Wobei, diesmal kommen die Soldaten auch mal zum Zuge. Alles andere wäre nun auch endgültig unglaubwürdig.

Die Handlung ist nun eine wahre Achterbahnfahrt. Zwar sehen die Monster noch immer deutlich nach CGI aus, aber Action und Spannung nehmen dramatisch zu. Es gibt Verfolgungsjagden durch die Zeit, Verrat in den eigenen Reihen, Klonsoldaten, tödliche Liebschaften, knallharte Zweikämpfe, mutierte Menschen, Killer aus der Zukunft und den Plan die gesamte Menschheit auszurotten. Hier wurde das Gaspedal bis zum Anschlag durchgedrückt. Endlich wird Helens Motiv enthüllt und auch ihr Plan ans Licht gezehrt. Dabei kommen auch viele Spielereien aus der Zukunft vor, die den Anstrich der Science Fiction verstärken. Und schlussendlich präsentieren die Macher einen sehr spannenden Cliffhanger, der Lust auf mehr macht – Lust auf eine Fortsetzung, Lust auf einen Kinofilm.

„Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster“ ist keine Serie die mit einem ausgefeilten Plot überzeugt, erstklassige Tricktechnik bietet oder gar Charaktertiefe. Die Serie bietet einfache Durchschnittskost, gespickt mit peinlichen Ausrutschern und wunderbaren Glanzlichtern. Diese Glanzlichter nehmen zum Ende der Serie immer mehr zu. „Primeval“ ist eine Serie, die mit der Zeit wächst, blüht und gedeiht. Aus einem langweiligen Mauerblümchen entwickelt sich eine schöne Orchidee. Besonders spannend ist dabei, diese Entwicklung mitzuerleben. Das macht schlussendlich den wahren Reiz der Serie aus und erinnert irgendwie an ein Kind: Es wird geboren, wächst auf und steht schlussendlich auf eigenen Beinen. Bleibt zu hoffen, dass „Primeval“ zukünftig dieses erreichte Niveau beibehalten wird. Es wäre Schade, würde die Serie eingehen oder auf dem Altenteil landen.

Die Ausstattung der DVD-Box ist von guter Qualität. Jede Staffel befindet sich in einer eigenen Hülle und diese stecken wiederum in einem schön gestalteten Pappschuber. Leider gibt es keine Wendecover und keinen Überzieher. Dadurch bleibt der Blick auf das grüne FSK-Siegel frei. Schade.

Die Bildqualität ist weitgehend in Ordnung. Kommt es zu CGI-Effekten wirkt es manchmal schwammig. Oft ist das wohl Absicht, um die Computeranimation etwas zu verschleiern. Der Ton liegt in Dolby Digital 2.0 auf Deutsch und Englisch vor. Er ist durchweg sauber und dringt gut aus den Boxen. Bei solch einer Serie wäre aber 5.1 sicherlich besser gewesen. Der Untertitel ist nur in Englisch vorhanden. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls gelungen und weist keine Fehler auf. Die Stimmen sind weitgehend passend gewählt. Eine gute Arbeit.

Das Bonusmaterial besteht aus einem Making-of und einem Behind-the-Scenes. Beide Beiträge sind informativ und schön gestaltet, aber leider etwas wenig für eine Box mit diesem Umfang. Hier hätten sich Fans sicherlich mehr erhofft. Das Bonusmaterial ist jedenfalls unterer Standard.

Abschließend bleibt zu sagen, dass es sich bei „Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster“ um eine ambitionierte  Serie mit vielen und großen Schwächen am Anfang handelt, die aber mit jeder weiteren Staffel einen Qualitätssprung vollführt. Vor allem Staffel Zwei und Staffel Drei trumpfen auf, wobei das vorläufige Serienfinale sehr spannend ist und nach mehr verlangen lässt. Trotz Mängel also eine Empfehlung für die heimischen Abspielgeräte!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Bei Libri.de

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Masada

Erstellt von Redaktion am 11. Dezember 2009

masadaMasada

Originaltitel: Masada
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 1981
Länge: 360 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Boris Sagal
Drehbuch: Joel Oliansky
Produktion: George Eckstein
Musik: Jerry Goldsmith, Morton Stevens
Kamera: Paul Lohmann
Schnitt: Edwin F. England, Peter Kirby

Besetzung: Peter O’Toole, Peter Strauss, Barbara Carrera, Nigel Davenport, Alan Feinstein, Giulia Pagano, Anthony Quayle, Denis Quilley, Paul L. Smith, Anthony Valentine, Timothy West, David Warner, George Peter Innes, David Opatoshu, Richard Pierson, Jack Watson, Joseph Wiseman

Anfang der 80er Jahre machte sich Regisseur Boris Sagal daran, einen bekannten Mythos zu verfilmen. Ihm stand ein Budget von zwanzig Millionen Dollar und die Unterstützung der israelischen Armee zur Verfügung. Heute ist der Mythos um Masada entzaubert und Israel würde keine Soldaten mehr zur Unterstützung der Dreharbeiten entsenden. Dabei sind es gerade die Soldaten, die diese Mini-Serie eröffnen. Es sind junge Rekruten, die auf der Festung Masada ihren Eid ablegen und sich an die damaligen Ereignisse zurückerinnern. Die Nutzung Masadas - als patriotischer Schauplatz für den Fahneneid – ist aber seit Anfang der 90er Jahre ebenfalls nur noch Geschichte.

Die von ABC produzierte Serie wirkt im ersten Augenblick wie ein sorgfältig recherchierter Historienfilm. Doch tatsächlich ist vieleFiktion oder wurde im Nachhinein als falsche Überlieferung enttarnt. Ein historisch korrektes Epos ist „Masada“ auf keinen Fall.

Basierend auf dem Roman „The Antagonists“, von Ernest K. Gann, findet die Geschichte in acht Episoden statt. Sie beginnt damit, dass sich jüdische Rebellen auf dem Felsplateau Masada verschanzen, eine scheinbar uneinnehmbare Festung. Der Anführer der Rebellen, Eleasar ben Ja’ir (Peter Strauss), fühlt sich von Flavius Silva (Peter O’Toole) hintergangen. Dieser versprach dem Juden in Rom ein Wort beim Kaiser Vespasian (Timothy West) einzulegen. Doch Silva kehrt als Legat und Eroberer zurück. Die Politik zwingt Cäsar hart durchzugreifen.

Silvas Aufgabe ist es nun, die Festung Masada zu erobern und die Überlegenheit Roms zu demonstrieren. Da kommt der Römer Rubrius Gallus (Anthony Quayle) auf die Idee, eine Rampe zu errichten und auf ihr mit einem Belagerungsturm zur Festungsmauer hinaufzufahren. Der Plan wird in die Tat umgesetzt, doch Eleasar und seine Leute bekämpfen die Römer mit allen Mitteln. Also setzt Silva jüdische Sklaven ein. Wie erhofft haben die Juden Skrupel ihre Landsleute anzugreifen und sehen beinahe tatenlos dem Bau der Rampe zu. Als die Römer schließlich mit ihrem Turm die Mauer zum Einsturz bringen, entschließen sich die Rebellen zu einer schrecklichen Tat …

Obwohl die Verfilmung des Masada-Mythos voll historischer Fehler steckt, handelt es sich bei „Masada“ um eine sehr schön verfilmte Serie in historischem Gewand. Boris Sagal drehte an historischen Orten, setzte tausende von Statisten für die Dreharbeiten ein, trotzte Sandstürmen und extremer Hitze. Er ließ die Festung nahe des Originals nachbauen, ebenso Rampe und Turm. Auch die Lager der Römer wurden errichtet, um das Lagerleben und die Belagerung so getreu wie möglich zu inszenieren. Alleine diese Materialschlacht und Detailverliebtheit verdient Bewunderung. Material und Details spiegeln sich nun auch in vielen Einstellungen und Kamerafahrten wieder. Es ist imposant wie die Historie plötzlich zum Leben erwacht und sich derart lebendig präsentiert.

Ebenso überzeugend wie Land und Requisite, ist auch die Riege der Darsteller. Allen voran Peter O’Toole in der Rolle des Flavius Silva und Peter Strauss als Eleasar ben Ja’ir. Und hier zeigt sich ein kleines Übel der exzellenten Besetzung. O’Toole und Strauss dominieren die Serie, ziehen den Fokus stets auf sich. Sie sind sozusagen die leuchtende Sonne, um die alle anderen Planeten kreisen. Natürlich, denn im Grunde dreht sich auch alles um den Konflikt zwischen Judäa und Rom, zwischen Silva und Eleasar. Doch dabei nehmen diese beiden Männern allen anderen Darstellern beinahe den Raum zum Atmen. Ihr Spiel ist einfach brillant, ausgefeilt und authentisch. Sie spielen nicht, sie sind!

Diese erstklassige Leistung ist kaum zu übertreffen. Und so versinkt das ebenfalls sehr gute Spiel von Schauspielern wie Timothy West, Anthony Quayle und Barbara Carrera beinahe in Bedeutungslosigkeit. Doch gerade Barbara Carrera ist zu erwähnen, sind die weiblichen Rollen in der Serie doch streng limitiert. Um so wichtiger ihre Rolle als Sheva, die Geliebte von Silva. Ihr emotionales Spiel im Dialog mit Peter O’Toole gehört zu den Glanzlichtern der Serie, ebenso wie O’Tooles Dialoge mit Strauss. Hier werden schauspielerische Bestleistungen gezeigt. Kein Wunder, dass „Masada“ einst etliche Preise und Nominierungen erhielt.

Nach all den Jahren erscheint nun die TV-Fassung von „Masada“ auf DVD im Digi-Pack und beiliegendem Booklet. Das Booklet ist schön gestaltet und bebildert, der Text scheint aber einfach - ohne Quellenangabe - bei Wikipedia herauskopiert worden zu sein.

Die DVDs sehen schön aus. Auf beiden Datenträgern sind jeweils vier Episoden enthalten. Bonusmaterial ist leider keines vorhanden. Die TV-Fassung kommt übrigens in der Originalsynchronisation daher. 1981 gab es nämlich eine auf knapp über einhundertzwanzig Minuten zusammengeschnittene Kinofassung von „Masada“, mit anderen Synchronsprechern. In der Box findet sich aber die deutsche TV-Synchronisation.

Technisch ist „Masada“ leider unterdurchschnittlich zu nennen. Das Bild liegt im TV-Format 4:3 vor, weist Rauschen und manchmal auch schwammige Szenen auf. Der im Filmt enthaltene billige Trick mit der brennenden Festungsmauer kommt hier besonders schäbig zur Geltung, da moderne Geräte jedes Detail entlarven. Ein Remaster von „Masada“ hätte den DVDs gutgetan. Da hat die Produktion leider geschludert.

Das gilt auch für den Ton. Zugegeben, 1981 wurden TV-Serien üblicherweise in Mono abgedreht, doch gibt es heutzutage Möglichkeiten Dolby Digital 1.0 ein wenig zu verbessern. So bekommt der Zuschauer tatsächlich das Original zu Gesicht, mit all den sichtbaren und hörbaren Spuren vergangener Jahre. Das ist bedauerlich.

Der Ton liegt in zwei Spuren vor. Einmal die etwas bessere deutsche Tonspur und die geräuschintensivere englische Tonspur. Da die Synchronisation sehr gelungen ist, bleibt es schlussendlich Geschmackssache, was  zu bevorzugen ist. Leider gibt es keinen Untertitel.

„Masada“ ist eine spannende Serie, die eindrucksvoll das Leben der Legionäre und Juden der damaligen Zeit zeigt darstellt. Natürlich stellenweise mit Abstrichen, aber dennoch eindrucksvoll. Leider bietet die DVD nur wenig der Möglichkeiten, die dieses Medium eigentlich besitzt. So kommen Bild und Ton schlecht daher. Trotzdem ist die Box eine Empfehlung, vor allem durch das großartige Schauspiel von O’Toole und Strauss.

Copyright © 2009 by Günther Lietz

“Masada” bei Libri.de

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Keiler - Der Menschenfresser

Erstellt von Michael Drewniok am 19. November 2009

keilerKeiler - Der Menschenfresser

Originaltitel: Chaw (Südkorea 2009)
Regie u. Drehbuch: Shin Jung-won
Kamera: Kim Yong-chul
Schnitt: Choi Jai-keun
Musik: Kim Jun-seong
Darsteller: Eom Tae-woong (Kim Kang-so), Jang Hang-seon (Cheon Il-man), Yoon Jae-moon (Baek Man-bae), Jeong Yu-mi (Byeon Soo-ryeon), Heo Yeon-hwa (Mi-yeong), Park Hyeok-kwon (Detektive Shin Hyeong-sa), Lee Sang-hee (Polizeichef), Jeong Yoon-min (Polizist Park), Kim Gi-cheong (Bürgermeister), Jo Moon-ee (Kwak), Park Hye-jin (Kims Mutter), Ko Seo-hee (Schamanin), Ha Yoo-i (Choon-hwa) uva.
Label/Vertrieb: Ascot-Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 05.11.2009 (Leih-DVD) bzw. 10.12.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 7613059800984 (Leih- bzw. Kauf-DVD), 7613059400986 (Kauf-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby DTS 5.1 (Deutsch), Digital 5.1 (Deutsch, Koreanisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 117 min. (Blu-ray: 122 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Sammae-ri ist ein Dorf im gebirgigen Hinterland Südkoreas. Die Bewohner leben von der Landwirtschaft. Im Laufe der Zeit haben sie ihre Felder ständig vergrößert. Die Wildnis wurde kultiviert, die Tiere flüchteten oder wurden von Wilderern ausgerottet. Geblieben sind nur die wilden Schweine, denen sich auch die Jäger nur vorsichtig nähern. Die zähen Borstenviecher leiden Hunger, weshalb sie sich angewöhnt haben, Gräber aufzubrechen und Leichen zu fressen. Ein besonders gewaltiger Keiler fällt neuerdings auch Menschen an; Choon, die Enkelin des ehemaligen Jägers Cheon, wird sein erstes Opfer

Für den geschäftstüchtigen Bürgermeister von Sammae-ri ist diese Schweinerei eine Katastrophe. Er hat mit dem Geschäftsmann Kwak einen Deal eingefädelt; sie wollen Großstädtern Grundbesitzanteile verkaufen. Eine große Gruppe anlagewilliger Kunden ist schon angereist. Auf gar keinen Fall sollen sie merken, was in den Bergen vorgeht. Heimlich heuert man deshalb den berühmten Jäger Baek Man-bae an, der bald ein totes Wildschwein aus dem Wald zieht.

Doch der erfahrene Cheon weiß, dass Baek das falsche Schwein erwischt hat. Als das wahre Untier wenig später das Dorf attackiert und ein Blutbad anrichtet, will Cheon ihm allein nachstellen. Baek leistet Abbitte und schließt sich dem alten Jäger ebenso an wie der gerade aus der Hauptstadt Seoul nach Sammae-ri versetzte Polizist Kim, sein Kollege Detective Shin sowie die Ökologie-Studentin Byeon. Sie wagen sich in das Bergreich des Keilers, der dort jeden Winkel kennt und abwartet, bevor er aus dem Hinterhalt zuschlägt und aus Jägern Gejagte werden, denn der Keiler ist nicht nur riesig und schier unverwundbar, sondern auch schlau und fest entschlossen, keinen Gegner entkommen zu lassen …

Ein Schwein: nicht weiß aber trotzdem eine Bestie

Diese Überschrift findet nur schleierhaft, der „Keiler“ noch nicht gesehen hat. Selbst der in der Filmhistorie wenig bewanderte Zuschauer merkt schnell, dass die Handlung in weiten Passagen quasi deckungsgleich mit dem Klassiker „Der weiße Hai“ abläuft. Da gibt es u. a. eine Szene, in der Jäger Cheon – der im „Keiler“ die Rolle des knurrigen Hai-Killers Quint übernimmt – in einem Lagerschuppen den Magen des angeblichen Kannibalen-Schweins aufschlitzt, um zwischen allerlei Abfall und Halbverdautem nach Überresten gefressener Menschen zu suchen. Der erfahrene Zuschauer wird viele andere Parallelen entdecken. Darüber hinaus hat sich Drehbuchautor und Regisseur Shin Jung-won tüchtig aus jenem Fach der Klischee-Kiste bedient, das für den Tier-Horrorfilm vorgesehen ist. Shin arbeitet – Achtung: Ironie! – mustergültig ab, was unzählige Vorgänger bereits durchexerziert haben.

Zwei Stunden Laufzeit sind ungewöhnlich lang für einen Horrorfilm. Zumindest der ‚westliche‘ Zuschauer denkt so, der schnellen Grusel mit flinken Schnitten gewöhnt ist. Shin Jung-won lässt sich Zeit. Abschweifungen und Ellipsen sind im asiatischen Kino nicht ungewöhnlich. Also wird die eigentliche Handlung von Ereignissträngen begleitet, die für das Geschehen kaum oder gar nicht erheblich sind und oft irgendwann im Nichts auslaufen. So beginnt die Geschichte mit einer Einleitung, die Kim als Verkehrspolizisten in Seoul zeigt. Das dient der Charakterisierung der Hauptfigur, die sich indes filmisch wesentlich kürzer fassen ließe. Auch das Dorf Sammae-ri und seine Bürger werden ausführlich vorgestellt. Der Keiler hat inzwischen frei. Sein Auftritt wird sorgfältig vorbereitet. Erst sehen wir nur seine Spuren, dann ahnen wir ihn in der Dunkelheit oder blicken durch seine Augen.

Das Schwein im Menschen

„Keiler“ will wie die meisten Tier-Horrorfilme auch Allegorie sein. Das mörderische Schwein ist deshalb das Produkt eines Menschen, der seine Umwelt ausbeutet, bis dies gegen ihn zurückschlägt. Das ökologische Sahnehäubchen ist auch im Horror- Genre nicht mehr ganz frisch, aber es lässt sich dem Filmprodukt schnell und kostengünstig aufsetzen.

Hätte der Keiler seinen ursprünglichen Lebensraum behalten können, wäre er nie kannibalisch auffällig geworden. Für seinen Riesenwuchs und seine Unerschrockenheit findet Shin eine bizarre aber genrekonforme ‚Begründung‘: Der Keiler gehört einer Schweinerasse an, die von den Japanern – die Korea während des II. Weltkriegs besetzt hielten und dort unzählige Verbrechen verübten – gezielt gezüchtet wurde. Dazu kommt eine alte Sage ins Spiel: Der Keiler treibt dort sein Unwesen, wo vor vielen Jahren ein mörderischer Sektenführer gewaltsam zu Tode kam, dessen Geist womöglich in das Untier fuhr.

Dass der Keiler ungestört töten kann, verdankt er auch der Profitgier seiner Gegner. Hier repräsentieren der Bürgermeister und Geschäftsmann Kwak aus der Stadt die unheilige Allianz von Politik und Wirtschaft. In Gestalt des unfähigen und rückgratlosen Polizeichefs ist die Exekutive Teil des Komplotts, das ein systematisches Vorgehen gegen die  Gefahr verhindert. Aber auch die Dorfbewohner selbst verweigern sich. Sie denken ausschließlich an sich und ihre Ernte. Die ungeliebte und gern kritisierte Polizei soll sie vor dem Keiler schützen.

Schwein de luxe

Taugt ein Schwein als Film-Ungeheuer? Eindeutig ja, denn diese Tiere sind auch ohne filmische Übertreibung kräftig, recht groß, dabei flink, ziemlich intelligent und im Notfall ausgesprochen angriffslustig. Unter dem Rüssel sitzen vor allem beim männlichen Schwein eindrucksvolle Zähne, die fürchterliche Wunden reißen können. Wo wilde oder verwilderte Schweine leben, halten kluge Menschen tunlichst Abstand. Zwei Jahre vor „Highlander“ drehte Regisseur Russell Mulcahy 1984 den Film „Razorback“, der ein bösartiges Schwein im australischen Outback wüten ließ. Schon dieses Ungetüm demonstrierte eindrucksvoll den Unterschied zwischen dem gemütlichen Schnitzel-Quieker und einem echten Wildschwein.

Seit 1984 hat die Tricktechnik erstaunliche Fortschritte gemacht. Längst ist es möglich, ein pferdegroßes Schwein digital ins ‚Leben‘ zu rufen. Ein Gesamtbudget von 5,4 Mio. Dollar reicht indes nicht für Spitzeneffekte aus. Folgerichtig wirkt der Keiler nicht besonders lebensecht, wenn er sich endlich in voller Hässlichkeit zeigt. Er bewegt sich wie eine mit Gelee gefüllte, sehr struppige Socke. Zudem wurde ihm ein Schweinskopf mit ‚teuflischen‘ Gesichtszügen aufgesetzt. Was die Fratze des Bösen widerspiegeln soll, wirkt wie eine Halloween-Maske.

Schweinerei statt Schauspielkunst

„Keiler“ ist kein ‚reiner‘ Horrorfilm, sondern eine schwarze Komödie. Schon der originale Filmtitel deutet es an: „Chaw“ bedeutet übersetzt „gut durchgekaut“. Dass beide Genres problemfrei miteinander funktionieren, belegen gelungene Produktionen wie „Shaun of the Dead“. Aber während die Attacke eines tobsüchtigen Schweins problemlos weltweit für Gänsehaut sorgen könnte, wird Humor in verschiedenen Kulturkreisen offensichtlich unterschiedlich definiert. Ohnehin ist das asiatische Schauspiel aus westlicher Sicht eine seltsam verdrehte Kunst. Im Vordergrund steht nicht das möglichst realitätsnahe Spiel, das in der Handlung aufgeht. Stattdessen werden Emotionen unerhört überzeichnet dargeboten. Den westlichen Zuschauer reißt solches Overacting immer wieder aus der Geschichte. Zu den besonders unrühmlichen Beispielen gehören in „Keiler“ die Auftritte des cholerischen Polizeichefs und seiner debilen Untergebenen, die wie seelengewanderte Keystone-Cops aus dem US-Stummfilm agieren: übertrieben, albern, peinlich. Schon der generell gelungene Horrorfilm „Gwoemul“ (2006, ‚dt.‘ „The Host“), der dem phantastischen Kino aus Südkorea im Westen viele Türen öffnete, litt unter diesem Manko.

Die Übertreibung macht sich in „Keiler“ besonders ärgerlich dort bemerkbar, wo die Handlung wirklich komisch ist: Shin weiß sehr wohl, was schwarzer Humor ist, weshalb doppelt schade wirkt, dass dies durch den Inszenierungsstil torpediert wird. Mancher Einfall ist für sich betrachtet genial, weil er unerwartet und lakonisch präsentiert wird. Kims senile Mutter ist stets für einen misslichen Auftritt gut; der strenge Detective Shin ist ein Kleptomane; wenn der alte Cheon die Konstruktion einer Bärenfalle schildert, begleitet eine animierte Konstruktionszeichnung seinen Vortrag; eine aufwendig unter Einbeziehung grandioser Landschaftsschaftsaufnahmen gestaltete Begräbnisszene entpuppt sich als Trauerfeier für einen Hund. Im Schlussbild verzieht ein winziges und putziges Wildschwein-Ferkel seine Miene mit minimaler, als solche kaum zu registrierender CGI-Unterstützung zu einer ‚dämonischen‘ Fratze – glänzender kann man die obligatorische Andeutung einer Fortsetzung nicht parodieren!

Den Spagat zwischen den beiden Kino-Kulturen weiß Shin Jung-won nicht zu meistern. „Keiler“ ist in Südkorea erfolgreich gelaufen. Hierzulande versucht die Werbung auf der schon abgeflachten Asia-Horror-Welle zu reiten. Ein moderner Klassiker ist „Keiler“ nicht; dazu sind die (längst nicht in ihrer Gesamtheit aufgelisteten) Eigenheiten und Fehler zu ausgeprägt. Man darf zwar vom asiatischen Kino nicht kategorisch originäre Geschichten verlangen. Shin treibt es jedoch ein ganzes Stück zu weit mit der Plünderung erfolgreicher Vorbilder. „Keiler“ ist Kino der B-Kategorie – mit diversen Schlenkern in den Trash-Bereich. Kann man das (sowie die lieblos-monotone Synchronisation) ertragen, hat die zweistündige Schweinehatz durchaus ihre unterhaltsamen Momente.

DVD-Features

Sparsam wurden dem Hauptfilm einige Extras beigefügt. Da gibt es wie üblich den Originaltrailer, hinzu kommen einige Interviews mit Darstellern und dem Regisseur. Diese bedienen sich ihrer koreanischen Muttersprache, aber erfreulicherweise wurden ihre Worte deutsch untertitelt. Anders als ihre westlichen Kollegen haben die asiatischen Filmschaffenden die Alibi-Funktion des „Making-of“ als verkappte Werbung noch nicht verinnerlicht – sie bemühen sich, auf Fragen nach der Intention ihrer Rollen ehrlich und informativ Antwort zu geben.

Ein drittes Feature zeigt interessante aber willkürlich und unkommentiert bleibende Impressionen von den Dreharbeiten. „Chaw“ entstand nicht ausschließlich in Südkorea. Für zwei Monate reisten Darsteller und Regisseur nach Kalifornien. Dort nutzte man nicht nur die US-amerikanische Tricktechnik, sondern drehte auch viele der Jagdszenen, in die später per Green-Screen das böse Schwein integriert wurde.

Im Internet gibt es eine Website zum Film, die sich indes nur denen erschließt, die der koreanischen Sprache in Wort und Ton mächtig sind.

[md]

Titel bei Amazon (DVD)
Titel bei Amazon (Blu-ray)

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Frozen - Etwas hat überlebt / Preisrätsel: 3 x 1 Blu-ray

Erstellt von Michael Drewniok am 1. Oktober 2009

Frozen - Etwas hat überlebt

frozenOriginaltitel: The Thaw (USA/Kanada 2009)
Regie: Mark A. Lewis
Drehbuch: Mark A. Lewis, Michael Lewis
Kamera u. Schnitt: Rob Neilson
Musik: Michael Neilson
Darsteller: Martha MacIsaac (Evelyn Kruipen), Aaron Ashmore (Atom Galen), Kyle Schmid (Federico Fulce), Steph Song (Ling Chen), Viv Leacock (Bart), Val Kilmer (David Kruipen), Anne Marie DeLuise (Jane Sanders), John Callender (Edward), Alejandro Rae (Rob) u. a.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 24.09.2009 (Leih-DVD) bzw. 22.10.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 7613059800953 (Leih-DVD) bzw. 7613059900950 (Kauf-DVD) bzw. 7613059400955 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1; anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 90 min.
FSK: 16

Das geschieht:

Sein ganzes Forscherleben hat sich Dr. David Kruipen nicht nur als brillanter Wissenschaftler, sondern auch als unbequemer Mahner einen Namen gemacht. Die Gleichgültigkeit einer umweltschädigenden Menschheit versuchte er notfalls als Öko-Terrorist zu erschüttern. Darüber ist seine Familie zerbrochen; Kruipen kam nicht einmal zur Beerdigung seiner Ehefrau, was ihm Tochter Evelyn bitter nachträgt.

Kruipen hält sich derzeit in der Arktis auf, wo er den Spuren der globalen Erwärmung nachspürt. Der seit Jahrzehntausenden gefrorene Boden taut allmählich auf und gibt seine Geheimnisse preis - und seine Schrecken, denn im Kadaver eines gut erhaltenen Mammuts entdecken Kruipen und seine Crew vorzeitliche Parasiten, die winterstarr überlebten und nun hungrig auf frisches Fleisch warten: Eisbären - und Menschen! Bald müssen die ersten Forscher entdecken, dass sie infiziert wurden. Der Parasit bohrt sich unter die Haut, vermehrt sich dann fleißig und frisst seinen Wirt von innen auf. Kruipen erkennt die Gefahr und verhängt per Funk eine Quarantäne über sein Lager.

Fatalerweise kommt die Warnung zu spät für drei Studenten, die mit Kruipen forschen wollen. An Bord des Helikopters, mit dem Pilot Bart das Trio zum Lager fliegt, ist auch Evelyn. Sie will dem Vater einige Papiere abringen, die sie in den Besitz des reichen mütterlichen Erbes bringen sollen. Ahnungslos landen die fünf Besucher im scheinbar verlassenen Lager. Während Kruipen und seine Crew auf der Außenstation um ihr Leben kämpfen, machen es sich Evelyn und ihre Begleiter allzu gemütlich. Zu spät erfassen sie, was es mit den seltsamen ‚Käfern‘ auf sich hat, die ihnen zunächst nur lästig sind. Panik greift um sich, doch das eigentliche Grauen wartet noch auf die rasch (und buchstäblich) schmelzende Schar der attackierten Arktis-Reisenden …

Coole Story, aber es taut

“Frozen” ist ein Film, der Eisbären - ein Vertreter dieser Spezies spielt eine gewichtige Rolle - und Zuschauer im Chor brummen lässt; den einen vor Wut, weil ihm ein Betäubungspfeil in den Hintern geschossen wird, die anderen vor Frust, weil man ihnen schon wieder eine Story vorspielt, von der sie jede Note mitsingen können.

Wortspiele mit dem Filmtitel bieten sich viel zu verführerisch an, um unberücksichtigt zu bleiben. Obendrein gilt es, die wie üblich dumme ‚Übersetzung‘ des Originaltitels zu korrigieren: “Frozen” ist nicht nur eine denglische Perversion, sondern verkehrt den Plot zudem in sein Gegenteil. Die Krux ist, dass es in der Arktis eben nicht mehr friert, wie es sich gehört. Stattdessen schmilzt das nur scheinbar ewige Eis, weil der Mensch einen Prozess der globalen Erwärmung in Gang gesetzt hat, der an den Polen ein immer mächtiger durchschlagendes Tauwetter - “thaw” - ausgelöst hat.

Eine ernste Sache ist das, die sich die Brüder Mark und Michael Lewis als Drehbuchautoren und Regisseur zueigen machen. Sie nutzen bzw. missbrauchen die Botschaft dessen ungeachtet ausschließlich als Mittel zum Zweck, der darin besteht, ihrem Film ein möglichst großes Publikum zu sichern. Die Warnung vor dem Öko-Gau ist gutmenschlich plump aufgesetzt, für das Geschehen unnötig und letztlich nur peinlich.

Noch hält das Eis ranzige Filmstorys frisch

Denn “Frozen” ist nicht mehr (aber oft weniger) als die x-te Version der Invasion aus dem Mikrokosmos, der tödliche Feind nicht groß und böse, sondern winzig und schwer zu entdecken, hinterlistig und tritt in Massen auftretend, sodass die Gefährdung und Dezimierung der Darstellerschar garantiert bleibt. Schon das Wort “Parasit” sorgt kostengünstig für Zuschauerschauder. Die moderne Tricktechnik ermöglicht darüber hinaus fiese Krankheitsbilder von unglücklichen Opfern, die nach und nach zu blutig-schleimigen Gruselgestalten degenerieren.

Diese Nische des Horrorfilms ist alt, was kaum verwundert, da die genannten Elemente ihre Publikumswirksamkeit nie eingebüßt haben. Der Faul-und-Kotz-Grusel ist derzeit wieder aktuell, seit Eli Roth ihm 2002 mit “Cabin Fever” neues Leben einhauchte. Hübsche Teenies werden nicht mehr ausschließlich durch irrsinnige Massenschlächter ausgelöscht. Sie zerfallen nun in Großaufnahme.

Mit der Verlagerung der Story in die Arktis hat sich der Variationswille der Lewis-Brüder ohnehin erschöpft. Wenn die Akteure in der einsamen und isolierten Eisstation eingetroffen sind, besteht die eigentliche Spannung darin zu erraten, in welcher Reihenfolge es sie erwischen wird. Zugegebenermaßen verraten die Todesarten einen gewissen Einfallsreichtum. Leicht gestorben wird in “Frozen” nicht, und die Kamera ist stets dabei!

Logik ist ein unbarmherziges Enteisungsmittel

Bekanntlich sollte der Horrorfilmfan nicht allzu intensiv über die Wahrscheinlichkeiten der Ereignisse nachdenken, die ihm primär zum Zweck der Unterhaltung präsentiert werden. Manchmal treiben es vor allem die Drehbuchautoren gleichwohl so wild, dass dieser gute Vorsatz einfach in Stücke gerissen wird. Auch “Frozen” liefert uns einige Klassiker angewandter Hollywood-Dummheit:

- Die Urzeit-Parasiten haben 20000 Jahre im Ei-Stadium überdauert. (Das ist B-Film-Logik, die der Zuschauer bereitwillig akzeptiert.) Erst jetzt schlüpfen sie in der Wärme aus. Als das im Lager geschieht, erleben wir es hautnah mit, was mit spektakulären Ekel-Szenen dargestellt wird. Woher kommen aber die bereits ausgewachsenen Einzel-Schmarotzer, die viel früher durch die Luftschächte geistern? Das ist Quatsch und soll Autorenfaulheit bemänteln, denn die einzige Antwort lautet: Sie sind dort, um dumme Teenies und den armen Bart zu infizieren, damit später Dramatisches geschieht.

- Wieso glaubt jeder Autoren-Depp, dass Geräusche das Bedrohungspotenzial eines Untiers steigern? Lewis & Lewis lassen die insektoiden Parasiten QUIETSCHEN, was sich so lächerlich anhört, wie es in der Beschreibung wirkt.

- Wer hat den riesigen Eisbären von der Außenstation ins Hauptlager geschleppt? Und warum? (Antwort: Weil ein toter Eisbär im Labor gruseliger wirkt als eine Gewebeprobe unter dem Mikroskop.)

- Als Bart dem übergeschnappten und inzwischen bewaffneten Federico einen Kinnhaken versetzt, wäre dies die ideale Möglichkeit, ihm das Gewehr abzunehmen. Das geschieht selbstverständlich nicht, damit Federico weiter drohend damit herumfuchteln kann.

Wiederum B-Film-Logik ist dagegen, dass der Helikopter mit dem Bösewicht zu guter Letzt nicht irgendwo in den Tundra-Boden, sondern zielgenau in das Kruipen-Lager gerammt wird, das daraufhin mit allen Eiszeit-Parasiten in Flammen aufgeht. Doch gemach: Waren es wirklich ALLE Parasiten …? Eine Fortsetzung wird nicht nur angedeutet; über ihre Realisierung entscheidet keine Klima-Katastrophe, sondern das Einspielergebnis.

Anmerkung 1: Wie man eine vorzeitliche Macht wesentlich intensiver und auch spannender in Szene setzen kann, demonstrierte Regisseur und Drehbuchautor Larry Fessenden in dem 2006 entstandenen und “Frozen” thematisch und inhaltlich sehr ähnlichen “The Last Winter”.

Anmerkung 2: Eben diesem Larry Fessenden verdanken wir “Cabin Fever 2 - Spring Fever” (2009), womit die Quadratur des Kreises “Cabin Fever” - “Last Winter” - “The Frozen” - “Cabin Fever 2″ zumindest in Hollywood ermöglicht wurde …

Das Eis wird dünner, der Val immer dicker

Da “Frozen” nicht nur in Kanada gedreht wurde, sondern als kanadisch-amerikanische Koproduktion entstand, rekrutierte man die meisten Darsteller vor Ort. Seit das US-Fernsehen den dank günstiger Drehkosten jenseits der Nordgrenze lockenden Nachbarn entdeckt hat, ist dort eine stabile Infrastruktur entstanden, deren Mitglieder auf Abruf bereitstehen. Beispielsweise wurde Martha MacIsaac zwar am Ende der Welt auf Prince Edward Island geboren, ist aber dem Gruselfreund möglicherweise schon als übel traktiertes Opfer in der Neuverfilmung von “The Last House on the Left” (2009) aufgefallen.

Prominent ist sie allerdings nicht, was auf die übrigen “Frozen”-Darsteller ebenfalls zutrifft. Es stört nicht. Die Schablonen des Genres haben nichtsdestotrotz auch die Kanadier verinnerlicht, sodass Rollen wie der Held, die Heldin, der Feigling, die Schlampe und der taffe Alibi-Schwarze niemals durch Klischee-Brüche irritieren. Auch zwischenzeitliche Nickerchen werfen den Zuschauer deshalb nicht aus der Bahn.

Zwischen den Nobodys irritiert der Schauspieler Val Kilmer. Wieso engagiert man ihn, um ihn dann in eine Nebenrolle abzuschieben, die nur zu Beginn und in den Finalminuten auftaucht? Kilmer war einmal ein sogenannter “Superstar”, aber zuletzt sah man ihn verstärkt in “direct-do-DVD”-Produktionen agieren. Ist er aus Frust über den Karriereknick so feist geworden? Seine Rolle spielt er als Profi jedenfalls wie im Schlaf - und das darf man wörtlich nehmen.

Schauwerte sorgen für wohlige Schauder

Nichts auszusetzen gibt es am reinen Filmhandwerk. “Frozen” wurde schnell und kostengünstig aber nicht billig realisiert. Die Außenaufnahmen entstanden tatsächlich in freier Natur. Zwar zog die Filmcrew nicht wirklich in die Arktis, aber man richtete sich nahe Dog Creek in der Provinz British Columbia weit außerhalb der Zivilisation ein. Dass die Aufnahmen im Inneren des Lagers im Studio gedreht wurden, wird nie als limitierender Faktor deutlich - die Weite der grandiosen Landschaft ist stets gegenwärtig.

Nicht geknausert wurde auch an den Spezialeffekten, die sich dem blutigen Wirken der Parasiten widmen. Manchmal wird der CGI-Faktor ein wenig zu offensichtlich, aber trotzdem bleiben genug Szenen, in denen sogar der ekelresistente Zuschauer trocken schluckt; selten wirkte beispielsweise die Amputation eines Arms per Schlachterbeil so überzeugend wie hier. Auch das Wuseln der Käfer in offenen Wunden verfehlt seine Wirkung nicht. (Wenn sie dabei nur nicht wieder quietschen würden!) Auch fühlt man instinktiv mit Federico und Ling, die beim Beischlaf jeweils an fataler Stelle von Parasiten befallen werden. (Unzucht führt erst zu Spaß und dann zu strenger Strafe - auch das ist ein ehrwürdiges Horrorwood-Horrorfilm-Prinzip.) Das ersetzt zwar keine gute Story, ist aber das Salz für einen ansonsten permanent durchschnittlichen Film, der immerhin nicht durch die Nonsens-Notfallschaltung des Hirns aus dem Gedächtnis gelöscht werden muss.

DVD-Features

Die Extras zum Hauptfilm beschränken sich auf ein 14-minütiges Filmchen, das einerseits interessante, aber viel zu wenige Impressionen von den Dreharbeiten zeigt, während sich andererseits Darsteller, Regisseur und Drehbuchautor gegenseitig schamlos mit Lobeshymen überhäufen, deren Zweck allzu deutlich darin liegt, “Frozen” als DAS Filmereignis des Jahres (oder der Filmgeschichte) zu bewerben. Glücklicherweise stellen sich alle Beteiligten dabei so ungeschickt an, dass der erhoffte Effekt verpufft bzw. die grobschlächtige Machart den Zorn des Zuschauers erregt. Eventuell findet der “Frozen”-Käufer Trost in der Darreichung der DVD, die nach Auskunft des deutschen Vertriebs “im edlen Stülper mit Silberfolie” präsentiert wird, was hoffentlich nicht so komisch aussieht wie es klingt.

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

PREISRÄTSEL: 3 x 1 Blu-ray
Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden: Wie ist der Vorname von Dr. David Kruipens Tochter? Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” eintragen. Danke. Sobald zwanzig Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Bei FSK18-Gewinnen überprüfen wir vor Versand die Volljährigkeit. Die Gewinner lauten: Katja Stadler, Michael Pohlmann und Rolf Bertheau. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

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Inglourious Basterds

Erstellt von Redaktion am 10. September 2009

Inglourious BasterdsInglourious Basterds

USA 2009
Regisseur: Quentin Tarantino
Drehbuchautor: Quentin Tarantino

Darsteller: Brad Pitt (Lt. Aldo Raine), Mélanie Laurent (Shosanna Dreyfus), Christoph Waltz (Col. Hans Landa/Cannes Film Festival 2009, Bester Darsteller), Eli Roth (Sgt. Donny Donowitz), Michael Fassbender (Lt. Archie Hicox), Diane Kruger (Bridget von Hammersmark), Daniel Brühl (Pvt Fredrick Zoller), Til Schweiger (Sgt. Hugo Stiglitz), Gedeon Burkhard (Cpl. Wilhelm Wicki), Jacky Ido    (Marcel), B.J. Novak (Pfc. Smithson Utivich), Omar Doom (Pfc. Omar Ulmer), August Diehl (Major Dieter Hellstrom), Denis Menochet (Perrier LaPadite), Sylvester Groth (Joseph Goebbels)

Länge: 153 Min
Land: USA, Deutschland
Sprache: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch
Altersfreigabe: USA:R (certificate #45325), UK:18, Neuseeland:R16, Irland:16, Schweden:15, Finnland:K-15, Australien:MA, Deutschland:16 (bw), Kanada:13+ (Quebec), Kanada:18A (Alberta/British Columbia/Manitoba), Kanada:14A (Ontario), Niederlande:16, Norwegen:15, Singapur:M18, Portugal:M/16 (Qualidade), Frankreich:-12, Hong Kong:IIB (cut), Hong Kong:IIB, Südkorea:18, Island:16
Drehorte: Babelsberg, Potsdam, Brandenburg, Deutschland; Bad Schandau, Saxony, Deutschland; Berlin, Deutschland; Elbe Sandstone Mountains, Saxony, Deutschland; Görlitz, Saxony, Deutschland; Krampnitz, Brandenburg, Deutschland; Nauen, Brandenburg, Deutschland; Paris, Frankreich; Rüdersdorf, Brandenburg, Deutschland; Sebnitz, Saxony, Deutschland; Studio Babelsberg, Potsdam, Brandenburg, Deutschland; (Studio)
Fördergelder: Deutsche Filmförderfonds (6,8 Millionen Euro), Medienboard Berlin-Brandenburg (600.000 Euro), Mitteldeutsche Medienförderung (300.000 Euro)

Tarantinos Abrechnung mit Nazideutschland – Schrott, Genial oder einfach nur Durchschnitt?

In den 40er Jahren macht sich ein Trupp jüdischer US-Soldaten (Inglourious Basterds genannt) auf den Weg nach Frankreich, um Nazis auszuschalten und den Deutschen so richtig schön in den Hintern zu treten. Sie erfahren von einer Filmpremiere, bei der hochrangige Naziführer anwesend sind. Unter dem Kommando von Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) treffen sich die Basterds mit der Agentin Bridget von Hammersmark (Diane Kruger) und erfahren brisante Neuigkeiten.

Beinahe zeitgleich plant die untergetauchte Jüdin Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent) ebenfalls einen Anschlag. Immerhin soll genau in ihrem kleinen Kino die Filmpremiere stattfinden. Das verdankt sie dem liebeskranken Kriegshelden Fredrick Zoller (Daniel Brühl), der gleichzeitig auch Hauptdarsteller des gezeigten Films ist.

Allen stets auf der Spur ist Kommandant Hans Landa (Christoph Waltz), der auch als Judenjäger bekannt ist. Er ist ein bösartiger Kerl, ein mieses Schwein, ein wahnsinniger Mörder und allen Beteiligten dicht auf den Fersen …

Historie adieu!

Quentin Tarantino erschafft mit „Inglourious Basterds“ eine alternative Zeitlinie. So braucht er sich um historische Fakten kaum zu scheren, die ansonsten als katastrophale Regiefehler erscheinen würden. Allerdings meinte Brad Pitt in einem Interview, der Tod Hitlers im Film hätte ein für allemal mit der deutschen Geschichte aufgeräumt und die Sache wäre nun endlich abgeschlossen. Diese Aussage schlägt in die gleiche Kerbe wie David Hasselhoffs Aussage, sein Lied („Looking for Freedom“) hätte den Deutschen die Wiedervereinigung gebracht. Nun, in einer alternativen Zeitlinie haben vielleicht beide Aussagen tatsächlich eine gewisse Daseinsberechtigung.

Neben den historischen Missgriffen (Tonfilm bevor der Ton in die französischen die Kinos kam, Juden die in Frankreich Land besitzen, Invasionskarten auf denen noch „Osmanien“ eingetragen ist, Orden die falsch sind oder gar nicht existierten, eine Baseballphrase die erst 1990 entstand und so weiter und so fort) startet der Film auch  mit tatsächlichen Regiefehlern, die einfach offensichtlich sind: Ein Milchglas das unterschiedliche Füllhöhen aufweist, eine Uhr mit falschen Angaben und eine Motte die mal da und dann wieder weg ist. Falls das die bereinigte Fassung ist, dann mag man sich kaum vorstellen, wie die Szenen zuerst aussahen. Aber scheinbar hat Tarantino einfach nur schluderig gearbeitet, wollte Spaß, keinen echten Job.

So flaniert Zoller durchs Kino obwohl die Türen geschlossen sind, wechseln Tätowierungen die Seite, da wird Gedeon Burkhards Geburtsstadt München mal nach Österreich verlegt oder steht auf einer Spielkarte Bridgitt Horney, wo zuvor noch Brigitte Helm stand. Das sind alles grobe und fahrlässige Fehler, da sie nicht am Rand des Geschehens, sondern im Mittelpunkt der Kamera, im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.

Alles nur Geschichte

Tarantino hat lange gebraucht, um „Inglourious Basterds“ zu Papier zu bringen. Und wie üblich holte er sich die Inspiration aus bekannten und unbekannten Quellen. Diesmal hat er sich bei dem Streifen „The Inglorious Bastards“ bedient, der aus dem Jahre 1978 stammt und von Italowestern-Kultregisseur Enzo G. Castellari abgedreht wurde. Dieser wiederum hatte die Inspiration für seinen Film (im deutschen als „Ein Haufen verwegener Hunde“ erschienen) durch Robert Aldrichs “Das dreckige Dutzend” (1967). Hier wurde also eine gesiebte Grundidee nochmals gesiebt und dabei ordentlich versiebt.

Immerhin waren beide Vorgängerfilme mit einer starken Geschichte versehen, von der Tarantino nur Teile der Grundidee übrigließ: US-Soldaten alleine hinter der Frontlinie schießen auf Nazis. Und diese Idee wurde dann mit schmalzigen und klischeebeladenen Szenen und Einstellungen versehen. Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, dass viele der Szenen nur beim entsprechenden Publikum wirken. Und das sind eindeutig US-Bürger und die Alliierten im Allgemeinen. Die dürften auch wissen, woher der ein oder andere markige Spruch stammt, der im Film von sich gegeben wird. Einem Deutschen entzieht sich der Humor Tarantinos doch ein wenig – bei aller Objektivität.

Da die Deutschen auch von Deutschen gespielt werden und im Film oft und lange Deutsch gesprochen wird, kann man den Film auch problemlos im englischsprachigen Original anschauen. Das Verständnis bleibt weitgehend erhalten und auch die Sprüche der Hauptdarsteller kommen unverfälscht herüber. Die deutsche Synchronisation ist dennoch gut gelungen – vor allem, da eher wenig synchronisiert werden musste.

Kamera läuft, Action!

Was Quentin Tarantinos Filme auszeichnet, ist das große Maß an ausgefeilter und blutiger Action. „Inglourious Basterds“ stellt da keine Ausnahme dar und bei etlichen Szenen fragt man sich, woher das FSK 16 kommt. Es muss das Vöglein Kommerz sein, dass dort vom Baum trällert und mit deutschen Filmfördergeldern angefüttert wurde – immerhin mehr als 7,5 Millionen Euro.

Im Film werden Nazis skalpiert, zu Tode geprügelt, bekommen blutig Hakenkreuze in die Stirn geritzt, gibt es verrauchte Schussszenen und wird der Finger in die blutige Wunde gebohrt. Tarantino eben, doch diesmal mit einem faden Beigeschmack. Die Action scheint nur der Action wegen vorhanden zu sein, wirkt recht lieblos und wenig inspiriert. Das gilt auch für die Auswahl der Musik, die Tarantinos Filme ebenfalls auszeichnet. Sie ist mal wieder eingängig und hat ein paar Jahre auf dem Buckel, wirkt aber niemals so präsent wie es in „Kill Bill“ der Fall war. Dort scheinen allerdings etliche Ideen entliehen worden zu sein, die Tarantino in „Inglourious Basterds“ einbringt.

Das gilt vor allem für Kamerafahrten, Stoppszenen, bestimmte Einstellungen und Einblendungen. Die stammen nicht nur aus „Kill Bill“ & Co., sondern auch aus alten Italowestern. Viele der Szenen und Einstellungen werden einem versierten Kenner der Materie bekannt vorkommen. Und nun wird es deutlich, was geschehen ist: Mister Tarantino hat es einfach versäumt sich weiterzuentwickeln. Er stagniert, tritt auf der Stelle. Er bleibt an dem hängen, was ihn zum Kultregisseur machte, kann sich nicht lösen, ist wie gefesselt. Somit werden seine einst frischen Ideensteaks zum abgelaufenen Gammelfleisch.

Hilfe, Hilfe, ein Apache!

Was in „Iglourious Basterds“ besonders herausragt sind die Darsteller, die mit sehr großer Spielfreude agieren und sich offensichtlich richtig ausleben können. Das ist manchmal recht kitschig, aber eindeutig so gewollt. Am prominentesten ist natürlich Brad Pitt, der Lt. Aldo Raine spielt. Im Film führt er den Kampfnamen „Der Apache“. Das Thema wird nochmals bei der Kontaktaufnahme mit  Bridget von Hammersmark aufgenommen, denn diese spielt mit einigen Nazis am Tisch Personenraten. Ein Mitspieler hat „Winnetou“ auf seiner Stirn kleben und auch „Karl May“ kommt vor. Nun soll Raines Kampfname für die Deutschen furchteinflößend sein, allerdings sind Apachen durch die Bücher Mays und der Figur Winnetous für Deutsche positiv belegt. Das führt zum nächsten witzigen Detail im Film, denn als der Name erraten wird steht der Deutsche auf und vollführt eine ausladende Geste mit den Worten: „Ich bin Winnetou!“ („I am Winnetou!“ im Originalton).  Dieser Satz, in Verbindung mit dieser Darstellung, wurde in den 60er Jahren von Pierre Brice in den Karl-May-Verfilmungen uraufgeführt.

Die Arbeit der US-Darsteller ist also gut und voller Spielfreude, doch die deutsche Schauspielriege steckt die zumeist international sehr bekannten Kollegen locker in die Tasche und läuft ihnen problemlos den Rang ab. Man sieht jedem Einzelnen einfach an, mit wie viel Spaß er bei der Sache ist und jedes Quäntchen Zeit aus seiner Rolle quetscht, um sie mit Leben zu füllen. Allen voran der grandios mimende Christoph Waltz in der Rolle des Judenjägers Hans Landa. Er spielt im Film beinahe jede menschliche Emotion, kostet jeden Augenblick aus, besitzt eine Tiefe und Spielvielfalt, die erstaunlich ist. Prompt erhielt er in Cannes 2009 den Preis als bester Darsteller - wohlverdient. So durchschnittlich „Inglourious Basterds“ auch ist, alleine wegen Christoph Waltz ist der Film sehenswert. Für diesen Mann, für diese Rolle, kann es nur stehenden Applaus geben.

Die Antwort auf die Eingangsfrage:

Viele Elemente sind Tarantino einfach misslungen und dabei sollte er es besser können. Dennoch baut der Film leidlich Spannung auf und ist unterhaltsam. Das liegt vor allem an den guten Darstellern und einem genialen Christoph Waltz. Dadurch rückt der Film ins Mittelfeld vor, mit einem guten Passspiel der deutschen Riege und einem Herrn Waltz als Spielmacher, der beteiligte Schauspieler wie Brad Pitt und Eli Roth (mit einer schwachen Leistung) locker in seine Westentasche steckt.Den Film sollte man also sehen, aber die Erwartungen an Tarantino und großes Kino, die bleiben lieber niedrig.

Copyright © 2009 by Günther Lietz

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Das dreckige Dutzend
Ein Haufen verwegener Hunde

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The Spirit

Erstellt von Michael Drewniok am 20. August 2009

spiritThe Spirit

Originaltitel: The Spirit (USA 2008)
Regie u. Drehbuch: Frank Miller
Kamera: Bill Pope
Schnitt: Gregory Nussbaum
Musik: David Newman
Darsteller: Gabriel Macht (The Spirit/Denny Colt), Samuel L. Jackson (Octopus), Eva Mendes (Sand Saref), Eric Balfour (Mahmoud), Louis Lombardi (Pathos/Ethos/Logos usw.), Scarlett Johansson (Silken Floss), Sarah Paulson (Ellen Dolan), Dan Lauria (Polizeichef Dolan), Jaime King (Lorelei Rox), Paz Vega (Plaster of Paris), Stana Katic (Morgenstern), Johnny Simmons (junger Denny Colt), Seychelle Gabriel (junge Sand Saref), Frank Miller (Liebowitz) uva.
Label/Vertrieb: SONY Pictures Home Entertainment (www.sphe.de)
Erscheinungsdatum: 18.06.2009 (Leih-DVD) bzw. 16.07.2009 Kauf-DVD)
EAN: 4030521716193 (Leih-DVD) bzw. 4030521518186 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 98 min.
FSK: 16

Das geschieht:

Nachdem er scheinbar bei einem Einsatz sein Leben ließ, begraben wurde und wiederauferstand, agiert Ex-Cop Denny Colt als leibhaftiger Schutzpatron ’seiner’ Stadt Central City, deren Straßen er des Nachts als maskierter “Spirit” durchstreift und von Strolchen reinigt. Nur Polizeichef Dolan weiß von seiner Doppelexistenz und profitiert davon, da der Spirit auch dort ermitteln und handeln kann, wo der Polizei die Hände gebunden sind.

Aktuell geht der Spirit gegen seine alte Nemesis vor. Der Octopus, ein genialer aber größenwahnsinniger Wissenschaftler und Gangsterkönig, plant den Coup seines Lebens. Er will die Vase mit dem Blut des Herakles stehlen und den Inhalt trinken, der ihm die Kraft und Unsterblichkeit eines Halbgottes verleihen soll. Die berüchtigte Diebin Sand Saref kommt ihm zuvor, aber auch ihr Streich misslingt: Dem Octopus fällt in die Hände, was sie mit Leib und Seele begehrt - das Goldene Vlies der Argonauten.

Octopus und Sand vereinbaren einen Tausch, doch sie misstrauen einander heftig. Außerdem mischt sich der Spirit ein. In Sand Saref erkennt er eine alte Jugendliebe, und der Octopus weiß etwas über die übernatürlichen Kräfte, über die der Spirit seit seinem Wiedererwachen verfügt. Im Hauptquartier des verrückten Octopus’ wird er schon erwartet - vom Hausherrn persönlich, von seiner skrupellosen Assistentin Silken Floss, von vielen schlagkräftigen Klonen und von Plaster of Paris, die grausige Wundertaten mit ihrem Schwert vollbringt …

Eigentlich hätte es gutgehen müssen …

Grundsätzlich standen die Sterne günstig: Mit “The Spirit” gelang Will Eisner (1918-2005) eine der ganz großen Schöpfungen der Comic-Geschichte. Die Geschichten vom ‘untoten’ Verbrecher-Jäger Denny Colt beeindruckten nicht nur durch ihre grandiose Grafik, die zum ersten Mal Stilmittel des Kinos einbezog, sondern fesselten auch durch inhaltliche Qualitäten. Der Spirit war kein Superheld und erst recht nicht unfehlbar. Oft obsiegte er nur mit der Hilfe seiner Freunde oder des Zufalls. Manchmal verschwand er aus seinen eigenen Geschichten, die auch ohne ihn funktionierten. Mehr und mehr wurde der Spirit zum Beobachter (und Eisner zum Chronisten) einer Alltagswelt, deren Menschenschicksale er nur selten positiv beeinflussen konnte. Die Schwarzweiß-Sicht der frühen “Spirit”-Comics wurde schnell durch unzählige Schattierungen von Grau ersetzt. Eisner spielte gekonnt auf einer emotionalen Klaviatur, deren Spektrum simple Spannung ebenso beinhaltete wie Pathos, Melancholie, Humor und Slapstick. In ihrer Gesamtheit addierten sich diese Elemente zur einmaligen Saga des “Spirit”, der über die Jahre nicht alterte, sondern reifte.

Diesem Klassiker widmet sich nunmehr ein Mann, der selbst zu den ganz Großen des Comics gehört. Frank Miller (*1957) ist der Schöpfer moderner Genre-Erfolge wie “Sin City” und “300″. In der Neuinterpretation ‘alter’ Comic-Figuren hat er ebenfalls Maßstäbe gesetzt; mit “The Dark Knight Returns” (1986, dt. “Die Rückkehr des dunklen Ritters”) gelang Miller die Wiedergeburt Batmans, und Ähnliches verdankt ihm der bis dato längst abgehalfterte Superheld Daredevil. Auch im Kino ist Miller kein Neuling; so schrieb er u. a. Drehbücher zu Filmen wie “Robocop 2″ und “Robocop 3″. Auf Einladung von Robert Rodriguez führte er 2005 mit Regie in “Sin City”, einem Thriller, der durch seine innovativen Bilder ebenso gefiel wie durch die starke Story.

Ein Meisterwerk degeneriert zum faden Witz

Also: Ein künstlerisch kreativer, kompromissloser und im Filmgeschäft erfahrener Mann greift ein echtes Meisterwerk auf. Unterstützt wird er auf seinem Regiestuhl von einem Team begeisterter und ungemein fähiger Männer und Frauen, die dank digitaler Technik jede unglaubliche Kulisse realisieren können, sowie von einer Riege enthusiastischer Darsteller, die nicht davor zurückschrecken, fast ausschließlich vor grünen Wänden (”greenscreen”) schauspielern zu müssen, welche die Basis für erst später eingearbeitete Hintergrundbilder bilden.

Aber alle vielversprechenden Ansätze gerinnen binnen 100 Minuten zu einem Fiasko, das der Zuschauer ungläubig und mit zunehmendem Ärger registriert. Wer vom “Spirit” nie zuvor hörte, muss anschließend der Überzeugung sein, einen tumben, prügelfesten Frauenhelden und Slum-Fetischisten kennengelernt zu haben. Will Eisners Spirit ist alles andere als das (s. o.), aber er ist jetzt Frank Millers Spirit geworden.

Was hatte sich der Meister Gedanken gemacht! In seinem Audio-Kommentar und in einem eigenen Feature (”Miller über Miller”) sprudelt er förmlich über, wenn er seine Untaten begründet. Der Spirit war unter Eisner ein Geschöpf seiner Zeit. Jetzt ist er ein Gefangener jenes schicken, stylishen “contemporary noir”, das Miller so liebt. Central City wird zur Stadt zwischen den Zeiten. Die Polizei verwendet Handys und Laptops, aber in ihre Einsätze steuert sie Autos, die in den 1950er Jahren gebaut wurden. Atmosphäre ist alles, was bei Miller stets Dunkelheit und schlechtes Wetter bedeutet.

Ein Superheld namens “Spirit”

Die größte Sünde stellt Millers Versuch dar, den Spirit zu ‘erklären’. Eisner begnügte sich mit Andeutungen und tat gut damit. Miller macht aus dem Spirit, dem niemals übernatürliche Kräfte zugesprochen wurden, einen Superhelden. Wie Batman stürzt er sich unerschrocken von hohen Häusern in tiefe Straßenschluchten und zerplatzt doch nicht auf hartem Pflaster. Man sieht ihn sogar im Laufschritt über Telegrafendrähte hopsen. Dazu trägt er - Millers Zugeständnis an das 21. Jahrhundert - helle Turnschuhe zu dunklem Anzug und Hut, was einfach lächerlich aussieht.

Apropos Batman … Unter Millers Drehbuch-Herrschaft wird der Spirit zum Abziehbild des “Dunklen Ritters”. Schauerlich unvergesslich bleibt des Spirits pompöse Liebeserklärung an Central City, die einmal mehr belegt, dass solche platten Worte im Comic besser aufgehoben sind als im Film.

Aus der Tatsache, dass die Frauen den Spirit lieben, wusste Will Eisner amüsant Funken zu schlagen. Auch der ‘neue’ Denny Colt hat durchaus ein Auge für das schöne Geschlecht, aber er ist vor allem der typische Ritter, der Frauen in Not beisteht und nur schwach zu werden droht, während er im letzten Moment seiner wahren Liebe Ellen Dolan treu bleibt. Die daraus resultierenden Komplikationen bilden ein wichtiges Unterhaltungspotenzial der “Spirit”-Comics.

Miller macht aus dem Spirit auch als “womanizer” einen Superhelden, dem keine Frau widerstehen kann. Jede Glaubwürdigkeit bleibt dabei auf der Strecke. Gabriel Macht bleibt als Held und als Liebhaber anonym und blass unter seiner Maske. “Der Spirit” wird ihm nicht den Durchbruch zum Starruhm bringen.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht?

Will Eisner hatte keine Angst davor, seinen ‘Helden’ der Lächerlichkeit preiszugeben. Der Spirit überstand das prächtig, denn er war als Mensch gezeichnet. (Reine Ironie war bereits die ‘Maske’ des Spirits, hinter der jedes Kleinkind Denny Colt erkennen müsste.) So hielt es Eisner auch mit den Frauen und den Gegnern des Spirits, die trotz aller psychischen und physischen Übertreibungen über echte Persönlichkeit verfügten.

Miller versteht offensichtlich Eisners feinen Sinn für einprägsame Schöne & Schurken nicht, denn ihm gerinnen sie zu Witzfiguren. Der Octopus wird zur peinlichen Nervensäge. In den originalen Comics unterstützte Eisner die Wirkung dieser Gestalt, indem er nie ihr wahres Gesicht zeigte, sondern sich darauf beschränkte, die Handschuhe des Bösewichts mit ihrem charakteristischen Dreistrich-Muster ins Bild zu bringen. Samuel L. Jackson, realiter ein guter Schauspieler ist, der sich regelmäßig für Blockbuster anheuern lässt, um seinen A-Star-Status zu wahren, mimt hier einen grinsenden Entertainer, der den Erz-Gauner nur mimt. Der ‘echte’ Octopus ist ganz und gar kein überlebensgroßer Superschurke, der mit lachhaft aufgeblasenen Science-Fiction-Knarren ganze Helikopter-Staffeln unter Feuer nimmt oder Füße mit Menschenköpfen züchtet (sic!). Solche und viele, viele andere Kalauer zerren plump an der Stimmung, die Miller doch so wichtig ist.

Invasion der tollen Frauen

Eisners Galerie der braven und bösen aber immer schönen Frauen ist legendär. Auch ihnen vermochte er per Zeichenstift in ein Leben zu rufen, das sich offenbar nicht auf die Leinwand übertragen lässt. Eva Mendes und Scarlett Johansson kommen leidlich glimpflich als Sand Saref und Silken Floss davon, während um einige Schraubendrehungen bizarrere Figuren wie Lorelei Rox und Plaster of Paris jeden exotischen Zauber vermissen lassen und Jung-Polizistin Morgenstern zu einer weiteren überflüssigen Witzfigur zerfließt.

Überhaupt: Wer die “Spirit”-Comics nicht kennt, wird vergeblich auf eine Auflösung der merkwürdigen ‘Beziehung’ zwischen dem Spirit und der geisterhaften Lorelei warten. Viel wird geredet und erklärt in diesem Film, der außerdem an Rückblenden nicht spart, aber dieser nicht unwichtige Aspekt bleibt außen vor.

Ellen Dolans quasi einzige Funktion bestand ursprünglich darin, den attraktiven Spirit zu erden, der in den prüden 1940er und 50er Jahren seinen potenziellen Erfolg bei den Damen nicht praktisch nutzen durfte. In dieser Funktion ist Ellen im 21. Jahrhundert überflüssig, weshalb sie nach Millers Ansicht einer Neuinterpretation bedarf. Sie wird zur leidvoll Duldenden, die ihren Liebsten als Ärztin zusammenflickt und darauf hofft, dass er eines Tages nur ihr gehören wird. Glücklicherweise bleiben Sarah Paulsons Auftritte überschaubar, und überhaupt hat es Miller so eilig, dass der Zuschauer durch neue Schauwerte & Schlägereien vor dem endgültigen Einschlafen bewahrt bleibt.

Die Frank-Miller-Filmschule

Optisch bietet “The Spirit” seinem Publikum diverse Genüsse, die zeitweilig sogar mit der trübsinnig abgespulten Story versöhnen können. “The Spirit” ist hier die vollendete Synthese zwischen Comic und Film. Die digitale Technik gestattet heute die Erzeugung überzeugender Spezialeffekte, die man bewundern muss. Miller zeichnet auch als Regisseur mit Licht und Schatten und versteht sich auf die Kunst der Andeutung. Scheinbar schwarze Bildflächen zeigen bei näherem Hinschauen verblüffend detaillierte Strukturen. Verfremdungen unterstützen paradoxerweise die Eindeutigkeit des Gezeigten.

Miller selbst hat diese Form der Filmkunst in “Sin City” nicht nur mit entwickelt, sondern bereits zur Vollendung gebracht. “The Spirit” kann dem nur technisch Neues hinzufügen. Die Bilder sind in ihrer Künstlichkeit noch prächtiger geworden. Das kann freilich nicht dauerhaft davon ablenken, dass sie nicht durch eine entsprechende Handlung getragen werden. Andererseits ist dies irgendwie tröstlich - das Sein besitzt noch immer Präferenz vor dem Schein, so hübsch dieser auch glänzen mag.

In unserem Fall kommt die Gewissheit dazu, mit diesem Urteil nicht allein zu stehen. Das vom produzierenden Studio erhoffte “Spirit”-Franchise wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zustande kommen. Schade nur, dass ausgerechnet der Spirit, eine Comic-Figur, die einen Film ‘verdient’, dort scheitern musste, wo Lachgestalten wie der Hulk, Iron Man oder die Transformers sich durchsetzten. Der Dumme ist in wie meist der Zuschauer.

DVD-Features

Frank Miller ist ein Mann, der gern redet sowie seiner Meinung nach viel zu sagen hat. Dem darf er im Bonus-Bereich dieser DVD ausgiebig frönen. Wer “The Spirit” allerdings gesehen hat, dürfte vermutlich schon nach “Miller über Miller” aufstecken und sich den Audiokommentar des Regisseurs (und der ihm nach dem Mund redenden Produzentin Deborah Del Prete) verkneifen: Miller spricht von seinem “Spirit”-Konzept und seiner Verehrung des (ihm persönlich bekannten) Will Eisner und schwadroniert über die Verpflichtung, die ihm dessen Werk auferlegt … kurz, er listet im Grunde Grundpfeiler einer gelungenen Verfilmung auf, die er sämtlich ignoriert hat.

“Grüne Welt” bietet manchmal tatsächlich einen Blick hinter die (grün eingefärbten) Kulissen und in den Arbeitsalltag eines praktisch erst im Computer entstandenen Films. Eingerahmt werden diese Informationen jedoch durch hektisch montierte ‘Interview’-Fetzen, die nichts als massive Filmwerbung darstellen. Diese fällt so plump aus, dass der Griff zur Vorspultaste automatisch erfolgt.

Ein alternatives Ende wird mit Millerschen Storyboard-Zeichnungen vorgestellt: Der Spirit kann den Octopus nur außer Gefecht setzen, indem er ihn mit bloßen Händen buchstäblich in Stücke reißt. Dies macht deutlich, dass für “The Spirit” ursprünglich eine härtere Gangart vorgesehen war. Aber wäre dieser Film als Splatter unterhaltsamer geraten …?

[md]

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Star Trek XI

Erstellt von Redaktion am 27. Mai 2009

Star Trek 11Star Trek XI

Originaltitel: Star Trek
Produktionsland: USA 2009
Länge: 127 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: J. J. Abrams
Drehbuch: Alex Kurtzman, Roberto Orci
Produktion: J. J. Abrams, Damon Lindelof
Musik: Michael Giacchino
Kamera: Daniel Mindel
Schnitt: Maryann Brandon, Mary Jo Markey

Darsteller: Chris Pine (Capt. James T. Kirk), Zachary Quinto (Lt. Cmdr. Spock), Leonard Nimoy (Alter Botschafter Spock), Eric Bana (Nero), Bruce Greenwood (Capt. Christopher Pike), Karl Urban (Dr. Leonard „Pille“ McCoy), Zoë Saldaña (Lt. Nyota Uhura), Simon Pegg (Lt. Montgomery Scott), John Cho (Lt. Hikaru Sulu), Anton Yelchin (Ensign Pavel Chekov), Ben Cross (Botschafter Sarek), Winona Ryder (Amanda Grayson)

In den letzten Jahren lag Star Trek im Sterben, war dieser gigantische Science-Fiction-Dinosaurier erbarmungslos der medialen Eiszeit ausgesetzt und nur die Fans hielten dem Unisversum die Treue. Doch Hollywood weigerte sich, eine solch starke Marke untergehen zu lassen.

So kommt es in der fernen Zukunft zu einer großen Katastrophe, bei der ein Romulaner namens Nero (Eric Bana) in die Vergangenheit geschleudert wird. Von Rache getrieben zerstört er die USS Kelvin – an Bord George Kirk, der Vater von James Tiberius Kirk (Chris Pine). Die Zeitlinie wird durch diesen Angriff nachhaltig zerstört und es ist unmöglich das alte Raum-Zeit-Gefüge wiederherzustellen.

James wächst nun ohne Vater heran, wählt einen anderen Lebensweg – doch das Schicksal lässt sich nur schwer täuschen. So findet sich der junge Rebell bald auf der Sternenflottenakademie wieder, wo er die Bekanntschaft von Leonard McCoy (Karl Urban) macht, in den Augen von Nyota Uhura (Zoë Saldaña) in Ungnade fällt und es sich mit Spock (Zachary Quinto) nachhaltig verscherzt.

Als ein Notruf von Vulkan eintrifft sind die Kadetten gefordert, doch Kirk muss sich heimlich an Bord der Enterprise begeben. Zwar erkennt er den Notruf als Falle, doch die Zerstörung Vulkans ist unabwendbar. Kirk wird auf dem Eisplaneten Delta Vega ausgesetzt, trifft dort den zukünftigen Spock und macht sich auf, um die Enterprise und die Föderation zu retten …

Neben „Batman“, „Spider-Man“, „Transformers“ und anderen Vertretern, versucht nun auch Star Trek das Kunststück, sich von der Vergangenheit zu lösen und in mit geballter Kraft in der Gegenwart einen Neustart zu wagen. Das Problem dabei ist es nun, alte Fans zu behalten und neue Fans in Boot zu holen. Zu schnell kann die Sache kippen und eine oder gar beide Seiten sind verärgert. Nach der jämmerlichen Niederlage der Star-Trek-Serie „Enterprise“ war die Marke eigentlich ausgelutscht und tot, schien jede Hoffnung verloren. Doch Star Trek ist eine starke Marke und so holten die Filmbosse zu einem gewagten Rundumschlag aus. Veteranen wurden bekamen keine Vertragsverlängerung und das Ruder wurde J. J. Abrams in die Hand gedrückt.

Abrams selbst ist kein Fan der Reihe und die Leute die er sich ins Boot holte waren ein buntes Mischvolk. Dazu die Idee einige alte Elemente zu behalten und eine neue Zeitlinie zu schaffen. Eine Zeitlinie in der alles möglich ist. Nun, alternative Zeitlinien und Geschichten sind Fans und Kinogänger gewohnt – und oft sind die Leute dann auch verärgert, weil die Helden gerne mal ihre Identität verlieren. Doch bei „Star Trek XI“ gelingt einfach alles. „Star Trek XI“ schafft den riskanten Sprung in die Gegenwart!

Das geniale an der Sache ist vor allem, dass sich die neue Zeitleiste problemlos in den Kanon einfügt, der zu Star Trek gehört. Zeitreisen sind nun einmal Bestandteil der Serien und Filme. Bisher jedoch gingen die Autoren dazu über ihre Helden so agieren zu lassen, dass die Zeitreisen keinen großen Schaden anstellten, dass man weitermachen konnte wie bisher. J. J. Abrams und seine Autoren Alex Kurtzman und Roberto Orci gehen allerdings einen Schritt weiter. Ihr Bösewicht Nero durchtrennt die Zeitlinie unwiderruflich, es gibt kein Zurück, kann kein zurück mehr geben. Bereits bei seinem Auftauchen tötet er eine wichtige Persönlichkeit des Star-Trek-Universums, deren Leben das Leben anderer prägte. Und verdammt, das passt einfach wie die Faust aufs Auge!

Die Geschichte des Star-Trek-Universums muss (kann) neu geschrieben werden. Die Voraussetzungen wurden geschaffen, doch die alten Charaktere sollen ebenfalls neu aufgelegt werden – und zwar glaubhaft. Genau dieses Husarenstück gelingt, denn es ist das Schicksal, das die Personen miteinander verbindet. Die Zeit kann vielleicht betrogen werden, doch das Schicksal wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen. Und so finden alle wichtigen Personen der klassischen „Raumschiff Enterprise“-Serie wieder zusammen. Allerdings unter anderen Vorbedingungen. Auftritt der Darsteller – Hossa!

Was kann man zu den Darstellern überhaupt sagen? Die neue alte Generation wurde hervorragend besetzt. So sieht Zachary Quinto dem jungen Leonard Nimoy als Spock zum Verwechseln ähnlich, und Karl Urbans Darstellung von  Leonard „Pille“ McCoy ist über alle Kritik erhaben, treffen Gestik und Mimik jederzeit das Original, spielt das Drehbuch kokett mit alten Klischees und Ereignissen, um diese frisch auf der großen Leinwand zu präsentieren. So ist „Star Trek XI“ ein knalliger Actionfilm, in dem die Charaktere trotz allem reifen und sich weiterentwickeln. Nur Chris Pine als J. T. Kirk bleibt ein wenig blass, da ihm die Charakterentwicklung vorerst verwehrt bleibt. Immerhin muss er die größte Lücke füllen, muss noch der Rebell sein, der in der neuen Zeitlinie seinen vom Schicksal bestimmten Platz an Bord der U.S.S. Enterprise einnimmt. Und das macht er verdammt gut, denn trotz Blässe ist der Charakter keineswegs eindimensional.

Die Geschichte schreibt den Anfang also neu - spannend, actiongeladen und auch humorvoll. Dafür sorgt vor allem der späte, aber nachhaltig wirkende Auftritt von Simon Pegg als neuer Schiffsingenieur Montgomery „Scotty“ Scott. Einfach köstlich und auch hier wird der Charakter in seinen Grundzügen perfekt getroffen. Dabei imitieren die Darsteller keineswegs ihre Kollegen und deren Rollen, sondern bringen sich auch selber ein. Da passt einfach alles. Einzig Eric Bana als Nero wirkt falsch am Platz, aber die Rolle an sich ist nur wenig passend, da macht ein nichtssagender Bösewicht auch nur wenig kaputt.

„Star Trek XI“ bleibt trotz der pointierten Action noch immer Star Trek und Abrams zollt den Fans Tribut. So ist es genau der Statist in der roten Uniform, der nach einem Satz sein Leben brutal aushaucht. Für Fans ein Running Gag, der einfach Freude macht. Und das geht den ganzen Film so. Neue und alte Elemente werden gelungen miteinander vermischt, Action und Entspannung befinden sich in Balance. Einfach herrlich! Dazu das typische Ambiente und das Design Star Treks, in Verbindung mit den grandiosen CGI-Effekten eines George Lucas.

Doch wo viel Licht, da auch ein wenig Schatten. Nun, kein Film ist perfekt. In „Star Trek XI“ liegt das vor allem an dem Bezug zur Handlung, denn immerhin reist Nero in die Vergangenheit. Doch anstatt dort seine Zukunft zu „korrigieren“, schwört er bitterliche Rache für die Ereignisse, die irgendwann mal kommen werden. Das ist einfach ein großer Logikfehler. Kein Fehler, aber nervig, sind die ständigen Reflexionen auf der Leinwand. Blickt der Zuschauer durch einen transparenten Bildschirm sind diese logisch erklärbar, doch es gibt auch in einfachen Standbildern oder bei Panoramaaufnahmen Reflexionen, so als blicke der Zuschauer öfter mal durch eine Kamera. Das ist schon ein störendes Stilmittel und es ist eindeutig Absicht.

Mit „Star Trek XI“ hat Paramount die Marke neu belebt, hat Regisseur Abrams Star Trek neu erfunden. Ein gelungener Film, einer der besten Filme seiner Art – unbedingt gucken!

Wer vollkommen in den Film abtauchen möchte, der sollte sich übrigens den Comic „Star Trek Countdown“ zulegen, der im Verlag Cross Cult erschienen ist. Vor allem Nero kommt dort besser zur Geltung und gewinnt an Persönlichkeit.
(Günther Lietz)

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X-Men Origins: Wolverine

Erstellt von Redaktion am 6. Mai 2009

Bei Amazon.deX-Men Origins: Wolverine

Verleih: Fox
O-Titel: X-Men Origins: Wolverine
Land/Jahr: USA 2009
Produktionsfirmen: Donners’ Company, Marvel Enterprises, Seed Productions, Twentieth Century-Fox Film
Produzenten: Hugh Jackman, John Palermo, Lauren Shuler-Donner
Koproduzenten: Louis G. Friedman
Ausf. Prod.: Avi Arad, Stan Lee
Regie: Gavin Hood
Drehbuch: David Benioff, Stan Lee
Darsteller: Hugh Jackman (Logan/Wolverine), Danny Huston (William Stryker), Ryan Reynolds (Wade Wilson/Deadpool), Liev Schreiber (Victor Creed/Sabretooth), Dominic Monaghan (Barnell Bohusk/Beak), Lynn Collins (Silver Fox), Will.I.Am (Wraith), Daniel Henney (David North/Agent Zero), Kevin Durand (Frederick J. Dukes/The Blob)
Kamera: Donald M. McAlpine
Schnitt: Nicolas de Toth, Megan Gill
Musik: Harry Gregson-Williams
Produktionsdesign: Barry Robison
Kostüme: Kym Barrett
Casting: Christine King, Debra Zane
Kinostart Deutschland: 29. April 2009
Laufzeit: 106 Min.
FSK: ab 16 Jahre

Im Kanada des 19. Jahrhunderts erlebt der kleine James fürchterliche Dinge in seinem Elternhaus und muss erkennen, dass er ein Mutant ist. Gemeinsam mit seinem Halbbruder Victor flieht er. Aus den beiden Kindern werden Männer, die auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen der nächsten Jahrzehnte kräftig mitmischen und die Interessen der USA kampfstark vertreten. Doch James (Hugh Jackman) und Victor (Liev Schreiber) entfernen sich immer mehr voneinander. Während des Einsatzes bei einer Spezialeinheit, kommt es zum endgültigen Bruch zwischen den beiden. James, der sich nun Logan nennt, geht zurück nach Kanada, um dort Holzfäller zu werden.

Logan führt nun ein neues Leben, geplagt von Albträumen, geliebt von einer verständnisvollen Frau. Doch die Vergangenheit holt ihn ein – in Form von Victor, auch bekannt als Sabertooth. Er tötet Logans Freundin (Lynn Collins) und führt seinen Bruder vor. Logan ist alleine zu schwach, um Victor zu besiegen und lässt sich auf den Vorschlag seines alten Kommandanten Stryker (Danny Huston) ein. Von Rache getrieben wird aus Logan Wolverine, werden seine übernatürlichen Fähigkeiten durch das Sternenmetall Adamantium verstärkt. Doch kaum dem tödlichen Experiment entronnen erfährt Wolverine, dass er verraten und hintergangen wurde. Er ist nur Waffe X, ein Prototyp, ein Werkzeug. Erneut ist es Rache, die Wolverine in den Kampf treibt …

Comicverfilmungen sind ein Garant für spannende Kinoaction ohne großen Anspruch und mit inhaltlichen Fehlern. Der Zuschauer drückt gerne mal ein Auge zu und der Fan freut sich, seinen Helden auf großer Leinwand zu sehen. In den letzten Jahren haben sich die Ausnahmen gemehrt, doch „X-Men Origins: Wolverine“ ist ein klassischer Vertreter der großzügigen Adaption.

So ragt Hauptdarsteller Hugh Jackman mehr als 190 charismatische und muskelbepackte Zentimeter in die Höhe, Comicheld Wolverine bleibt aber eigentlich unter 170 Zentimetern stecken. Auch das animalische Biest wurde für den Film gezähmt. Zwar noch immer ein harter Brocken und ohne Gnade für den Feind, wirkt Gavin Hoods Heldenfassung eher zahm und moralisch integer. Auch der Werdegang des Ausnahmesuperhelden wurde verändert. So präsentiert sich dem Kinogänger schon eine andere Kindheit und Familienzusammenstellung. Wenigstens wurde für den Film beibehalten, dass Wolverine durchs Militär Adamantium auf die Knochen bekommt. Das ist doch auch schon etwas.

Somit ist deutlich genug, dass „X-Men Origins: Wolverine“ eine andere Geschichte erzählt, als es die unzähligen Comics machen. Wobei, Marvel selbst hat verschiedene Universen und Zeitleisten ins Leben gerufen, man ist als Fan also einiges gewohnt und sollte den Kinofilm einfach als ein weiteres Paralleluniversum begreifen. Weg mit den genialen Comics, her mit dem genialen Film. Und der Streifen kann sich einfach sehen lassen.

Die stärksten Szenen des Films präsentieren sich bereits zu Beginn. Logan als Kind, der mit Bruder Victor flieht und dann unternehmen beide in kurzen Momentaufnahme einen Streifzug durch die Weltgeschichte - stets in Kriegen, stets mit Stopbildern gewürzt. Der Vorspann ist einfach Weltklasse, der Score von Harry Gregson-Williams geht sofort ins Ohr. Man sollte sich den Erwerb des Soundtracks also schon mal vormerken.

Auch der Bruch zwischen den beiden Brüdern ist stark fotografiert und wird glaubhaft in Szene gesetzt. Einzig fraglich ist nur, warum die Spezialeinheit überhaupt aus mehreren Mutanten besteht, wo doch Zero alleine schon den Job erledigen könnte. Doch hier wird dem Kino Tribut gezollt, denn starke Helden brauchen starke Gegner. Und die sollen zeigen was sie alles können, damit es am Ende spannend ist.

Logan zieht sich also in die kanadischen Wälder zurück, lernt eine Frau lieben und kratzen, um dann durch ihren Tod angespornt Rache zu üben und in eine jahrelang geplante Verschwörungsfalle zu tappen. In Ordnung, das ist zwar Müll, aber man schluckt es gerne, denn jetzt geht die Action richtig los. Man sollte halt bedenken, dass Logan übernatürliche Sinne besitzt. Wer auf etliche Kilometer seinen Bruder wittert, der sollte auch eine Nase für tote Menschen und ein Auge für Verletzungen haben. Außerdem dürfte jeder Liebende seine tote Freundin irgendwo unterbringen, anstatt sie im Wald liegen zu lassen. Spätestens dann sollte es aber … egal, wie gesagt, jetzt kommt die Action. Und die ist einfach klasse.

Wolverine lässt sich verbessern, bekommt die Intrige spitz und flieht. Es folgt eine gnadenlose Verfolgungsjagd und unser Held beweist seine Lufthoheit. Das ist zwar alles Quark, aber es ist richtig guter Quark, der den Zuschauer in den Sessel presst. Verdammt, so muss Action aussehen. Leider wurde in der deutschen Fassung geschnitten, was der gute Logan mit Zero anstellt. Warum ist fraglich, die Szene ist im Grunde harmlos.

Nach der Verfolgungsjagd geht es actiongeladen weiter und der Zuschauer darf Logan begleiten. Der sucht sich erst einmal ein paar Informanten und präsentiert einen sehr lustigen Boxkampf. Als Zuckerl kommt auch der junge Cyclops vor und freundet sich Wolverine mit Gambit an. Noch mehr Helden für die Merkliste. Glücklicherweise kann man einige bald wieder streichen und „X-Men Origins: Wolverine“ setzt zum Finale an – und da fliegen wörtlich die Fetzen. Eine bombastische Kulisse und ein Supergegner, der alle paar Sekunden eine neue Fähigkeit aus dem Hut zaubert, um den Zuschauer mit neuen Stunts und CGI-Effekten zu verzaubern. Am Ende liegt alles in Schutt und Asche, hat der Held gesiegt und kippt tot um. Na ja, das hätte der Oberbösewicht doch auch vorher anstellen können. Aber so kommt man nach dem Abspann in den Genuss einer verdammt coolen Szene. Also immer schön sitzen bleiben und abwarten.

Zum Ende hin zeigen sich auch die Schwächen der Synchronisation. Die ist zwar durchweg gelungen und macht Laune, doch nur im Original kommen die Sprüche wirklich markig rüber. Hier hätten die Sprecher ruhig etwas vom Leder ziehen können. Bei Superhelden passt das schon, aber wahrscheinlich wurde die Synchro mit der heißen Nadel gestrickt. Nur so dürfte der Riesenfehler zu erklären sein, der nach dem Endkampf geschieht. So wird hypnotisch „Lauf“ befohlen, doch das Opfer geht nur. Nun, dadurch wird der Film unfreiwillig etwas komisch. Alles andere sei verziehen, aber das wirkt wirklich störend.

Die Leistungen der Darsteller sind richtig ordentlich, vor allem Stryker wirkt fies und gemein. Danny Huston gibt einen exzellenter Bösewicht zum Besten, doch der Film dreht sich vor allem um Logan – und das ist nun einmal Hugh Jackman. So kommen alle anderen Rollen im Grunde zu kurz, können nur wenig Profil zeigen und müssen dem Platzhirsch weichen. Und Jackman röhrt verdammt gut, verteidigt sein Revier mir Bravour. Muskelbepackt, auch mal nackt von hinten, einen coolen Spruch auf den Lippen und Augen, die jeder Situation die richtige Würze geben. Frauen schmelzen dahin und Männer wünschen sich ebenfalls diesen Blick – um die Frauen auch dahinschmelzen zu lassen. Dabei sollte man keinesfalls vergessen, dass Jackman für seinen Prachtkörper hart trainierte und außerordentliche Selbstdisziplin zeigte.

Wie es sich für einen modernen Actionfilm in dieser Preisklasse gehört, sind Stunts und Trickeffekte vom Feinsten. Da wird gesprungen, gepurzelt, geknallt, gebumst, geschlagen und getreten, da explodiert es hier und knallt es da. Augen und Ohren bekommen ein wunderbares Spektakel geliefert, in dem man förmlich versinkt. Actionkino vom Feinsten! Einzig Sabertooth’ Sprunganimation könnte etwas besser sein. Sie wirkt recht grob und künstlich.

„X-Men Origins: Wolverine“ ist jedenfalls ein schicker Film, mit viel Action, einem sympathischen Superhelden und großem Unterhaltunsgwert. Der Streifen ist auf jeden Fall einen Blick wert!
(Günther Lietz)

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