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Archiv für die 'Mystery' Kategorie


Final Destination 4

Erstellt von Michael Drewniok am 26. Februar 2010

final-destination-4Final Destination 4

Originaltitel: The Final Destination (USA 2009)
Regie: David R. Ellis
Drehbuch: Eric Bress
Kamera: Glen MacPherson
Schnitt: Mark Stevens
Musik: Brian Tyler
Darsteller: Bobby Campo (Nick O’Bannon), Shantel VanSanten (Lori Milligan), Nick Zano (Hunt Wynorski), Haley Webb (Janet Cunningham), Mykelti Williamson (George Lanter), Krista Allen (Samantha Lane), Andrew Fiscella (Andy Kewzer), Justin Welborn (Carter Daniels), Stephanie Honore (Nadia Monroy), Lara Grice (Cynthia Daniels), Jackson Walker (Jonathan Grove) uva.
Label: New Line Home Entertainment
Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 08.01.2010 (DVD) bzw. 22.01.2010 (Blu-ray u. Blu-ray Steelbook)
EAN: 5051890011008 (DVD) bzw. 5051890012210 (Blu-ray) bzw. 5051890012227 (Blu-ray-Steelbook)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Polnisch, Russisch)
Untertitel: Deutsch/Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch, Holländisch, Russisch, Polnisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 79 min. (Blu-ray: 82 min.)
FSK: 18

Das geschieht:

Von ihren dummen aber netten Freunden wurden Nick und Lori zu einem Autorennen mitgenommen. Während die Rennwagen ihre Kreise ziehen, überfällt Nick eine Vision, die ihm zeigt, wie aufgrund eines fatalen Unfalls die meisten Tribünengäste ein grässliches Ende finden; auch ihn und Lori erwischt es. Erschrocken kann Nick seine Freunde sowie einige aufgeschreckte Besucher ins Freie locken, bevor sich der Unfall tatsächlich ereignet.

Weder Nick noch die von ihm geretteten Personen werden ihrer verschonten Leben froh, denn es ereilen sie in exakt jener Reihenfolge, in der Nick sie sterben sah, bizarre Tode. Lori recherchiert und findet im Internet Hinweise auf mindestens drei ähnliche Unfallserien in den letzten zehn Jahren: Offenbar holt sich der Sensenmann jene Opfer, die ihm aufgrund einer Vision entwischten, nachträglich und unerbittlich. Nur derjenige Kandidat kann ihm endgültig von der Schippe springen, dem es gelingt, seine Attacken auszuhebeln und so die Kette zu durchbrechen. Allerdings ist es möglich, dass der Tod daraufhin einfach die nächste Nummer auf seiner Liste ins Visier nimmt.

Trotzdem versuchen Nick und Lori den Aufstand gegen das Schicksal. Leider fällt es sowohl den potenziellen Opfern als auch ihren Freunden – die wie gesagt dumm sind – schwer, der Theorie vom düpierten Tod Glauben zu schenken, sodass dieser leichtes Spiel hat und sich die Jagd nach den flüchtigen Seelen durch den Einsatz einfallsreich sabotierter Abschleppwagen, Autowaschanlagen, Saugpumpen, Nagelpistolen u. a. zu Mordinstrumenten mutierender Gerätschaften unterhaltsamer gestalten kann …

Der Fluch des Erfolgs: Franchise-Wiedergänger

Wer sich nach der Sichtung von „Final Destination 4“ (hier von nun an als „FD4“ abgekürzt) die Frage stellen sollte, wieso dieser Film gedreht wurde, obwohl er sowohl inhaltlich als auch formal missraten ist, darf sich glücklich schätzen: Ihm (oder ihr) wurde soeben eine wichtige Lektion erteilt: Qualität oder wenigstens Unterhaltung zählen in Hollywood nicht einmal als sekundäre Tugenden. Beim Verb – also „zählen“ – können wir bleiben, doch damit verbinden müssen wir das Geräusch klingender Münzen.

Selbst Regisseur David Ellis gibt offen zu, dass es keine Existenzberechtigung für jenen Film gibt, den er nichtsdestotrotz selbst gedreht hat. Da „FD4“ bei einem überschaubaren Budget weltweit mehr als 150 Mio. Dollar eingespielt hat, sollte man dem Originaltitel, der „The Final Destination“ ankündigt, keineswegs Glauben schenken: Es wird weitergehen – blutiger und einfallsloser denn je.

Alles wie immer, nur ein bisschen schneller

Die Krux liegt im denkbar begrenzten Potenzial des Grund-Plots: Der Tod schnappt sich jene, die ihm zufällig entkommen. Was im „Final-Destination“-Original von 2000 neu war und gut umgesetzt wurde, war bereits mit „Final Destination 2“ (2003) ausgereizt. 2006 zeigte „Final Destination 3“, wohin das Franchise die Serie zu lenken gedachte: Möglichst groteske Mordszenarien sollten für Unterhaltung sorgen, während die Story mehr und mehr in den Hintergrund geriet. Während in den ersten beiden Teilen der mysteriöse Totengräber Bludworth einen Zugang zum übernatürlichen Hintergrund-Geschehen darzustellen schien, wurde dieser Strang inzwischen endgültig gekappt: Wer da wieso im Hintergrund entwichene Seelen einsammelt, ist für das Franchise unwichtig oder sogar störend. Stattdessen wird der Status quo zementiert.

Der besteht wie gesagt aus einer Steigerung in den Todessequenzen. Weil diese das zentrale Element der „Final-Destination“-Filme darstellen, wurde ihre Zahl für „FD4“ erhöht und die Schraube in Sachen Drastik noch einmal einige Umdrehungen angezogen. Weil gleichzeitig die Story entfiel, konnten Darsteller in zweistelliger Zahl binnen 79 Minuten zerquetscht, verbrannt, aufgespießt oder anderweitig umgebracht werden; oft sterben sie sogar mehrfach bzw. auf unterschiedliche Weisen gleichzeitig.

Tiefe Bilder für einen flachen Film

Noch nie lief ein „Final-Destination“-Film so kurz. Länger würden freilich selbst geduldige (oder anspruchslose) Zuschauer nicht ertragen, mit welchen faulen Tricks ihnen das Eintrittsgeld aus den Taschen gezogen wird. Im Kino mag dies noch funktionieren, weil die 3-D-Effekte des 21. Jahrhunderts inzwischen genossen werden können; anders als bisher stellen die an den Kino-Kassen ausgeteilten Papp-und-Plastik-Brillen keine Garanten für kollektiven Kopfschmerz mehr dar. Weil seit dem letzten Hochschwappen der 3-D-Mode wieder einige Jahrzehnte vergangen sind, vermögen sich die jüngeren Generationen außerdem für eine Weile wieder an spitzen Gegenständen erfreuen, die nicht nur simpel Körper durchbohren, sondern dabei tief in den Zuschauersaal ragen oder fliegen. Von diesem Effekt wird im 3-D-Kino seit jeher (über-) reichlich Gebrauch gemacht.

Leider erledigt sich dieses Vergnügen vor dem heimischen TV-Schirm. Dort müssen wir uns mit der altmodischen Simpel-Variante der 3-D-Technik begnügen und wie Anno 1953 – in diesem Jahr startete die erste Welle dreidimensionaler Filme – anaglyph in die Röhre schauen. Wer auf scharfen und farbtreuen Seh-Spaß verzichten kann, wird in die Raumtiefe reichende Bilder immerhin erahnen können. Ansonsten sei auf die traditionelle aber augenfreundliche 2-D-Fassung verwiesen.

„Denn alles Fleisch ist wie Gras“

Was bereits der Apostel Petrus wusste, wird in „FD4“ ausdrucksstark illustriert. Mit viel Energie betreiben Regisseur Ellis und Drehbuchautor Eric Bress im Bund mit einem Heer engagierten Spezialeffektler die möglichst variationsreiche Zerwirkung des menschlichen Körpers. Sie gilt als (inzwischen vielfach kopiertes) Markenzeichen der „Final-Destination“-Serie und unterliegt als solches dem üblichen Fortsetzungs-Fluch: Von Folge zu Folge müssen die Metzeleien sich steigern, während das Budget sinkt.

Der ehemalige Stuntman Ellis weiß, wie man Zerstörung bildgewaltig inszeniert. Da er dies bereits in „Final Destination 2“ getan hat, darf man eine gewisse Routine voraussetzen. Doch wie sich bald zeigt, unterliegt sogar das absurde Sterben einem Abnutzungseffekt. Die Tode der vier „FD“-Teile folgen einem bestimmten Muster. Das ist auch in der x-ten Variante recht lustig anzuschauen, aber es langweilt trotzdem, weil das Grundprinzip unverändert bleibt. Ellis versucht durchaus den Ausbruch; so verwandeln sich die makabren Unfälle, die dem Titelvorspann unterlegt werden, in Zeichentrick-Sequenzen; die Opfer verwandeln sich digital in medizinische Skelett-Modelle, deren Knochen die Verletzungen widerspiegeln, die beispielsweise eine durch den Schädel dringende Stahlstange verursacht. Diese Idee wird in der finalen Szene eindrucksvoll aufgegriffen.

Effekte ohne Logik

Doch das war’s denn auch in Sachen Einfallsreichtum. Die Todes-Szenen sind oft nur leicht veränderte Neuauflagen aus den drei Vorgängerfilmen. Der Effekt der puren, auf Überwältigung basierenden Überraschung – bestes Beispiel ist Georges abruptes Ende im Straßenverkehr – sorgt manchmal für einen gewissen Ausgleich. Wieder faszinierend ist auch die Vorbereitung der Unfall-Debakel, die als Kette murphyscher Zufälle sorgfältig aufgebaut werden und oft einen gänzlich unerwarteten Verlauf nehmen.

Der liebevollen Ankündigung folgen indes immer wieder miserabel umgesetzte Höhepunkte. So wurden beim Zusammenbruch der Rennplatz-Tribüne allzu offensichtlich Schaumstoff-Betonteile eingesetzt. Wo selbst das zu gefährlich war, griff die Regie zum scheinbaren Wundermittel CGI – ein gefährlicher Weg, wenn das Budget nicht ausreicht, die richtig gute aber eben teure Digital-Technik aufzufahren. Hier kann das längst geschulte Zuschauerauge viel zu oft den Trick identifizieren.

Auch die Logik wird um des Effektes willen allzu sträflich ignoriert. Welches Krankenhaus wird eine riesige, tonnenschwere Wasserwanne nicht im Keller, sondern in einem der oberen Stockwerke und über einem normalen Krankenzimmer aufstellen? Nur eines in Hollywood, das garantieren will, dass besagte Wanne durch die spannplattendünne Decke bricht und auf einem Patienten landet. (Nebenbei: Woher kommen eigentlich die Wasserfluten außerhalb der Wanne, die nur aus einem einzigen und mickrigen Hahn gefüllt wird?) Wie kann man innerhalb eines Autos ertrinken, wenn es ausreicht, eine Tür nur einen Zentimeter weit zu öffnen, um das einströmende Wasser abfließen zu lassen? Welche Swimmingpool-Pumpe saugt so stark, dass sie einem Menschen die Innereien aus dem Leib reißen könnte? Welche Sprinkleranlage kann mit simplem Wasser brennende Chemikalien löschen?

Einen richtig kapitalen Bock schießen Ellis und Bress, wenn sie Nick nach der ersten Vision, die ihm den Tod auf der Rennbahn enthüllt, in der zweiten Filmhälfte (und nachdem er bisher die sich anschließenden Einzel-Tode nur bruchstückhaft voraussehen konnte) noch einmal detailfroh in Farbe und Dolby-Sound visionieren lassen: Dies ist nicht nur ein Bruch mit der ohnehin fragwürdigen Handlungslogik, sondern auch ein offensichtlicher Vorwand, um die verbliebenen Hauptfiguren noch einmal umbringen zu können. Kurz darauf sind sie wieder lebendig, als sei nichts geschehen – und genau das trifft zu, und Ellis konnte erneut einige Filmminuten quasi drehbuchfrei hinter sich bringen.

Projektionsflächen für spektakuläre Tode

Da die Methoden des Todes die Zuschauer in die „FD“-Filme locken, muss in die Darstellung lebender Menschen wenig Sorgfalt investiert werden. Selten wurde dies so konsequent realisiert wie in „FD4“: Absolute No-Names wurden für flüchtig skizzierte Rollen angeheuert. Wir erfahren nichts über die Figuren, deren Ende uns deshalb absolut kalt lässt. Sie sind nur Kanonenfutter, das in den Sterbe-Szenen verheizt wird.

Wer sind Nick O‘Bannon und Lori Milligan? Sie sind noch recht jung, aber keine Studenten mehr, sondern anscheinend berufstätig; wenn man ihre geräumige und eindrucksvoll eingerichtete Wohnung betrachtet, verdienen sie ausgesprochen gut. Nie sieht man sie jedoch arbeiten oder auch nur über ihre Jobs reden. Überhaupt erfährt man nichts von ihnen. Nie und nimmer kann man sich den farblosen Nick oder die fade Lori als Streiter gegen Tod & Schicksal vorstellen. Den debilen Hunt und die hirnlose Janet hätte der Tod schon lange vor dem verhängnisvollen Tag auf der Rennbahn aus dem Spiel des Lebens streichen müssen. Für die übrigen Rollen gilt dasselbe harsche Urteil. Immerhin kriegt sie der Schnitter schließlich doch am Wickel; es wäre schön, wenn er seine Sense nunmehr dort einsetzen würd, wo bereits erste Triebe der Spezies „FD5“ aufkeimen …

DVD-Features

In letzter Zeit mehren sich die Zeichen für das nahe Ende der DVD-Ära. Gern würden Film-Produzenten, Händler und Verleih-Firmen die Kundschaft auf das technisch hochwertigere und vor allem profitablere Medium drängen. Ein Weg ist die Streichung von DVD-Features, die nur auf die Blu-ray-Version gebrannt werden.

In unserem Fall muss sich auch der Besitzer der Doppel-DVD-Fassung mit neun nicht verwendete Filmszenen begnügen, die insgesamt etwa acht Minuten laufen, während auf der Blu-ray das übliche Infotainment-Bündel aus Interviews und Blicken hinter die Kamera zu finden ist. Für Sehfaule gibt es außerdem eine endgültig von der lästigen Handlung befreite Reihung der hübsch-hässlichen Todesszenen.

Im Internet gibt es folgende (informationsdünne) Website.

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray-Steelbook)

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Percy Jackson – Diebe im Olymp

Erstellt von Redaktion am 26. Februar 2010

Percy JacksonPercy Jackson – Diebe im Olymp

Originaltitel: Percy Jackson & the Olympians: The Lightning Thief
Produktionsland: USA, Kanada
Erscheinungsjahr: 2010
Länge: 120 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Chris Columbus
Drehbuch: Craig Titley
Roman: Rick Riordan
Produktion: Chris Columbus, Michael Barnathan, Karen Rosenfelt
Musik: Christophe Beck

Darsteller: Logan Lerman (Percy Jackson), Brandon T. Jackson (Grover Underwood), Alexandra Daddario (Annabeth Chase),Jake Abel (Luke Castellan), Pierce Brosnan (Chiron), Kevin McKidd (Poseidon), Sean Bean (Zeus), Steve Coogan (Hades), Rosario Dawson (Persephone), Catherine Keener (Sally Jackson), Uma Thurman (Medusa)

Die Herrschaft von Harry Potter neigt sich langsam dem Ende zu und so wird es Zeit einen Nachfolger auf den Thron zu bringen. Spätestens mit dem voraussichtlich 2011 erscheinenden letzten Film der Potter-Reihe sollte der Prinz etabliert sein, um das Zepter aus der Hand des Königs zu nehmen. Percy Jackson dürfte aber ein Dreizack reichen, denn immerhin ist er Poseidons Sohn.

Aus der Feder von Rick Riordan stammen die Bestsellergeschichten des jungen Percys, der eines Tages entdeckt, dass er ein ganz besonderer Junge ist. Auf Grund seiner Abstammung genießt er fortan eine besondere Ausbildung und erlebt mit seinen Freunden gefährliche Abenteuer – die mit seiner Abstammung in Verbindung stehen. In seinem ersten Abenteuer muss Harry, Verzeihung, Percy (Logan Lerman), den gestohlenen Herrscherblitz zurückbringen. Ansonsten hauen die Götter des Olymps – allen voran Zeus – die Welt in Stücke. Zu allem Übel hat Hades Percys Mutter Sally (Catherine Keener) entführt und die muss gerettet werden.

Zusammen mit der süßen Kämpferin Annabeth Chase (Alexandra Daddario) – Tochter der Athene und ebenfalls eine Halbgöttin – und dem schwarzen Satyr Grover Underwood (Brandon T. Jackson) muss Percy erst einmal Zauberperlen suchen, dann in die Unterwelt reisen, dort die Mutter retten und anschließen auf dem Olymp Zeus von seiner Unschuld überzeugen. Der Film geht beinahe zwei Stunden, also ist dafür doch eigentlich genug Zeit …

So wie die Romanreihe, so ist auch der Film von Mister Harry Potter inspiriert. Und zwar sehr stark. Um Nägel mit Köpfen zu machen haben sich die Studiobosse dann auch Chris Columbus ins Boot geholt. Der hat seinerzeit die ersten beiden „Harry Potter“-Filme gedreht und weiß also genau, um was es geht. Und Columbus liefert auch genau das, was bestellt wurde: Kindertaugliche Massenunterhaltung nach Schema Potter. Um es auf den Punkt zu bringen: Das ist unterhaltsam, leidlich spannend, aber irgendwie schon mal dagewesen und austauschbar. Allerdings werden nun Sagengestalten und griechische Mythen bemüht, anstatt altenglische Mauern und britisches Zauberwerk. Egal, Hauptsache der Film weiß zu unterhalten.

Und das gelingt ihm auch. Chris Columbus vertrödelt keine unnötige Zeit mit ausgefeilten Dialogen und langweiliger Charakterentwicklung. Er gibt sofort Gas. Die platten Dialoge erklären die wichtigsten Zusammenhänge, dann folgt eine Szene nach der anderen. Selbst der vermeintliche Tod von Percys Mutter ist nur eine Sekunde der Besinnung wert, dann geht es weiter: Ab durch die USA, im Stile eines Roadmovies und genau so aufgemacht wie ein modernes Videospiel.

Glücklicherweise rast Percy zusammen mit seinen Freunden durch die Gegend und es ergibt sich dann doch die ein oder andere Szene, in der Schauspieler miteinander agieren. So deutet sich zwischen Percy und Hermine – Verzeihung – Annabeth, eine kleine Liebschaft an, während der drollige Juniorbeschützer Ron – Verzeihung – Rover, für den ein oder anderen Gag gut ist. Rover wird übrigens vom Komiker Brandon T. Jackson gespielt. Die Rolle ist einfach angelegt: Plappernder Schwarzer mit blöden Sprüchen, der von einem Problem ins Andere trudelt. Da fühlt sich der Zuschauer an die guten alten achtziger Jahre erinnert. Wenigstens macht Alexandra Daddario als Annabeth eine gute Figur und den lieben Percy heiß. Aber keine Bange, Percy wurde zwar um fünf Jahre für den Streifen gealtert (im Buch beginnen die Abenteuer als der Junge elf ist), aber dennoch bleibt alles sehr züchtig und in geordneten Bahnen. Okay, typisch amerikanisch gibt es zwar keinen Kuss, aber heftige Actionszenen und Kampfsequenzen, in denen der ein oder andere Darsteller schon mal ein wenig blutig aufgeschlitzt wird. Ja, so sieht verfilmte Doppelmoral aus.

„Percy Jackson – Diebe im Olymp“ hält für die jugendlichen Zuschauer aber auch wichtige Weisheiten bereit. So sind Drogen einfach Kacke und niemand sollte einfach etwas Essen, das einfach so angeboten wird. Genau das geschieht nämlich im verlotterten Las Vegas und der heiße Drogenrausch entpuppt sich schon bald als große Gefahr, während im bunten Hintergrund Lady Gagas „Pokerface“ aus den Boxen dringt. Wenigstens hat der Film stellenweise einen guten Score.

Etliche Abenteuer und abgeschlagene Köpfe später rettet das lustige Trio die liebe Mutter von Percy. Schon erwähnt? Die Alleinerziehende hat sich natürlich nur wegen Percy mit einem stinkenden Säufer eingelassen, der seine Frau und den Stiefsohn wie Dreck behandelt. Daran können sich alle jungen männlichen Legastheniker die unter ADS leiden klammern, vielleicht ist ihr Vater ja auch ein Gott. Mehr jugendlicher Außenseiter geht einfach nicht.

Jedenfalls weiß der Film die Hoffnung zu bedienen. Um nun aus der Unterwelt zu fliehen (die fleißig zur Hölle christianisiert wurde, aber mit dem Eingang in Hollywood Ironie zeigt) muss leider einer zurückbleiben. Und wen trifft es? Natürlich den Schwarzen! Und jahrelang haben die Zuschauer geglaubt diese dunklen Klischee-Zeiten seien vorbei - Chris Columbus belehrt seine Zuschauer mit einem Griff in die Mottenkiste aber eines Schlechteren.

Auch die Spezialeffekte haben bessere Zeiten gesehen. Sie bewegen sich zwar über TV-Niveau, aber Kino-Standard sieht heutzutage einfach anders aus. Vor allem Pierce Brosnan als Zentaure ist einfach nur grottig umgesetzt. Es bleibt sowieso ein Rätsel, warum er und Uma Thurman in diesem Streifen mitspielen. Schauspielerische Leistung zeigt jedenfalls keiner von beiden.

„Percy Jackson – Diebe im Olymp“ ist leidlich unterhaltsame Massenware, die vor allem das jüngere Publikum ansprechen dürfte, da es einfache Teenie-Action ohne Experimente ist.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Percy Jackson von Carlsen bei Buch24.de:
“Percy Jackson 01. Diebe im Olymp”
“Percy Jackson 02. Im Bann des Zyklopen”
“Percy Jackson 03. Der Fluch des Titanen”

“Percy Jackson” bei Booklooker.de

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PREISRÄTSEL / GEWINNSPIEL: 5 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Das Haus der Dämonen (DVD)

Erstellt von Michael Drewniok am 19. Februar 2010

haus-der-daemonenDas Haus der Dämonen

Originaltitel: The Haunting in Connecticut (USA/Kanada 2008)
Regie: Peter Cornwell
Drehbuch: Adam Simon u. Tim Metcalfe
Kamera: Adam Swica
Schnitt: Tom Elkins
Musik: Robert J. Kral
Darsteller: Virginia Madsen (Sara Campbell), Kyle Gallner (Matthew Campbell), Martin Donovan (Peter Campbell), Ty Wood (Billy Campbell), Erik Berg (Jonah), Elias Koteas (Reverend Popescu), Amanda Crew (Wendy), Sophi Knight (Mary), John Bluethner (Ramsey Aickman), D. W. Brown (Dr. Brooks), John B. Lowe (Mr. Sinclair) u. a.
Label: Falcom Media
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 12.11.2009 (Leih-DVD) bzw. 10.12.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4048317359004 (Leih- u. Kauf-DVD) bzw. 4048317459001 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 98 min. (Blu-ray: 103 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Wir schreiben das Jahr 1987. Das Leben meint es nicht gut mit Sara Campbell: Geld ist knapp, Gatte Peter liebäugelt mit der Flasche, kürzlich sind die Nichten Wendy und Mary vor den Eltern zu ihnen geflohen, und jetzt leidet Matt, der älteste Sohn, unter einer Krebserkrankung, die ihn schnell und tückisch umbringt. Einzige Hoffnung ist eine kaum erprobte Therapie, die jedoch nur im weit entfernten Connecticut angeboten wird.

In ihrer Not beschließen die Campbells, unweit des Krankenhauses, in dem Matt behandelt wird, möglichst kostengünstig ein Haus zu mieten. Leider erweist sich das einzige Gebäude in ihrer Preisklasse als ehemaliges Bestattungsinstitut, dessen Balsamierungskeller nie richtig ausgeräumt wurde. Außerdem war Dr. Aickman, der frühere Hausherr, ein Satanist und Totenbeschwörer, der makabres Schindluder mit den ihm anvertrauten Leichen trieb.

Das muss zunächst vor allem Matt erkennen, dessen Krankheit ihn empfänglich für jene übersinnlichen Schwingungen macht, die das alte Haus erfüllen. Bald wird er aus dem Jenseits als Bezugsperson für widerlich anzusehende Geister angepeilt, unter denen sich einer sogar namentlich vorstellt: Jonah war einst Aickmans Star-Medium, doch als der Doktor es mit seinen nekromantischen Eskapaden übertrieb, wurde Jonah unfreiwillig derjenige, der die Geister, die sein Herr rief, über das Haus brachte.

Den Campbells wird bald Angst & Bange: Türen schlagen, Lampen knistern, Schatten huschen durch die Gänge, während “Buh!”-Musik ertönt und dem armen Matt der hässlich angekokelte Jonah im Nacken sitzt. Glücklicherweise hängt im Krankenhaus am Tropf neben ihm Reverend Popescu, ein Fachmann für das Übernatürliche. Im Bund mit Mutter Sara und Cousine Wendy nimmt Matt den Kampf gegen die Plagegeister auf, die daraufhin in Sachen Dämonenspuk tüchtig aufdrehen …

Spuk für Gläubige & unterhaltungswillige Skeptiker

“Nach einer wahren Begebenheit”: Die Verwendung dieses Prädikats kündet von der erstaunlichen Risikobereitschaft einer Produktionsfirma, die darauf hofft, durch die Nacherzählung einer echten Besessenheit noch einigen neugierigen Zuschauern mehr das sauer verdiente Geld aus der Tasche zu locken. Oder glaubt man sich auf das Wissen stützen zu können, dass weit mehr Menschen an störende Besuche aus dem Jenseits glauben, als sie öffentlich zugeben möchten?

Die Faktendecke ist ebenso bekannt wie fadenscheinig: 1986 zog die recht dysfunktionale Familie Snedeker ins Städtchen Southington, US-Staat Connecticut, und dort in das alte Hallahan-Haus, das sich als ehemaliges Bestattungsinstitut entpuppte. Diese Tatsache drückte zwar den Mietpreis, hatte aber zuvor nie für Aufregung der nun bald laut werdenden und von den Medien begierig aufgegriffenen Art gesorgt: Nach Auskunft der Eltern Carmen und Allen Snedeker, deren Aussagen von ihren Kindern und den ebenfalls eingezogenen Nichten bekräftigt wurden, trieben Poltergeister und/oder Dämonen ihr Unwesen in dem alten Gemäuer. Sie machten nachts Lärm, stahlen Kruzifixe und gingen schließlich erst Carmen und dann sogar Al an die Unterwäsche.

Mit den Medien erschienen ‘Parapsychologen’. Unter ihnen: die selbst ernannten Top-Geisterjäger Ed und Lorraine Warren, die u. a. schon die Geheimnisse des Amityville-Spukhauses (nicht) gelüftet hatten, sowie der Buchautor Ray Garton, der ein zum Bestseller gewordenes ‘Sachbuch’ über die Heimsuchung der Snedekers schrieb, für das er sich heute so schämt, dass er nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden möchte.

Nach zweieinhalb angeblich turbulenten Jahren zogen die Snedekers um, und in Southington kehrte (angeblich nach einem Exorzismus) schlagartig Ruhe ein. (Sieht man von der Invasion zahlreicher Geister-Touristen ab, die einen Blick auf das berüchtigte Spukhaus werfen wollten - und wollen.) Carmen Snedeker - inzwischen geschieden - ist heute als “Geist(er)führerin” tätig.

Medienspuk hilft filmischem Durchschnitt

Diese Vorgeschichte macht aus dem Hallahan-Institut beim besten Willen kein zweites Amityville-Haus. Aber es bedarf nur einiger Dreistigkeit im Umgang mit der Wahrheit sowie der Arbeit zweiter routinierter Drehbuchautoren, um ein wenig Schwung in die Geschichte von der “Heimsuchung in Connecticut” zu bringen.

Macht man so etwas richtig, kann man sogar auf Ideen verzichten. Genau das zeichnet “Das Haus der Dämonen” denn auch aus: Adam Simon und Tim Metcalfe tun exakt das, was sie im Interview lächelnd leugnen, und klauben aus der Geschichte des Spukhaus-Films diejenigen Elemente hervor, die schon früher funktioniert haben. Der erfahrene Zuschauer mag sich den Spaß machen und die Titel der auf diese Weise ‘ausgeschlachteten” Filme auflisten. Zwar ist solches Ausborgen ein traditionsreiches Vorgehen in Hollywood, doch die Gleichgültigkeit, mit der selbst junge Regisseure und Drehbuchautoren den Zuschauer mit Mittelmaß abspeisen, wirkt trotzdem erschütternd. Es gibt nicht einmal (bis auf die für den Horrorfilm immer nützliche Abwesenheit von Handys) einen guten Grund dafür, die Geschichte 1987 spielen zu lassen.

Womit keineswegs gesagt ist, dass dieser Film nicht unterhalten kann oder handwerklich schlecht geraten ist. Hollywood stößt sauber aus dem Klischeeblech gestanzten Durchschnitt quasi fabrikmäßig aus. “Das Haus der Dämonen” ist zwar bar jedes originellen Einfalls, wurde aber flott und kundig inszeniert, routiniert gespielt und anständig getrickst.

Routinejob für echte Schauspieler

Manchmal ist das Glück auch mit dem nicht ganz so Tüchtigen. In unserem Fall beinhaltet das die Entscheidung, für die Hauptrolle der Sara Campbell eine echte und richtig gute Schauspielerin zu engagieren: Virginia Madsen ist eine Veteranin ihres Metiers und immer noch gut im Geschäft. In Hollywood, dem Mikrokosmos des Jugendwahns und der plastischen Chirurgie, wo ein Darsteller-Jahr etwa zehn Lebensjahren entspricht, ist das keine Selbstverständlichkeit, zumal Madsen zumindest im Hüftbereich keine Konzessionen an zwar ungeschriebene aber mehr oder weniger zementierte Regeln macht.

Die Sara Campbell spielt Madsen ohne Probleme und überzeugend, was besondere Anerkennung verdient, weil eine solche Rolle - in der Not religiös gewordenes Muttertier hält im Alleingang Problemfamilie auf Kurs und nimmt es auch noch mit Geistern auf - sehr schnell ins übertrieben Lächerliche abrutschen kann, wovor Madsen sie bewahrt.

Kyle Gallner profitiert von der Krankheit, die er mimen muss. Das mag zynisch klingen, doch da auch er trotz seiner Jugend ein erfahrener Schauspieler und seine Rolle sorgfältig ausgearbeitet ist, kann er recht gelassen den bleichen Todeskandidaten geben.

Weniger vom Glück & vom Drehbuch begünstigt sind die übrigen Darsteller. Martin Donovan fällt als hart geprüfter und für zu weich befundener Vater einmal in die Wodka-Flasche, aber nachdem Clan-Chefin Sara ihm dafür mächtig den Kopf gewaschen hat, findet er umgehend in die Nebenrolle des treusorgenden aber selten anwesenden Ernährers zurück.

Donovan kann sich noch glücklich schätzen, wie der arme Elias Koteas erfahren musste. Einmal abgesehen von der ziemlich geringen Chance, über einen Dämonen-Kundler und Exorzisten quasi zu stolpern, wirkt Koteas in der ausgelaugten Rolle des leicht überforderten aber in der Krise glaubensstarken Priesters (und unter seinem lächerlichen Pepita-Hütchen) eher von allen Geistern verlassen.

Überstunden für die Kulissenbauer

Obwohl “Das Haus der Dämonen” in Connecticut spielt, wich das Drehteam in das kostengünstigere Filmland Kanada aus. In der Provinz Manitoba ließ sich im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets das Hallahan-Haus weitgehend originalgetreu nachbauen. Das Innere entstand im Filmatelier; es entspricht allen Klischees eines verwunschenen Hauses, was dieses Mal durchaus anerkennend gemeint ist.

Auch die Filmtricks sind gut geraten. Altmodische aber eindringliche Prothesen- und Maskentricks werden durch dosierte CGI-Hexereien ergänzt aber nicht verdrängt. Da auch möglichst junge Zuschauer für das Werk bezahlen sollen, hielten sich die Tricktechniker etwas zurück. So wirken die seit immerhin sechzig Jahren in den Wänden des Hauses verwesenden Leichen erstaunlich frisch.

Traurig aber heute üblich ist jene Bearbeitung, der sich darauf richtet, die sorgfältig in Szene gesetzten Unheimlichkeiten nachträglich zu entschärfen. Damit die rächenden Geister nicht gar zu gruselig wirken, wurden sie für die Kinofassung künstlich ‘entfärbt’. Auf diese Weise verschwanden jugendgefährdende Blutflecken, die erst in der “Uncut”-Edition wieder rot zurückkehren. Solche Absurditäten sollte der Zuschauer mit Humor nehmen, da Ärger oder Grübeleien über die ‘Logik’, die hinter solchen Entscheidungen stecken mag, ohnehin zwecklos bleiben.

DVD-Features

An Extras wurde lobenswerterweise nicht gespart. Freilich sind die meisten Features recht obskur. Immerhin beginnt es konventionell: mit einem “Making-Of” zum Hauptfilm (”Zwei tote Jungen”), das man gesehen haben muss, weil es erstaunlich ist, wie viel Unfug sich in nur einer Viertelstunde verzapfen lässt! Jenseits der lästigen aber üblichen gegenseitigen Lobhudeleien - wie der Zufall so spielte, sind sich nur die Besten ihrer Branchen und gleichzeitig liebeswertesten Menschen dieses Planeten auf dem Set begegnet - entblöden sich die interviewten Darsteller, Drehbuchautoren und sonstige Mitarbeiter nicht, von ‘unheimlichen’ Vorfällen während der Filmarbeit zu munkeln: Mysteriöse Geräusche ertönten, der Fernseher sprang in der Nacht plötzlich an, es wurde schlagartig kalt in einer Ecke der Abstellkammer; die Peinlichkeiten wollen kein Ende nehmen.

Unter dem Titel “Bloße Einbildung? Was steckt hinter paranormalen Erscheinungen?” dürfen Para-Psychologen u. a. ‘Experten’ 13 (!) Minuten düster und unter sorgfältiger Umgehung nachprüfbarer Fakten über Geister und sonstige Repräsentanten jener Welt schwadronieren, die sich (nach Ansicht des Rezensenten) primär dort einstellen, wo die ärztlich verordnete Einnahme hilfreicher Psychopharmaka verweigert bzw. durch die Selbstkur mit Hilfe hochprozentiger Alkoholika ersetzt wird.

Dazu passt eine zweiteilige ‘Dokumentation’ (”Ein wahr gewordener Albtraum: Erneuerte Nachforschungen”), in der viele jener Zeitgenossen, die es 1986 ins wahre Haus der Dämonen verschlug, noch einmal ihre oft erprobten Geschichten erzählen dürfen. Eingeleitet wird dies durch eine Erklärung, aus der hervorgeht, dass sich die Firma Lionsgate, die “Das Haus der Dämonen” vertreibt, keineswegs mit den nun folgenden Aussagen identifiziert, was sehr bezeichnend und schnell auch verständlich ist: Diverse Mitglieder der Familie Snedeker sowie die ‘Geisterforscherin’ Lorraine Warren kochen den abgestandenen Brei vom Spuk im Hallahan-Haus auf, während die ehemaligen (und aktuellen) Nachbarn von keinerlei Auffälligkeiten, sondern höchstens von mentalen Dachschäden der Snedekers berichten.

Von allgemeinem Interesse ist endlich der Beitrag “‘Memento Mori’: Die Geschichte der postmortalen Photographie”, die wohl als wissenschaftliches Feigenblatt für die anderen Features dient. Stanley Burns, ein ausgewiesener Experte für das Thema, berichtet elf Minuten über die Tradition der US-amerikanischen Gedenk-Fotografie des 19. Jahrhunderts: Trauernde Eltern, Familienangehörige oder Freunde ließen sich mit ihren verstorbenen Kindern, Brüdern usw., die dafür möglichst ‘lebensecht’ hergerichtet wurden, fotografieren.

Die Features werden durch sechs “deleted scenes” abgerundet, deren Tilgung Regisseur Peter Cornwell per Audio-Kommentar erläutert.

Hier ist “Das Haus der Dämonen” im Internet präsent.

P. S.: “A Haunting in Connecticut” spielte weltweit 76,5 Mio. Dollar ein - eine stolze Summe, die eine gesunde Gewinnmarge garantierte. Die Folge ist typisch für Hollywood: Man sieht sich 2010 in “The Haunting in Georgia”!

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Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden:
In welchem Jahr spielt die Geschichte des Films? Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald dreissig Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen! Gewonnen haben: Caroline Schleich, Mark Käumlin, René Rösner-Jansen, Werner Koblechner und Ulrich weber. Herzlichen Glückwunsch!

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The Devil’s Tomb – Welcome to Hell!

Erstellt von Michael Drewniok am 4. Februar 2010

devils-tombThe Devil’s Tomb - Welcome to Hell!

Originaltitel: The Devil’s Tomb (USA 2009)
Regie: Jason Connery
Drehbuch: Keith Kjornes
Kamera: Thomas L. Callaway
Schnitt: Chris Conlee
Musik: Bill Brown
Darsteller: Cuba Gooding Jr. (Mack), Taryn Manning (Doc), Valerie Cruz (Dr. Elissa Cardell), Franky G (Hammer), Zack Ward (Nickels), Henry Rollins (Fulton), Jason London (Hicks), Stephanie Jacobsen (Yoshi), Brandon Fobbs (Click), Weston Blakesley (Vater Jacoby), Bill Moseley (Prof. Duncan), Ray Winstone (Blakeley), Ron Perlman (Wesley), Sarah Ann Morris (Sharon) u. a.
Label: Splendid Entertainment
Vertrieb: WVG Medien GmbH
Erscheinungsdatum: 25.09.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray) bzw. 30.04.2010 (Steelbook)
EAN: 4013549873932 (Kauf-DVD) bzw. 4013549273930 (Kauf-Blu-ray) bzw. 4013549973939 (Steelbook)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 87 min. (Blu-ray: 91 min.)
FSK: 18

Das geschieht:

Irgendwo in der Wüste des Nahen Ostens haben US-amerikanische Inspektionsteams immer noch keine Massenvernichtungswaffen, sondern stattdessen noch Schlimmeres gefunden: einen Nephilim, Nachkomme einer Menschenfrau und eines Engels aus dem Kreis um Luzifer – ein Mischwesen von großer Macht und Bosheit, das Gott vorsichtshalber in einem unterirdischen Grab gefangen setzte. Das will der Nephilim, nach Jahrtausenden quicklebendig, verständlicherweise verlassen, um endlich wieder Böses über die Welt zu bringen.

Professor Wesley und einige vom Vatikan geschickte Wissenschaftler sollten dies verhindern. Dass bei dieser selbstverständlich streng geheimen Mission etwas schiefgelaufen ist, weiß der Geheimdienst CIA, als der Kontakt zur unterirdischen Bunkeranlage, die um das Grab herum errichtet wurde, plötzlich abreißt. Agentin Elissa Cardell soll nach dem Rechten sehen. Weil dabei mit unschönen Zwischenfällen zu rechnen ist, werden ihr einige Söldner zur Seite gestellt.

Zusammen mit Anführer Mack und seiner gemischtgeschlechtlichen Truppe große Worte & Feuer spuckender Troubleshooter geht es per Helikopter zum Einsatzort, wo man die nächsten sechs Stunden auf sich gestellt sein wird. Im Bunkerinneren finden die Besucher überall Spuren heftiger Kämpfe, dann die ersten blutigen Leichen und schließlich einen von Eiterblasen übersäten Priester, der Unverständliches brabbelt und die Neuankömmlinge unauffällig mit grünem Schleim zu bespucken versucht.

Während die Truppe sich zur Bunkersohle durchkämpft, wird sie von Visionen vergangener Fehlentscheidungen sowie zombiehaft entstellten Geistlichen und Wissenschaftlern heimgesucht, die auch heftigem Beschuss standhalten. Am Ziel angekommen, rückt Agentin Cardell endlich mit der ganzen Wahrheit heraus über  den Einsatz. Ein Überleben des Teams ist nicht vorgesehen, doch sowohl Mack und seine Leute als auch der Nephilim haben andere Pläne …

Der Teufel holt wieder den Zuschauer

Keine Idee und kaum Geld zu haben ist für entschlossene Filmemacher noch nie ein Hindernis gewesen. Diejenigen unter ihnen, die ihrer Liebe zum Medium trotz aller damit einhergehenden Einschränkungen und Schwierigkeiten zumindest Ausdruck verleihen können, dürfen unserer Vergebung gewiss sein: Dies ist der „Ed-Wood-Effekt“.

Alle anderen, deren Blick eher auf das Einspielergebnis gerichtet ist, müssen wir ertragen. Manchmal riskieren wir einen Blick und werden verdienterweise mit dem Verlust von anderthalb Stunden kostbarer Lebenszeit bestraft. Selten haben wir halbwegs Glück; dann geraten wir an ein zwar verkorkstes aber immerhin mit dem ehrlichen (und einzigen) Willen zur Unterhaltung entstandenes Werk wie „The Devil’s Tomb“.

Aufgepasst: Dies ist die wohlwollende Beurteilung eines Films, der in jeder Sekunde zeigt, was er ist – ein nicht für die große Leinwand, sondern für den Bildschirm produziertes Produkt, das mit möglichst wenig Aufwand möglichst hohen Gewinn einspielen soll. Dass dabei ein gewisser Unterhaltungsfaktor gewahrt bleibt, verdankt das Publikum einer zwar unterforderten aber mit ihrem Job vertrauten Darstellerschar sowie einem Regisseur, der geschickt jede der wenigen ihm zur Verfügung stellenden Dollarmünzen dort einsetzte, wo er am besten zur Geltung kam, wobei das Drehbuch freilich ausdrücklich ausgespart blieb.

Mit ernster Miene den Blödsinn blühen lassen

Der B-Film ist die Brutstätte handfesten Schwachsinns. Zeit und Geld sind knapp, und das lässt – manchmal durchaus vorteilhaft – die Skrupel schwinden. Eine Geschichte wird auf ihre blanken Knochen reduziert, dem eine bunte Flickendecke in Gestalt bewährter Handlungselemente und gerade aktueller Reizthemen übergeworfen wird. In unserem Fall haben wir einerseits die uralte Story vom zufällig geweckten Wüstenteufel (siehe „Der Exorzist“), die andererseits mit den Verschwörungstheorien eines Dan Brown gekreuzt wurde. Ohne Hemmungen wird die ‚Anwesenheit‘ der USA im Nahen Osten genutzt. Im 21. Jahrhundert wirkt die versprengte und von jeder Hilfe isolierte Gruppe – unverzichtbares Element in jedem zweiten Drehbuch der Filmgeschichte – zeitlos. Dass sich dahinter ausschließlich klassische (oder verbrauchte) Strukturen erkennen lassen, stört zunächst nur den älteren bzw. damit vertrauten Zuschauer.

Nachdem unsere Geschichte auf kargem Wüstenboden ihren Anfang nahm, geht sie unter die Erde bzw. in einen Bunker, der höchstens als digitaler 3-D-Plan eindrucksvoll wirkt. Tatsächlich sehen wir nur düstere Kammern oder enge, mit Kisten, Fässern und anderem Gerümpel vollgestellte Gänge, die sich unvermittelt zu mehrstöckigen Hallen voller Maschinen weiten, mit denen sich eine Kleinstadt versorgen ließe. Solche seltsamen Anlagen wird man in der Realität mit gutem Grund nicht finden; sie sind nur sinnvoll, wenn es darum geht, eine Darstellergruppe in hinterlistige Fallen zu locken und auf diese Weise auszudünnen.

Blut ist gut, Action noch besser

Da sich die Story vom geheimen Menschenkrieg gegen Gottes gefallene Engel nicht einmal logisch trinken lässt und die dramaturgisch eingeschnittenen Sündenqualen diverser Figuren höchstens den Tatbestand der Publikumsverdummung erfüllen, vergisst man beides besser und konzentriert sich auf den mit viel Geschrei und noch mehr Ballereien begleiteten Vorstoß von Mack & Co. in die Eingeweide des teuflischen Bunkers.

„Alien“ und Agatha Christie („Zehn kleine Negerlein“) lassen grüßen, wenn sich die Schergen des Nephilims nach und nach unsere Helden greifen. Jeder stirbt anders; der gemeinsame Faktor ist die Scheußlichkeit des Endes. Blut und Eingeweide werden verspritzt, und es ist schön, dass Regisseur Connery – ja, es ist Seans Sohn, der sich hinter der Kamera ein zweites Standbein in der Filmindustrie schaffen möchte – begriffen hat, dass er seine Zuschauer wenigstens in dieser Hinsicht nicht enttäuschen darf. Zum Blut kommen Schleim, Eiter und Speichel, und auch hieran wird keineswegs gespart. (Was auf die CGI-Effekte leider nicht zutrifft.)

Da verzeiht man dem Drehbuchautor Keith Kjornes beinahe die Penetranz, mit der er darauf besteht, dass tausendfach bewährte Söldnerprofis sich plötzlich wie Idioten benehmen und ständig ihre Posten verlassen, um mysteriösen Geräuschen hinterherzulaufen. In unguter Erinnerung bleiben jedoch das schwächliche Finale, die lieblose Auflösung der Story sowie eine letzte Szene, die „The Devil’s Tomb“ wie den Pilotfilm zu einer geplanten TV-Serie wirken lassen, deren Zustandekommen in der Tat den Beweis für teuflische Präsenz böte!

Der Pakt mit dem (launischen) Teufel

Schauspieler für einen Film wie diesem anzuheuern, um sie in Söldner-Rollen zu pressen, könnte man als kritischen Kommentar betrachten. Bloß: Wer könnte im Zusammenhang mit „The Devil’s Tomb“ in den Verdacht solcher Feinsinnigkeit geraten? Der Zusammenhang ist also keine Absicht und wird höchstens von diesem gar schlauen Rezensenten bemerkt (oder konstruiert.)

Dem zynischen Betrachter bleibt das Vergnügen, die Darstellerriegen von B-Movies auf bekannte Namen zu sichten. Dass Cuba Gooding Jr., in dessen Arbeitsliste sich Filme wie “Jerry Maguire – Spiel des Lebens” (1996), „Instinkt“ (1999) oder „Sie nennen ihn Radio“ (2003) finden und der einen „Oscar“ gewann (für „Jerry Maguire“), 2009 als Hollywood-Action-Söldner Mack in „The Devil’s Tomb“ auftritt, sagt durchaus etwas über den aktuellen Status seiner Karriere aus. Dem Zuschauer, der Wert darauf legen sollte, erwartet ein Rollenspiel, das zwar reine, in einschlägigen Klischees erstickte Routine, aber nicht das erwartete Knattermimen ist, mit dem B-Movie-Helden ansonsten gern aufwarten.

Das holen Goodings Kollegen nach. Auch sie haben in ihrer Mehrheit in respektablen Kino- und TV-Produktionen gearbeitet, finden aber hier keinen Ausweg aus dem Prokrustes-Bett, in das sie Kjornes und Connery zwingen. Also ergeben sie sich in ihre Schicksale und geben den buchstäblich hammerharten Quoten-Hispano (nur echt mit Kopftuch!), den dummen aber fröhlichen Kumpel oder den (zudem schwarzen) Computer-Nerd.

Für die zunächst im Kampfanzug steckenden Darstellerinnen findet sich zuverlässig ein Bunker-Plätzchen, um diesen abzulegen und ein wenig Haut zu zeigen. Den obligatorischen B-Movie-Busen serviert dieses Mal Ex-Model Holly Weber, die auf diese Weise schon zahlreichen Filmdurchschnitt veredelte; sie hat sich an den strategischen Stellen so ausgiebig mit Silikon stopfen lassen, dass sie in einem Horrorfilm wie „The Devil’s Tomb“ perfekt besetzt wirkt.

Auch Ron Perlman, der ‚Gaststar‘, verdient sich seine Gage – viel kann es nicht gewesen sein – im Halbschlaf. Wir sehen ihn anfangs in einer Videoaufzeichnung wirres Zeug reden und im Finale – ebenfalls Unfug verbreitend – vom Teufel besessen. Ausgerechnet ihn, der durch seine einprägsame Physiognomie bekannt ist, für die Winz-Rolle des Dr. Wesley zu engagieren, ergibt keinen Sinn und ist als reines Namedropping zu werten. Auf dem Cover wird Perlmans Teilnahme denn auch prominent herausgestellt.

Blieb noch ein Aspekt ohne Berücksichtigung? Ach ja: Über die Musik von Bill Brown lässt sich lobend erwähnen, dass sich der Zuschauer schon während des Films an keine einzige Note erinnern kann. So etwas wünscht man sich öfter!

DVD-Features

In ihrem Audiokommentar tauschen Regisseur Connery und Hauptdarsteller Gooding Anekdoten von den Dreharbeiten aus. Dies lässt sich den Kommentaren derer entnehmen, die hineingehört haben, wozu dieser Rezensent, der schon den Hauptfilm bis zum Ende durchgehalten hatte, ehrlich gesagt keine Lust mehr verspürte.

Das Anschauen sind diverse Outtakes und alternativen Szene bis auf eine Ausnahme definitiv nicht wert: Stellte man sich bisher die Frage, wieso Mack während eines früheren Einsatzes seinen Vorgesetzten erschoss, wird durch die erweiterte Szene deutlich, dass Mack so handelte, um einen mörderischen Fehler zu vertuschen. Diese schmutzige Falte im Charakter der Hauptfigur macht ihn interessant aber nicht heldenhaft, weshalb sie geändert und verharmlost wurde.

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Blob - Schrecken ohne Namen

Erstellt von Michael Drewniok am 28. Januar 2010

blob-1958Blob – Schrecken ohne Namen

Originaltitel: The Blob (USA 1958)
Regie: Irvin S. Yeaworth Jr.
Drehbuch: Theodore Simonson u. Kay Linaker
Kamera: Thomas Spalding
Schnitt: Alfred Hillmann
Musik: Ralph Carmichael
Darsteller: Steve McQueen (Steve Andrews), Aneta Corsaut (Jane Martin), Earl Rowe (Lieutenant Dave), John Benson (Sergeant Jim Bert), George Karas (Officer Ritchie), Olin Howland (alter Mann), Stephen Chase (Dr. T. Hallen), Lee Payton (Schwester Kate), Elbert Smith (Henry Martin), Hugh Graham (Mr. Andrews), Audrey Metcalf (Elizabeth Martin), Elinor Hammer (Mrs. Porter) u. a.
Label/Vertrieb: e-m-s
Erscheinungsdatum: 27.10.2005 (Kauf-DVD)
EAN: 4020974158336 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,66 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 mono (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min.
FSK: 12

Das geschieht:

Irgendwo über dem US-Staat Pennsylvania geht im Sommer des Jahres 1957 ein Meteorit nieder. Ein alter Einsiedler findet an der Absturzstelle einen seltsamen Gallertklumpen, der sich plötzlich an seiner Hand festsaugt. Voller Panik sucht der Alte Hilfe und läuft auf der Landstraße beinahe dem jungen Steve Andrews vor den Wagen, der sich mit seiner Freundin Jane einen schönen Abend im Grünen machen wollte. Sie bringen ihn zu Dr. Hallen, der ratlos mit ansehen muss, wie sein Patient von dem Amöbenwesen absorbiert wird, bevor es ihn und eine Krankenschwester frisst.

Steve und Jane alarmieren die Polizei. Während die Kreatur heimlich durch den Ort schleicht, brave Bürger vertilgt und dadurch immer größer wird, stoßen sie nicht nur auf dem Revier, sondern auch bei den Eltern mit ihrem Bericht über ein “Monster aus dem Weltall” auf Skepsis. Als der gigantisch angeschwollene “Blob” ein Kino überfällt, ist es zu spät für Gegenmaßnahmen: Das Wesen ist schussfest, resistent gegen Säure und auch durch Starkstrom nicht umzubringen. Wieder ist es Steve, der seine Achillesferse entdeckt: Der Blob verträgt keine Kälte. Allerdings ist es schwierig, dies der Polizei mitzuteilen, weil Steve mit Jane und einigen weiteren Pechvögeln in einem kleinen Restaurant festsitzen, das der Blob buchstäblich in sich aufgenommen hat, um sich in Ruhe den leckeren Flüchtlingen im Keller widmen zu können …

“BEWARE OF THE BLOB, IT CREEPS …” : Der Blob und die Russen

Spätestens nachdem ab 1949 auch des Satans irdische Schergen – die Kommunisten aus der Sowjetunion – über die Atombombe verfügten, wuchs unter den Bravbürgern der USA die Angst, dass diese eines gar nicht fernen Tages über ihren Häuptern detonieren würde, bevor die eigenen Nuklearwaffen den dreisten Angreifer ausradieren könnten; nicht ganz so patriotisch veranlagte aber immerhin besorgte Zeitgenossen sahen sogar die gesamte Welt in einem III. Atom-Weltkrieg untergehen.

Die Furcht wurde nicht nur von der Politik oder den Medien, sondern auch von der (unterhaltenden) Kunst aufgegriffen. “Watch the Skies!”, lautete eine Parole der 1950er Jahre, denn von dort würden sie kommen, die “Roten” aus Russland. Im Kino taten sie das allerdings maskiert, denn damals wie heute hasst der Filmzuschauer es, am Feierabend mit Fakten belästigt zu werden. Also sahen die Sowjets wie Außerirdische aus, die sich durch die Hintertür in die USA einschlichen, um dort ihr böses Invasoren-Werk zu verrichten. Das war unheimlich und unterhaltsam zugleich und sorgte für jenes Geräusch, das Hollywood über alles liebt: das Klingeln der Kassen.

1958 konnte der Feind aus dem Osten deshalb problemlos wie der “Blob” sein: eine kollektiv gesteuerte Masse ohne individuelle Merkmale, die schleichend und mit dem Willen zur Zerstörung über ihre Opfer herfiel, sie nicht nur fraß, sondern absorbierte, d. h. sie sich einverleibte und für die eigene böse Sache versklavte. (Rot war sie übrigens auch noch.)

“… AND LEAPS AND GLIDES AND SLIDES …”: Kleine Stadt muss sich bewähren

Wie würden sich die Bewohner des kleinen, namenlosen Städtchens schlagen, das überall in den USA stehen konnte? Würden sie schlafen, die falschen Entscheidungen treffen, gar schreiend flüchten? Oder sich zusammentun, um dem Gegner entschlossen die Stirn zu bieten und ihn niederzukämpfen? Im kommerziell ausgerichteten B-Kino war dies eine rhetorische Frage: US-Bürger lassen sich vielleicht kurzfristig täuschen, weil sie nicht mit der Hinterlist eines hinterrücks angreifenden Feindes rechnen, aber dann besinnen sie ihrer gemeinschaftlichen Kraft und geben es dem Schurken doppelt heraus!

Dabei ist diese kleine Stadt kein friedlicher Ort. Bereits ohne den Blob geht es in ihren Straßen hoch her. Der Konflikt zwischen den Generationen entwickelte sich in den 1950er Jahren zu einem gravierenden Problem. Auf der einen Seite standen die “Eltern”, die in den Jahren der Weltwirtschaftskrise und des II. Weltkriegs aufgewachsen waren und Gehorsam, Disziplin und Konformität forderten. Dem widersprachen die nach dem Krieg geborenen Teenager, die den Mangel nicht kannten, ihre in den Jahren des wirtschaftlichen Nachkriegsbooms entstandenen Freiräume testeten und sie für zu klein befanden.

“Rebels without a Cause” nannte man sie, “… denn sie wissen nicht, was sie tun”, unterstellte man ihnen. Mit James Dean in der Hauptrolle brachte es Regisseur Nicholas Ray 1955 allgemeinverständlich auf den Punkt. Eine Welle thematisch ähnlich gelagerter Filme folgte. Die meisten nutzten das Aufbegehren der “Halbstarken” nur als Vorwand für reißerische Action. Regisseur Yeaworth beschäftigt sich ernsthafter mit dem Konflikt. Steve und Jane scheinen an den Eltern, den Polizisten und anderen Respektspersonen vorbeizureden, sich gar in einer fremden Sprache zu artikulieren. Hinzu kommt das ständige Misstrauen der Älteren, die sich unsicher, herausgefordert und nicht respektiert fühlen. Ein Monster geht um, aber im Streit zwischen Alt und Jung geht diese Bedrohung lange unter.

“…ACROSS THE FLOOR / RIGHT THROUGH THE DOOR …”: Kinder – wild aber gut

Irvin S. Yeaworth (1926-2004), der Regisseur von “Blob”, war ein fundamentalchristlich geprägter Mann, der zahllose Kurzfilme und Features für kirchliche Radio- und TV-Sender realisierte. Ihm war es ernst mit seiner Darstellung des Generationskonfliktes. Die ernsthafte und gleichzeitig naive Herangehensweise an das Thema fordert den Spott des heutigen Publikums heraus, das mehr als fünf Jahrzehnte später freilich aus der Perspektive dessen urteilen kann, der mit der Gnade der späten Geburt gesegnet wurde.

Yeaworth überzeugt nicht, er manipuliert, denn er meint, die Lösung zu kennen. Er personifiziert sie in der Figur des Lieutenant Dave, der zwischen den Generationen vermittelt und verdeutlicht, dass Steve, Jane und ihre Altersgenossen vielleicht ein wenig ungestüm aber vertrauenswürdig sind. Diesem Integrationsprozess widmet sich Yeaworth, unterstützt vom Autorenteam Theodore Simonson u. Kay Linaker, so intensiv, dass der Blob aus dem Geschehen verschwindet. Dennoch wird noch heute deutlich, wie provokativ einige Szenen einst gewirkt haben müssen. Wenn zum Beispiel Mr. Andrews, ein Lehrer, seinen Schlüssel zur Schultür, hinter der dringend benötigte Feuerlöscher lagern, vergisst und sich einen Stein greift, inszeniert Yeaworth, wie Andrews, dem der Blob im Nacken sitzt, sichtlich zögert, den für ihn unerhörten Bruch mit den Regeln zu vollziehen und eine Glasscheibe einzuschlagen. Als er es endlich tut, bestaunen ihn seine Schüler ehrfürchtig: Der Kontakt zwischen den Generationen ist möglich, auch wenn es einer Notlage bedarf, um eine Brücke zu schlagen!

“… AND ALL AROUND THE WALL …”: Darf nichts kosten, soll viel einbringen

Kommen wir nach dem, was den “Blob” indirekt interessant macht, endlich zu dem, was dieser Film eigentlich ist und sein sollte: kostengünstig produzierte Unterhaltung mit einem möglichst hohen Einspielergebnis! Aus kommerzieller Sicht ging die Planung voll auf: Bei einem Budget von um die 150.000 Dollar spielte “Blob” an den Kinokassen 4 Mio. Dollar ein. Weil die Produzenten außerdem das Glück hatten, zufällig einen zukünftigen Filmstar (Steve McQueen) zu engagieren, blieb “Blob” der kollektiven Erinnerung erhalten und wurde allmählich mit dem Goldschmelz des Klassikers überzogen. Der hält einer kritischen Ritzprobe allerdings kaum stand: “Blob” bringt den Zuschauern von heute weder unter Berücksichtigung zeitgenössischer Beurteilungsfaktoren noch als kurioser Trash von Gestern allzu große Freude.

Wenig mehr als 80 Minuten beträgt die Laufzeit, die gefühlt wesentlich länger wirkt. Das liegt nicht nur an der Abwesenheit des Blobs, sondern auch an einem hastig aus Versatzstücken geschustertem Drehbuch und einer ungeschickten Regie, die ganz einfache Dinge unnötig verkompliziert, um Spannung dort zu schüren, wo sie sonst nicht entstehen würde. Immer wieder nimmt Yeaworth das Tempo aus der Handlung und lässt seine Darsteller reden, reden, reden, bis die Hand des Zuschauers die Vorspultaste sucht. “Blob” fehlt ein echter Spannungsbogen. Das Geschehen zerfasert in Episoden, und selbst in den gelungenen Sequenzen spotten logikfreie Wendungen jeglicher Beschreibung. (Was ist beispielsweise von der Intelligenz eines Doktors zu halten, der deutlich sieht, wie sich im Nebenzimmer die Decke über seinem von einem mysteriösen Gallertwesen befallenen Patienten hebt und senkt, aber nicht an den Behandlungstisch stürzt, sondern seelenruhig eine Krankenschwester anruft, die ihm bei einer Arm-Amputation helfen soll?)

Während der Zuschauer den Anblick des lausig animierten Blobs (dazu gleich mehr) in einem über fünfzig Jahre alten Film akzeptiert und verzeiht, tötet die Penetranz, mit der junge aber völlig ausgewachsene Männer und Frauen dem Publikum als “Kinder” verkauft werden, jegliche Glaubwürdigkeit. Wer ‘junge’ Hauptrollen besetzt, sollte dafür mindestens jugendlich wirkende Darsteller engagieren. Die “Blob”-Kinder sind sämtlich weit über 20, und das sieht man ihnen so deutlich an, dass ihr Verhalten durchweg lächerlich wirkt. (Steve McQueen war während der Dreharbeiten 27 und seit zwei Jahren verheiratet; das wird im Film übrigens dokumentiert, weil McQueen sich entweder weigerte, vor der Kamera seinen Ehering abzulegen, oder niemand hinter der Kamera bemerkte, dass er ihn trug – auch nicht Aneta Corsaut als ‘jungfräuliche’ Jane von 24 Jahren …)

“… A SPLOTCH, A BLOTCH …”: Das Monster aus der Tube

Der Blob erweist sich als Kind der modernen Industriechemie. Zwar soll er angeblich vom Himmel gefallen sein, aber seine tatsächliche Herkunft ist irdisch: Entweder wurde er (oder es) im Film von einem blobbig maskierten Plastikballon gedoubelt, der mehr schlecht als recht in ‘bedrohlich’ wirkende Bewegungen versetzt wurde und sich höchstens schleppend von der Stelle bewegen konnte, oder rot gefärbtes Silikon gab ihm seine gallertige Konsistenz. Diese haltbare Masse wabert wie Wackelpudding und lässt sich durch kleine Öffnungen wie Türritzen oder Belüftungsgitter pressen, was (1958 zuverlässig und heute mit etwas gutem Zuschauer-Willen) wirkt, als ob der Blob seinen Opfern entgegen quillt.

Wenn er im Finale erst durch ein Kino tobt und anschließend ein ganzes Restaurant unter sich begräbt, dann wurde das eine als Miniatur nachgebaut und das andere einfach als Foto eingeblendet, über das der Silikon-Blob geschüttet wurde. Nicht einmal betrunken lässt sich diese Offensichtlichkeit ignorieren. (Dass etwas nicht stimmt, merkt man auch daran, dass viele der ‘panisch’ vor dem Blob flüchtenden Statisten – sie wurden unter der Bevölkerung des Städtchens Phoenixville in Pennsylvania rekrutiert, in dem die Außenaufnahmen entstanden – von einem Ohr zum anderen grinsen und einen Heidenspaß haben; die Szenen wurden nicht neu gedreht, sondern einfach im Film belassen.)

Die Tricktechnik war halt noch nicht sehr weit, und “Blob” entstand nicht in einem der großen Hollywood-Studios, sondern als unabhängige Produktion. Immerhin reichte das Budget, um einen skurrilen Zeichentrick-Vorspann zu finanzieren, dem ein urkomischer aber sehr stilvoller Rocksong mit dem Titel “Beware of the Blob” (Co-Komponist: Burt Bacharach!) unterlegt wurde. (Was aus dem Silikon-Blob wurde, der den Drehschluss glänzend überstand, lässt sich unter dem Titel “The Man Who Owns the Blob” hier nachlesen.

“… BE CAREFUL OF THE BLOB!”: Der Schatten des Blobs

Nach dem erstaunlichen Einspielergebnis hätte ein Hollywood-Studio umgehend eine (noch billiger produzierte) Fortsetzung nachgeschoben. Das unterblieb jedoch. Bis 1972 ruhte der Weltraum-Pudding gut gekühlt in der Arktis, in die ihn die Army (die es zu ihrem Leidwesen nicht hatte zerstören können) 1957 verfrachtet hatte. Dann befreite ihn ausgerechnet Larry Hagman, der “J. R.” aus der TV-Seifenoper “Dallas”, in seiner einzigen Regiearbeit “Beware! The Blob” und ließ ihn komödienhaft und trashig durch Los Angeles toben.

1988 gelang Chuck Russell ein “The Blob” betiteltes Remake des Originals, das dieses inhaltlich wie formal weit übertraf. Ein blutjunger Kevin Dillon und eine noch jüngere Shawnee Smith (”Saw” I – ∞) in den Hauptrollen gaben wesentlich überzeugendere Teenager ab als McQueen & Corsaut, und die soliden Tricks sowie ein ruppiger, oft schwarzer Humor haben diesen Film zu Recht zu einem Genre-Klassiker geadelt. (Wie sich die Zeitläufte geändert haben, belegt die Tatsache, dass der Blob 1988 einem außer Kontrolle geratenen Militär-Experiment der US-Regierung entsprang.)

“So lange die Arktis gefroren bleibt, sind wir außer Gefahr”, lautet der letzte Satz, den wir im “Blob” von 1958 hörten. Im Zeitalter der globalen Klimaerwärmung klingt diese Äußerung unheilvoll, und in der Tat rührt sich der Blob schon wieder, um 2011 und dieses Mal unter der Regie von Rob Zombie grimmiger denn je über diese Welt zu kommen …

DVD-Features

2005 erschien eine deutsche DVD-Ausgabe von “Der Blob”, der dieser alte, immerhin in Farbe und Breitwandformat entstandene Film adäquat aufgespielt wurde. Wie es einem Klassiker – auch einem fragwürdigen – gebührt, ergänzten ihn diverse interessante Features. So findet man auf dieser Scheibe (englischsprachige) Audiokommentare von Jack H. Harris (Produzent), Bruce Eder (Filmhistoriker), Irvin S. Yeaworth Jr. (Regie) und Robert Fields (Nebendarsteller des ‘Teenagers’ Tony Gressette).

Darüber hinaus kann man sich des originalen Kinotrailers erfreuen, der “Blob” als Quelle für durch Furcht bedingte Herz- und Hirnschläge hinstellte und dadurch erst recht lockte, die alte deutsche Titelsequenz sehen – auch Vorspänne wurden einst übersetzt – und sich über Steve McQueens Leben und Filmkarriere informieren. Ein hübsches Booklet mit Bildern, Zeichnungen und Plakatmotiven rundet die Extras ab.

(Die den Kapitelüberschriften vorangestellten Zitate stammen aus dem weiter oben erwähnten Titelsong “Beware of the Blob”; Text: Burt Bacharach & Hal David.)

P. S.: Wenn unser Ungeheuer “Blob” heißt, wie kann es dann ein “Schrecken ohne Namen” sein?

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House - Die Schuldigen werden bestraft

Erstellt von Michael Drewniok am 21. Januar 2010

houseHouse - Die Schuldigen werden bestraft

Originaltitel: House (USA 2008)
Regie: Robby Henson
Drehbuch: Rob Green u. Frank Peretti
Kamera: Marcin Koszalka
Schnitt: Andrea Bottigliero
Musik: David E. Russo
Darsteller: Reynaldo Rosales (Jack Singleton), Heidi Dippold (Stephanie Singleton), Julie Ann Emery (Leslie Taylor), J. P. Davis (Randy Messsarue), Leslie Easterbrook (Betty), Bill Moseley (Stewart), Lew Temple (Pete), Michael Madsen (Tin Man/Polizist), Alana Bale (Susan), Mark Fierer (Randys Vater), Florentyna Synowiecka (Melissa), Andrew Gorzen (Leslies Onkel) u. a.
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 04.12.2009 (Leih-DVD) bzw. 08.01.2010 (Kauf-DVD u. -Blu-ray)
EAN: 4041658500753 (Leih- u. Kauf-DVD) bzw. 4041658590754 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 96 min. (Blu-ray: 99 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Nach dem tragischen Unfalltod ihrer Tochter Melissa und trotz zahlreicher Therapiestunden haben sich Jack und Stephanie Singleton nichts mehr zu sagen. Stattdessen streiten sie, und das tun sie auch, während sie irgendwo im US-Staat Alabama durch einen einsamen Wald fahren. Es kommt, wie es in einem Film dieser minderen Güteklasse kommen muss: Jack rast mit dem Wagen in einen Graben. Das Handy bleibt ohne Empfang, sodass unsere beiden Pechvögel froh sind, im abgelegenen und ungastlich wirkenden “Wayside Inn” unterschlüpfen zu können. Dort treffen sie Leslie und Randy, die ebenfalls Pech mit dem Wagen hatten.

Hotelchefin Betty ist keine Frau, die den Besuchern ein Gefühl des Willkommenseins vermittelt. Noch übler wirken Stewart, der ungehobelte Hausmeister, und Pete, Bettys beschränkter Sohn, der sich umgehend an Leslie heranmacht. Schon will Stephanie angewidert das Haus verlassen, da taucht vor der Tür ein maskierter und mit einer Schrotflinte bewaffneter Mann auf: Der “Tin Man”, ein mörderischer Psychopath, will die ‘Gäste’ des “Wayside Inn” für ihre ‘Sünden’ bestrafen: Wenn sie nicht bis zum Morgengrauen einen aus ihrer Runde ausgewählt und umgebracht haben, will er sie alle töten.

Voller Angst ergreift das Quartett die Flucht. Der Keller des Gasthauses ist ein Labyrinth, in dem es umgeht: Visionen vergangener Vergehen suchen die Flüchtigen heim. Sie haben in der Tat alle etwas zu verbergen, das sie nunmehr noch einmal durchleben müssen. Jack stößt dabei auf Susan, die sich gegen den “Tin Man” stellt. Nach und nach erkennen die Gestrandeten, dass sie in einem Zwischenreich gefangen sind und um ihre Seelen kämpfen müssen. Susan ruft zum Kampf gegen den “Tin Man” auf, doch sie überschätzt das Gemeinschaftsgefühl der Leidensgenossen. Bis der Morgen tatsächlich graut, werden Verrat und Feigheit ihre Opfer fordern …

Der Teufel sieht alles & verzeiht nichts

Da es auf dieser Welt nichts gibt, das es nicht gibt, dürfte die Existenz eines  phantastischen Subgenres, das sich “spiritual thriller” oder “religious fiction” nennt, kaum überraschen. Wie alle Religionen basiert auch der Erfolg des Christentums auf ständiger Kontrolle und der Rekapitulation fundamentaler Verhaltensregeln. Zum Kummer derer, die sich berufen fühlen, dies zu beaufsichtigen, genügt es längst nicht mehr, den Schäfchen zu predigen und ihnen dabei jene Werte zu vermitteln, die “christlich” genannt werden. Auch der Glaube muss heute unterhaltsam verpackt werden. Dass dies funktioniert, ist keine neue Entdeckung. Seit jeher haben vor allem liberaler denkende Zeitgenossen die Möglichkeiten genutzt, die ihnen der technische Fortschritt öffnete. Deshalb gibt es heute christliche Comics, christlichen Heavy-Metal-Rock und eben christliche Phantastik.

“House”, der Film, entstand nach einem gleichnamigen Roman, den Ted Dekker und Frank E. Peretti 2006 veröffentlichten. Vor allem Dekker hat sich auf “christliche Fantasy” spezialisiert. Seine zahlreichen Beiträge zu diesem Genre bilden mehrere Zyklen. Obwohl er seine Romane als Unterhaltung bezeichnet, bezieht Dekker eindeutig Stellung. Die Welt ist für ihn nicht nur Daseinsort, sondern auch Schauplatz eines ewigen Kampfes zwischen Gut und Böse. Jederzeit kann der Mensch in eines dieser Gefechte gezogen werden. Dann gilt es Farbe zu bekennen, buchstäblich Seelenstärke sowie Bußfertigkeit zu beweisen und die Krise mit Gottvertrauen, Liebe und notfalls dem Willen zur Selbstaufgabe zum Wohle des Mitmenschen zu meistern.

Langeweile ist der Manipulation nicht hilfreich

Dekkers Werke werden in geistig entsprechend gepolten Kreisen viel gelesen. Dieser Erfolg soll nach Möglichkeit umgemünzt werden. Dazu bietet der Film ein geeignetes Medium. Schon 2006 drehte Robby Hensen ebenfalls nach einer Romanvorlage von Dekker den Film “Thr3e” (dt. “Thr3e - Gleich bist du tot”), der inhaltlich große Ähnlichkeiten mit “House” aufweist: Die Sünden der Vergangenheit leben weiter, und irgendwann muss sich der Verursacher ihnen stellen. Dann ist es ratsam zu wissen, wie man diese Herausforderung meistern kann.

Wer nicht ‘nur’ unterhalten, sondern auch belehren will, schwebt stets in Gefahr, im Eifer des Gefechts bzw. im Dienst der guten Sache erst ins Dozieren und dann ins Predigen zu geraten. Vor allem der nicht regelmäßige Kirchgänger stellt indes ein scheues Wild dar, und den erhobenen Zeigefinger verabscheut auch der Filmfreund mindestens ebenso heftig wie Schleichwerbung. Deshalb gilt es behutsam vorzugehen.

“House” ist allerdings ein krudes Durcheinander, in dem jeder Versuch einer möglichen Manipulation hoffnungslos untergeht. Es bleibt nur ein laues Filmchen mit einem Plot, der - das dürfte Henson und Drehbuchautor Peretti besonders schmerzen - zuvor von deutlich weniger christlich gesonnenen Filmemachern wesentlich besser weil effektvoller realisiert wurde.

Das Auge ist ein unbarmherziges Organ

Ihren Weg per Film zu einer besseren Welt mussten Henson und Peretti offenkundig ohne finanzielle Unterstützung durch fromme Gesinnungsgenossen einschlagen. “House” ist eine Low-Budget-Produktion, die (wie schon “Thr3e”) in Polen (der Heimat von Papst Johannes Paul II.) entstand, wo aus dem Dollar mehr Film als in Hollywood gepresst werden kann.

Groß kann das finanzielle Polster trotzdem nicht gewesen sein, denn “House” erreicht nicht einmal B-Movie-Niveau. Sicherer Maßstab ist in der heutigen Filmwelt das Niveau der CGI-Tricks. Sie gelten als Allzweckwaffe im Versuch, das Übernatürliche realistisch zu bebildern. In der Tat können längst digitale Welten erschaffen werden, die absolut ‘natürlich’ wirken. Freilich sind zwei Faktoren unverändert geblieben: Gute Tricks kosten Geld. Das menschliche Auge ist inzwischen an digitale Spezialeffekte gewöhnt und kann sie sehr gut als solche erkennen. Der daraus resultierende Verdruss ist dem Filmgenuss wenig zuträglich.

Ausgerechnet die finanziell weniger bestückten Produktionen greifen gern auf CGI-Effekte zurück; “House” bildet da keine Ausnahme. Die Strafe folgt umgehend: Wo bereits die ‘klassischen’ Tricks (Gruselmasken, künstliche Körperteile, Blutbeutel) nicht gerade überzeugend gelingen, lassen die per PC geschaffenen Illusionen erst recht zu wünschen übrig.

Wer mimt mit - oder muss mitmachen?

Zwar lassen sich heutzutage auch Filmstars zum Dreh ins (osteuropäische) Ausland locken, aber weiterhin tummeln sich dort vor allem Darsteller, die diesen Aufenthalt mit der Rollenzusage in Kauf nehmen mussten. Kostengünstige Produktionen wie “House” binden TV-”Gaststars”, Soap-Opera-Mimen oder andere No-Names, die es gewohnt sind, für wenig Geld und unter harten Drehbedingungen - hier primär das Waten durch Schlamm und Schmutzwasser - ihre Szenen schnell hinter sich zu bringen. Wie unsere Darsteller deutlich unter Beweis stellen, gilt Talent dagegen als sekundäres Gut. (Dies lässt sich übrigens auch auf die Synchronsprecher übertragen, die ölig-nölig, jede Betonung verfehlend oder falsch setzend letzte Reste von Spannung und Stimmung abtöten.) Wenn es lohnt, jemandem bei seinem Job zu beobachten, dann ist es Michael Madsen, der pro Jahr in durchschnittlich zehn Filmen spielt und deshalb durch Kritikerschelte ohnehin schwer zu erreichen ist.

Das Drohen & Wüten, das Bereuen & Weinen, das Flüchten & Scheitern verfolgt der Zuschauer völlig unbeteiligt. Die einfallslose Regie bringt keine Bewegung ins müde Spiel. Worauf die Geschichte hinausläuft, ist viel zu schnell klar. Überraschungen gibt es nicht. Falls Henson glaubt, er könne sie durch Tragik und den schockierenden Prozess allmählicher Erkenntnis ersetzen, liegt er falsch. Das ‘Große Finale’ erweist sich als plumper, im Zeitraffer gestalteter Showdown zwischen Gut & Böse, dem die minderwertigen CGI-Effekte zusätzlich schlecht bekommen. Natürlich bleibt für jene Figuren, die gerade noch rechtzeitig ihr Heil in Liebe und Gewaltverzicht gesucht haben, die Belohnung nicht aus. Weil dies ein christliches Mystery-Drama ist, darf zusätzlich nicht der Hinweis fehlen, dass das Böse nur kurzfristig besiegt werden kann und weiterhin lauert. Diese Lehre sollte man verinnerlicht haben, wenn man beim nächsten Besuch in der Videothek die Neuerscheinungen mustert.

DVD-Features

Dem deutschen Label muss bereits geschwant haben, dass “House” sich nicht an die Spitzen der DVD- oder Blu-ray-Charts setzen wird. Auf Zusatzmaterial wurde deshalb verzichtet.

[md]

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Das Buch zum Film: Darren Shan: Mitternachtszirkus - “Willkommen in der Welt der Vampire”

Erstellt von Detlef Hedderich am 11. Januar 2010

Shan, Darren
Mitternachtszirkus - Willkommen in der Welt der Vampire

Das Buch zum Film
Übersetzt von Orgaß, Katharina / Jung, Gerald
Verlag :      Droemer Knaur
ISBN :      978-3-426-28334-9
Einband :      gebunden
Preisinfo :      9,95 Eur[D] / 10,30 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Seiten/Umfang :      544 S. - 19,0 x 12,5 cm
Erschienen :      01.12.2009
9,95 Eur[D]

Ich ließ den Blick noch einmal an dem gruseligen Gebäude hinaufwandern und schluckte. Es sah genauso aus wie die Häuser in den Horrorfilmen. Wir blickten uns an und wussten beide, dass wir schreckliche Angst hatten, aber wenigstens waren wir zusammen. Gehen wir rein?, fragte Steve. Darren ist ein ganz normaler Teenager, bis zu dem Tag, als ein geheimnisvoller Mitternachtszirkus in die Stadt kommt. Seine nächtliche Vorstellung hat ungeahnte Folgen, denn Darren muss ein großes Opfer bringen – und zum Halbvampir werden! An der Seite seines neuen Lehrmeisters Mr. Crepsley entdeckt Darren eine dunkle, unheimliche, faszinierende Welt, findet neue Freunde und muss sich ungeahnten Abenteuern stellen … Dieses Buch enthält die ersten drei Abenteuer von Darren Shans dunkler Vampirsaga: DER MITTERNACHTSZIRKUSDIE FREUNDE DER NACHTDIE DUNKLE STADT.

Titel bei buch24.de
Titel bei Amazon.de

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Open Graves - Der Einsatz ist dein Leben

Erstellt von Michael Drewniok am 7. Januar 2010

open-gravesOpen Graves - Der Einsatz ist dein Leben

Originaltitel: Open Graves (USA/Spanien 2009)
Regie: Álvaro de Armiñán
Drehbuch: Bruce A. Taylor u. Roderick Taylor
Kamera: Iosu Intxaustegui
Schnitt: Mercedes Cantero
Musik: Fernando Ortí Salvador
Darsteller: Eliza Dushku (Erica), Mike Vogel (Jason), Jose Casasús (Novio),
Boris Martinez (Pablo), Ander Pardo (Miguel), Iman Nazemzadeh (Tomàs), Naike Rivelli (Elena), Lindsay Caroline Robba (Lisa), Gary Piquer (Detective Izar), Alex O’Dogherty (Malek) u. a.
Label/Vertrieb: Kinowelt Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 08.12.2009 (Leih-DVD) bzw. 21.01.2010 (Kauf-DVD u. -Blu-ray)
EAN: 4006680047676 (Leih- u. Kauf-DVD) bzw. 4006680047799 (Leih- u. Kauf-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 85 min. (Blu-ray: 88 min.)
FSK: 18

Das geschieht:

Mamba Mosamba war eine böse Hexe, die Ende des 15. Jahrhunderts der Spanischen Inquisition zum Opfer fiel. Ihr Erbe ist ein Brettspiel, das aus ihren Knochen und ihrer Haut gefertigt wurde: Wer es spielt und gewinnt, dem wird ein Wunsch erfüllt. Die übrigen Pechvögel, denen das Schicksal eine der Unglückskarten des Spiels zuweist, erleiden allerdings den dort mit blumigen Worten umschriebenen, stets äußerst grässlichen Tod.

Der jeweils letzte Gewinner einer Runde muss das Mamba-Spiel weitergeben, damit sich besagter Wunsch erfüllt. Malek, den ein Unfall beide Beine gekostet hat, wählt skrupellos den US-amerikanischen Studenten Jason aus, der sich ahnungslos in seinen Kramladen irgendwo an der nordspanischen Küste verirrt. Begeistert über das vermeintliche Schnäppchen, lädt Jason am Abend fünf Freunde sowie seine neue Freundin Erica ein, mit ihm Mamba zu spielen. Das Unheil lässt nicht auf sich warten: Spät der Nacht stürzt Verlierer Pablo beim Pinkeln von einer Klippe und wird nach harter Felslandung lebendig von Krabben zerfleischt.

Ähnlich bizarr sterben weitere Teilnehmer der Spielrunde, während Erica und Jason allmählich die Zusammenhänge dämmern. Während sie versuchen, der Hexe Mamba in den toten Arm zu fallen, werden sie vom Polizisten Izar verfolgt, der Wind von dem Spiel bekommen hat. Der verzweifelte Mann hat Frau und Kind verloren und will mit dem Tod um ihre Rückkehr spielen. Um das Spiel an sich zu bringen, ist er zu jedem Schandtat bereit, womit er Erica und Jason zusätzlich in tödliche Bedrängnis bringt …

Gruseltrip ins Billig-Ausland

In Europa dreht Hollywood seit jeher gern Filme. Dort sind die Kosten niedriger, die Gewerkschaften (so es sie denn gibt) milder, und Steuern lassen sich durch den Film-Tourismus auch noch sparen. US-geschmackskompatible Schauspieler lassen sich zum Drehort transportieren, als Statisten sind die Einheimischen brauchbar, und hält sich die Exotik in schicklichen Grenzen, findet sie sogar der Durchschnitts-Amerikaner reizvoll. Für “Open Graves” mussten sich die temporären Film-Emigranten nicht einmal ins Reich des Bösen - den ehemaligen Ostblock - wagen, sondern konnten sich im sonnigen Spanien tummeln, das einige Ähnlichkeit mit dem Sonnenstaat Kalifornien hat.

Der Vergleich kommt nicht von ungefähr, denn “Open Graves” macht bemerkenswert wenig Gebrauch vom Lokalkolorit der spanischen Schauplätze. Mit ein bisschen mehr Geld in der Tasche wäre man offensichtlich lieber am kalifornischen Strand geblieben; der Arbeitstitel “Surfer Horror” unterstützt diese These.

Vor Ort heuerte man Álvaro de Armiñán, der zuvor nur als Regie-Assistent oder “Second-Unit”-Regisseur gearbeitet hatte, als Regie-Söldner an. 6,5 Mio. Dollar durfte er ausgeben; ein Taschengeld für Hollywood und für das gewünschte Filmprojekt faktisch zu wenig.

Das Drehbuch dürfte nur einen kleinen Posten der Kostenaufstellung gebildet haben, denn das Vater-Sohn-Gespann Roderick und Bruce Taylor mischt schamlos die zündenden Momente aus den “Final-Destination”-Filmen mit Elementen des modernen Effekt-Klassikers “Jumanji”. Zusätzlich orientiert man sich am “Witchboard”-Trash der 1980er und 90er Jahre. Unterm Strich ergibt dies ein B-Movie ohne eigene Ideen aber mit Fehlern, welche die gesamte Filmgeschichte abdecken und die nicht nur wiederholt, sondern oft sogar übertroffen werden. Dazu kommen eine handwerklich kompetente aber träge Regie und Darsteller, die sich anscheinend im Urlaub wähnten, den sie spürbar ungern zwischendurch für einen Szenendreh unterbrachen.

Missglückte Morde = zuverlässiger Zuschauerverdruss

Auch die beliebte “Final-Destination”-Serie lebt primär von ihren aufwändig zelebrierten Morden. Sie bilden die Perlen einer Kette, deren Schnur - die eigentliche Handlung - das Anschauen ansonsten nicht wert ist. Freilich profitiert besagte Serie von der Erkenntnis, dass man dem Zuschauer geben sollte, was der Zuschauer verlangt. Die Metzeleien sind deshalb nicht nur einfallsreich ausgedacht, sondern auch detailfroh inszeniert. Bis zum nächsten Tiefschlag des Schicksals hält das Publikum deshalb ohne Murren durch.

Mit diesem Pfund kann “Open Graves” nicht wuchern. Ein kluger Regisseur einigt sich dem Drehbuchautor und zeigt, was finanztechnisch überzeugend zu realisieren ist. Falscher Ehrgeiz schadet ebenso wie der Glaube, CGI werde es schon richten. Wer kam auf den Gedanken, ein Filmchen wie “Open Graves” mit Spezialeffekten zu überfrachten, die den Budgetrahmen deutlich sprengen bzw. diesem angepasst werden mussten? Eine digitale Libelle gelingt noch hervorragend, aber ebenso ehrgeizig wie lächerlich getrickste Riesenschlangen und Krabben verderben dem üblichen Leidtragenden - dem Zuschauer - jeglichen Spaß.

Immerhin geht es erfreulich drastisch zur Sache, wie es sich gehört, wenn der Tod zum unterhaltsamen Selbstzweck gerinnt. Sogar der Zensor behielt dieses Mal die Schere im Halfter, sodass die Anblicke ausgestochener Augen, krachend zerdrückter Brustkörbe oder lichterloh brennender Autofahrerinnen ihre politisch unkorrekten Reize entfalten dürfen.

Wir machen mit - aber nicht gern!

Sommerdreh in Spanien? Da horchen in Hollywood vom Starruhm bisher verschont gebliebene Darsteller auf, und das Drehbuch wird nicht allzu sorgfältig gelesen. Wer sich für einen Film wie “Open Graves” einfangen lässt, ist bisher ohnehin nicht wählerisch gewesen, hangelt sich nicht selten von einer TV-Gastrolle zur nächsten und verdingt sich für obskure “Direct-to-DVD”-Produktionen. Hauptdarstellerin Eliza Dushkus ‘Ruhm’ basiert auf ihrer Rolle in dem modernen Backwood-Slasher “Wrong Turn” (dem Original!) sowie auf ihren Auftritten als “Faith” in den Horror-Trash-TV-Serien “Buffy” und “Angel”.

Dushku kann durchaus schauspielern, wie sie u. a. 2008 in “The Alphabet Killer” unter Beweis stellte, aber sie zehrt auch vom Ruhm ihrer Grusel-Vergangenheit und profitiert von ihrer möglicherweise naturgeschenkten Oberweite, die auch Álvaro de Armiñán gern ins rechte Licht rückt. (’Richtige’ Nackedeien gibt es übrigens nicht; auch die Pin-up-Fotosession im Holzlager eines heruntergekommenen Sägewerkes lässt aufgrund der ungelenken Darbietung von “Model” Lindsay Caroline Robba keine erotischen Funken sprühen.)

Mit Mike Vogel (dem “Andy” aus Texas Chainsaw Massacre”, Version 2003) übernahm ein absolut profillos bleibender Darsteller die männliche Hauptrolle. Jason ist kein Held, den das weibliche Publikum nebenbei anhimmeln könnten, sondern ein Trottel, dem der Zuschauer von Anfang an nur eine Chance zubilligt, den Hexenfluch zu bannen: Die Drehbuchautoren müssen das Denken für ihn übernehmen. Wenigstens setzt Vogel durch seine Dämlichkeit den einzigen guten Einfall der Taylors glaubhaft um: Wenn du dem Teufel einen Wunsch abschwatzt, denke sehr gut nach, denn er nimmt dich wörtlich und lacht auf diese Weise womöglich doch als Letzter … Was hoffentlich nicht so oft geschieht bzw. ihn ablenkt, damit er zukünftig Übeltäter, die solche Filmchen wie “Open Graves” über diese Welt bringen, viel öfter holen kann!

DVD-Features

Die ‘Extras’ zum Hauptfilm beschränken sich auf einen endlosen Trailer, der sämtliche sehenswerte Szenen skrupellos verbrennt, und eine mit Fahrstuhlmusik untermalte Foto-Show, bei der sich der Betrachter selbst zusammenreimen muss, was ihm da gezeigt wird.

[md]

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Haunted Hill - Die Rückkehr in das Haus des Schreckens

Erstellt von Michael Drewniok am 31. Dezember 2009

haunted-hill-2Haunted Hill - Die Rückkehr in das Haus des Schreckens

Originaltitel: Return to House on Haunted Hill (USA 2007)
Regie: Víctor García
Drehbuch: William Massa
Kamera: Lorenzo Senatore
Schnitt: Robert Malina
Musik: Frederik Wiedmann
Darsteller: Amanda Righetti (Ariel Wolfe), Tom Riley (Paul), Steven Pacey (Dr. Richard Hammer), Erik Palladino (Desmond Niles), Cerina Vincent (Michelle), Andrew Lee Potts (Kyle), Kalita Rainford (Harue), Gil Kolirin (Norris), Andrew Pleavin (Samuel), Chucky Venice (Warren), Jeffrey Combs (Dr. Richard Vannacutt), Stilyana Mitkova (Saras Geist) uva.
Label/Vertrieb: Warner Brothers Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 11.10.2007 (Kauf-DVD)
EAN: 7321925007664 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Ungarisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Französisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Ungarisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 78 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Acht Jahre sind seit der verhängnisvollen Party vergangen, zu der Stephen Price im verrufenen Haus des nur körperlich toten Irrenarztes und Sadisten Dr. Vannacutt einlud. Zwei Menschen entkamen dem nächtlichen Gemetzel der wütenden Geister, die dort umgehen. Sara Wolfe blieb vom Haus besessen, was sich ungünstig auf ihre psychische Verfassung auswirkte. Schwester Ariel, eine erfolgreiche Redakteurin, hat deshalb den Kontakt schon vor langer Zeit abgebrochen.

Sie reagiert auch nicht, als Sara sie mit Anrufen und Mails bombardiert und um Hilfe bittet. Kurz darauf ist Sara tot; sie soll Selbstmord begangen haben. Die geschockte Ariel sucht in der Wohnung der Schwester nach Hinweisen. Stattdessen findet sie Dr. Richard Hammer, einen Archäologen, der mit Sara in Kontakt stand. Beide vermuteten, dass Vannacutt eine mittelalterliche Statue des Dämonen Baphomet in seinem Haus hütete, der ihn nach und nach in seinen unheilvollen Bann zog. Diese Figur will Hammer unbedingt bergen.

Ariel verweigert zunächst jede Mitarbeit, aber daheim findet sie das Tagebuch von Dr. Vannacutt, das Sara kurz vor ihrem Tod in die Post gegeben hat. Leider hat Desmond Niles, ein skrupelloser Kunsträuber, dies ebenfalls erfahren. Mit seiner Bande zwingt er, der zudem Saras Mörder ist, Ariel und ihren Freund Paul, ihn in das verlassene Haus auf dem Hügel zu begleiten. Dort suchen bereits Hammer und zwei seiner Studenten nach der Statue. Das Treffen der Gruppen verläuft nicht harmonisch, doch das wird nebensächlich, als sich das Haus hermetisch gegen die Außenwelt abriegelt, seine ‘Gäste’ auf diese Weise einsperrt und ihnen mordlüsterne Geister auf die Hälse hetzt …

Zweiter Aufguss - mit Wirkungsverstärker

Franchises und Pilze teilen mindestens zwei Eigenschaften: Sie schießen aus dem Boden, und sie gedeihen am besten in einem Mistbeet. Das ist einer der Gedanken, die einem durch den Kopf gehen, wenn man mit einem Film wie “Haunted Hill 2″ konfrontiert wird. Schon das ‘Original’ von 1999 war das Remake eines Mini-Kult-Thrillers von 1958 (dt. “Das Haus auf dem Geisterhügel”). Die Geschichte vom verfluchten Irrenhaus wurde 1999 auserzählt. Es gab keinen Grund, sie wieder aufzugreifen.

Acht Jahre später machte sich erwähnter Mistbeet-Effekt bemerkbar. Wo “The Butterfly Effect”, “Donnie Darko” u. a. nie für eine Fortsetzung vorgesehene Filme in Serie gehen, ist sicherlich auch Platz für ein “Haunted House 2″, so müssen die zumindest im Bereich der Profitmaximierung kreativen Köpfe hinter diesem Streifen sich gedacht haben. Vorsichtshalber hielten sie das Budget kurz und realisierten die Rückkehr ins Hügel-Haus als “Direct-to-DVD”-Produktion. Um noch mehr zu sparen, heuerte man nicht nur Schauspieler der Kategorien B und C an (dazu unten mehr), sondern drehte in Budapest, wo die Arbeitslöhne sogar noch niedriger liegen als in Kanada.

Wenig Geld wurde außerdem für das Drehbuch ausgegeben; tatsächlich erzählte man die Original-Story einfach noch einmal und verschnitt sie mit einem törichten Gangster-Garn. Weil es keinen echten Grund für eine Rückkehr ins Geisterhaus gab, konstruierte man einen: Plötzlich summt eine Dämonen-Statue als Dynamo des Bösen im Bauch des Hauses. Die muss gesucht werden, während die Darstellerschar durch düstere Flure tappt, sich streitet und stetig dezimiert wird. Auch daran lassen sich geistlose Fortsetzungen erkennen: Die Morde geraten deutlich spektakulärer und blutiger, um auf diese Weise Unterhaltsamkeit vorzugaukeln. Keine Sorge; routiniert aber lieblos eingesetzte CGI-Technik mildert das aus dem Gemetzel erwachsende Grauen, das jederzeit als Produkt der digitalen Trickkiste erkennbar ist.

Das Haus hält’s aus

Wenn es etwas gibt, das den Zuschauer vor Tiefschlaf oder Wutanfällen bewahrt, so ist es die bemerkenswerte Kulisse des Hügel-Hauses. Zwar ist die einst blühende Filmindustrie Osteuropas heute nur noch ein Schatten ihrer selbst, aber dort findet man weiterhin Kulissenbauer und Ausstatter, die mit beschränkten Mitteln förmlich zaubern können. Dass “Haunted Hill 2″ eine Billig-Produktion ist, sieht man ihr niemals an. Das Haus ersteht in schauerlicher Pracht nicht nur auf, sondern beeindruckt mit 1999 nicht gesehenen und gruseligen Winkeln. Die Beleuchtung ist ausgefeilt, die Tonspur verblüfft durch allerlei akustische Tricks.

Noch ein Vorteil: Nach gerade einmal 78 Minuten ist der Spuk vorüber. “Haunted Hill 2″ präsentiert seine Geschichte in der gebotenen Eile, die keine Zeit für Fragen nach der Handlungslogik lässt oder Langeweile aufkommen lässt. Dazu kommt das erfrischende Fehlen politisch korrekter Zurückhaltung, die ein Film dieser Preisklasse, der seine Kosten auf jeden Fall einspielen wird, nicht nötig hat. Einige Übeltaten des Dr. Vannacutt fallen daher recht rabiat aus. Schade nur, dass es manchmal schwerfällt, sich beim Anblick toter aber spastisch zuckender Krankenschwestern oder rauchender Ofenmenschen daran zu erinnern, dass wir uns auf dem “Haunted Hill” und nicht im zweiten Teil von “Silent Hill” befinden.

Zum guten Ton des schlechten Films gehört schließlich der Anblick einiger nackter Busen, zu denen sich hier sogar einige blanke Hinterteile gesellen. Der kundige Zuschauer erkennt auch am Fehlen von Silikonverstärkungen, dass nicht in den USA gedreht wurde.

Wo ist Famke, wenn man sie braucht?

Wer sich als Schauspieler in einen Film wie diesen locken lässt, weiß wahrscheinlich, worauf er und sie sich einlassen. Die nuancenreiche Wiedergabe feinsinniger Gefühle ist es nicht, was der Arbeitgeber fordert. Bescheiden ließe sich aus Zuschauersicht dagegen einwenden, dass gute Darsteller auch einen weniger gelungenen Film adeln - wer erinnert sich nicht an Famke Janssens gut gelaunte Darstellung eines lupenreinen Miststücks im ersten “House on Haunted Hill” -, doch das wird sich unter Produzenten wohl nie herumsprechen.

Also müssen wir Zeugen dessen sein, was Mimen wie Amanda Righetti, Tom Riley oder Cerina Vincent für Schauspiel halten. Die übrigen Darsteller schließen sich dem kollegial an. Andrew Lee Potts gibt wieder den trotteligen Nerd, als welcher er bereits durch diverse “Primeval”-Staffeln geisterte und dort ebenso wenig lustig war wie hier. (Er scheint sogar dasselbe bescheuerte Hütchen zu tragen!)

Wieder einmal am besten zieht sich der in jeder Rolle unverwüstliche Jeffrey Combs aus der Affäre, was dieses Mal gar nicht einfach ist. Während Dr. Vannacutt im ersten Teil eher schemenhaft sein Unwesen trieb, muss er hier oft ins allzu helle Kamera-Licht treten. Dafür entschädigen einige Splattereien, die der mehrfache “Re-Animator” persönlich und stilvoll über die Bühne bringt.

Bleibt abschließend die bange Frage: War’s das jetzt? Darauf hoffen wir vorsichtshalber nicht, zeigt doch die Schlussszene, wie die Baphomet-Statue aus der Regenrinne des Hügel-Hauses direkt vor die Füße zweier Strandwanderer purzelt …

DVD-Features

Während der Hauptfilm optisch und akustisch überzeugen kann, bleiben die Extras enttäuschend überschaubar. Erstaunlicherweise fehlt das sonst übliche “Making-Of”, das gern als zusätzliche Werbeplattform missbraucht wird. Hier ist es durch eine seltsame Interview-Runde mit dem Titel “Die Darsteller auf dem Beichtstuhl” ersetzt. Während die Schauspieler in ihren Rollen bleiben, geben sie darüber Auskunft, was sie auf den “Haunted Hill” führte. Als Dr. Richard Hammer hält Steven Pacey darüber hinaus ein dreiminütiges (und daher wenig aussagekräftiges) Referat über Ursprung und Geschichte des Baphomet.

Vier zusätzliche Szenen erinnern an ein Feature, über das nur die ‘interaktive’ Blue-ray-Fassung verfügt, von der es keine deutsche Version gibt: An diversen Filmstellen kann sich der Zuschauer in das Geschehen einklinken und dessen Fortsetzung beeinflussen. Dafür wurden Sequenzen erweitert bzw. zusätzlich gedreht, die indes den Hauptstrom der Story nicht wirklich beeinflussen.

Zu unguter Letzt trägt die Heavy-Metal-Gruppe Mushroomhead - optisch wie stimmlich eine unglückliche Mischung aus Kiss und Marilyn Manson - ihren angeblichen Hit “Simple Survival” vor; der Clip wurde mit Szenen aus “Haunted Hill 2″ verschnitten, denn das Stück gehört zum Soundtrack dieses Films.

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The Abandoned - Die Verlassenen

Erstellt von Michael Drewniok am 21. Dezember 2009

abandonedThe Abandoned - Die Verlassenen

Originaltitel: Los Abandonados (GB/Spanien/Bulgarien 2006)
Regie: Nacho Cerdà
Drehbuch: Karim Hussain, Nacho Cerdà, Richard Stanley
Kamera: Xavi Giménez
Schnitt: Jorge Macaya
Musik: Alfons Conde
Darsteller: Anastasia Hille (Marie Jones), Karel Roden (Nicolai), Valentin Ganev (Andrei Misharin/Kolya Kaidavosky), Paraskeva Djukelova (Olga Kaidavosky), Carlos Reig-Plaza (Anatoliy), Kalin Arsov (Bauer), Svetlana Smoleva (Bäurin) Anna Panayotova (Bauerntochter), Jordanka Angelova (Greisin), Valentin Goshev (alter Bauer), Jasmina Marinova (alte Bäuerin), Monica Baunova (Emily), Marta Yaneva (Natalya) u. a.
Label/Vertrieb: e-m-s
EAN: 4020974163354
Erscheinungsdatum: 16.12.2007 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch (für Hörgeschädigte)
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: ca. 95 min.
FSK: keine Jugendfreigabe

Das geschieht:

Irgendwo in der russischen Sowjetunion bleibt im Jahre 1966 vor einem einsamen Bauernhaus ein Lastwagen stecken. Im Führerhaus findet der erschrockene Bauer eine blutüberströmte, tote Frau und zwei schreiende Babys.

Vierzig Jahre später kehrt Marie Jones, geborene Kaidavosky, nach Russland zurück. Die einsame Frau sucht nach den Wurzeln ihrer Familie. Nachdem man sie an der Seite der toten Mutter gefunden hatte, wurde sie von einer englischen Familie adoptiert. Dass sie einen Bruder hat, weiß sie nicht. In Moskau hat Marie den Anwalt Andrei Misharin beauftragt, Nachforschungen über die Kaidavoskys anzustellen. Er muss ihr mitteilen, dass keine Aufzeichnungen existieren. Das Familiengut hat er immerhin als Maries Erbe gesichert. Sie beschließt vor Ort selbst zu ermitteln.

Das Gut liegt auf einer einsamen Insel inmitten eines reißenden Flusses. Seitdem Kolya Kaidavosky, der Hausherr und Vater Maries, 1966 seine Gattin Olga ermordet hat, ist das riesige Haus verlassen. Als Marie durch die verfallenden, modernden Räume streift, stößt sie auf Nikolai, ihren unbekannten Zwillingsbruder. Auch ihn hat eine seltsame Sehnsucht nach Wissen in das Elternhaus gelockt.

Hier geht es allerdings nicht mit rechten Dingen zu. Marie und Nicolai werden in der Nacht von leichenhaften Doppelgängern bedrängt. Sie lassen sich nicht bekämpfen, und trifft sie ein Schlag oder eine Kugel, werden auch die ‘Originale’ verletzt. Schlimmer noch: Die Geschwister müssen erkennen, dass sie nicht mehr von der Insel fliehen können. Jeder Versuch bringt sie nur zum Gut zurück. Dort mehren sich die Zeichen, dass die Phantome nicht die größte Bedrohung darstellen. Hinter ihnen steht eine noch unsichtbare Macht, deren Interesse offensichtlich darin besteht, die Geschwister für immer an das Gut zu binden …

Geisterfilm mit leichten Horror-Einschlägen

In der Historie des Horrorfilms nimmt die Geistergeschichte ein zwar nicht kleine aber relativ unauffällige Nische ein. Sie tritt gegenüber dem plakativen, geräuschvoll, hässlich und blutrünstig auftretenden Grusel zurück, der die Aufmerksamkeit seiner Zuschauer leichter erregen kann. ‚Richtige‘ Geister haben es da schwerer, denn es liegt in ihrer Natur, das Reich der Toten quasi auf Katzenpfoten zu verlassen. „Spuk“ bedeutet nicht nur die Rückkehr von Seelen, die in der Welt noch etwas zu erledigen haben, sondern auch das Geistern im Augenwinkel ihres Betrachters: Sieht man genau hin, ist da scheinbar nichts. Es bleibt das unangenehme Wissen, dass dies keinesfalls zutrifft.

Das ist der Stoff, aus dem „The Abandoned“ gewoben wurde. Ein ungewöhnliches Projekt ist dieser Film: geschrieben und inszeniert von einem Spanier, in der Hauptrolle eine Engländerin, gedreht in Russland und Bulgarien. Letzteres ist nicht ungewöhnlich im 21. Jahrhundert, denn viele Produktionen lassen sich im ehemaligen Ostblock nieder, wo das filmische Knowhow hoch und der Lohn niedrig ist. Regisseur mit (Mit-) Drehbuchautor Nacho Cerdà erzählt freilich eine Geschichte, die explizit in Russland spielen soll und so, wie sie abläuft, wohl auch nur hier spielen kann. Er hat deshalb viel Recherche und Aufwand in die Rekonstruktion ‚typisch russischer‘ Schauplätze investiert, was sich definitiv auszahlt.

Die scheinbar unendliche Weite der Landschaft (dargeboten in echtem Breitwand-Format), ihre Einsamkeit und die archaische Lebensweise der nichtstädtischen Bevölkerung sind wichtige Elemente der Story. Das Kaidavosky-Gut ist buchstäblich eine Insel, von der es kein Entrinnen gibt. Diverse Fluchtversuche werden spannend in Szene gesetzt, um dies dem Zuschauer überzeugend zu vermitteln. Die Innenräume des Guts werden im „Making-of“ als Atelierbauten enthüllt. Dieser Eindruck entsteht im Film keine Sekunde. Selten hat man Sets erlebt, die Verfall und Verwesung so bildhaft machen können. Die bulgarischen Kulissenbauer haben hier eine Meisterleistung geliefert.

Der Aspekt des Ausgeliefertseins wird durch die Tatsache unterstützt, dass Marie Jones zwar in Russland geboren und trotzdem eine Fremde ist. Das Land und die Menschen sind ihr fremd und machen ihr Angst. Die daraus resultierende Unsicherheit ist ein wichtiges Element, das der unsichtbare Fallensteller geschickt ausnutzt.

Geister werden von durchaus menschlichen Gefühlen motiviert. Leider sind diese meist negativer Natur. Marie und Nicolai haben doppeltes Pech: Sie tappen einem Gespenst in die Falle, das sich sowohl für angeblich erlittenes Unrecht rächen als auch die Geschwister in seine kleine private Hölle sperren will, als die sich die Insel letztlich entpuppt.

Es dauert erfreulich lange, bis sich die Hintergründe klären. Bis es soweit ist, geraten unsere drangsalierten Hauptdarsteller in immer neue Rätsel und Schrecken, die sich nachträglich zu einer Geschichte des Schreckens zusammensetzen lassen. Die Konsequenz des Plots ist lobenswert; hier gibt es kaum Genre-Klischees und kein Ausbrechen in letzter Sekunde, wobei schwere Waffen und plötzlich an den Tag gelegte Nahkampf-Erfahrungen ins Spiel kommen. Cerdà findet einen klugen Ausweg: Der Kreis-Konstruktion des Films entsprechend schlägt Gewalt auf jene zurück, die sie anwenden. „The Abandoned“ läuft trotz des vertrackten Plots wie auf Schienen seiner logischen Auflösung entgegen.

Gewisse Zugeständnisse macht der Regisseur übrigens doch an die splatternde Konkurrenz. „The Abandoned“ läuft in Deutschland ohne Jugendfreigabe, obwohl 93 von 95 Minuten problemlos ab 12 Jahren freigegeben werden könnten. In den bewussten zwei Minuten geht es freilich beinhart zur Sache. Weil die Geschichte in der Regel gewaltarm abläuft, sorgen diese Brutalitäten für umso größeren Schrecken. Genau das ist der Effekt, den der Regisseur erzielen möchte, und das ist auch die Begründung dafür, dass diverse Szenen dem Zuschauer an die Substanz gehen: Hier wird kein Blut der Unterhaltung wegen vergossen, sondern im Rahmen einer teilweise grausamen Geschichte.*

Ein Film (auch) für erwachsene Zuschauer

Dass uns mit „The Abandoned“ ein Film für ‚erwachsene‘ Gruselfreunde präsentiert wird, macht die Besetzung von der ersten Minute an klar. Kein Teenie weit und breit (nur ein verhärmtes Bauernmädchen), stattdessen spielen zwei Hauptdarsteller, die ihren 40. Geburtstag beide hinter sich gelassen haben und denen man das auch ansieht.

Anastasia Hille tritt hauptsächlich in englischen TV-Filmen und -Serien auf. Das zunehmende Entsetzen einer an sich starken Frau, die ihrer Einsamkeit entrinnen wollte und dabei vom Regen in die Traufe gerät, weiß sie überzeugend zu vermitteln. Manchmal ist die Medizin tödlicher als die Krankheit. Das hat sie am Ende gelernt, aber dieses Wissen bereitet ihr keine Freude.

Karel Roden ist nicht nur ein viel beschäftigter und ebenfalls fabelhafter, sondern auch ein international bekannter Darsteller. Seit zehn Jahren tritt er verstärkt in nicht-russischen Produktionen auf, wo er Rollen in unterschiedlichen Filme wie „Hellboy“ (2002; hier mimt er hollywoodkonform den Klischee-Russki Grigori Rasputin) oder „Mr. Bean macht Ferien“ (2007) spielt. Als Nicolai ist er das perfekte Gegenstück seiner ‚Schwester‘ Marie: Während sie ins Ausland ging, blieb er in Russland und wurde Teil des Landes, das ihr verschlossen bleibt, obwohl er ihr Zwilling ist und sich mit ihr verbunden fühlen müsste.

In den Nebenrollen spielen Russen die Russen - auch in einer europäischen Produktion keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Diese Darsteller ließ Regisseur Cerdà fast ausschließlich in ihrer Muttersprache reden und verzichtete auf Untertitel. So teilt sich Maries Gefühl des Fremdseins abermals dem Zuschauer mit.

DVD-Features

Da „The Abandoned“ eine ‚kleine‘ Produktion ist, sind die Features mager ausgefallen:  ein englischer und ein deutscher Kinotrailer und eine Bildergalerie, die sich kaum jemand anschauen wird.

Sehenswert ist das Making-Of. Während dieses Mal vor allem der Regisseur viel Unfug über das psychologische Spektrum seines Werks verzapft, halten sich die Darsteller mit gegenseitigen Lobpreisungen zurück und sprechen tatsächlich über ihre Rollen, zu denen sie Interessantes zu sagen haben. Wenn sich Nacho Cerdà auf die technischen Aspekte des Films beschränkt, legt er großes Fachwissen an den Tag. Das Entstehen von „The Abandoned“ wird durch gut gewählte Ausschnitte, Aufnahmen von hinter den Kulissen oder Storyboard-Zeichnungen dokumentiert.

Weitere Extras bietet - so lange es sie denn gibt - die schön gestaltete und animierte Website.

Bild und Ton sind übrigens brillant. „The Abandoned“ gehört zu den Filmen, die auf der breiten Leinwand und durch eine möglichst exzellente Tonanlage eindeutig gewinnen.

*Anmerkung (ACHTUNG: Spoiler!)

Es soll und darf nicht verschwiegen werden, dass die Story im Finale ein gewaltiges Logikloch in die Handlung schlägt. Wie schafft es ein Einöd-Geisterbauer, gestorben 1966, sich im Moskau des Jahres 2006 eine überzeugende Zweitexistenz als Anwalt zu schaffen? Auf diese Weise kann Kaidavosky senior seine Kinder zurück nach Russland locken, doch dieser Kniff wirkt doch sehr, sehr weit hergeholt.

Ach ja: Wie kommt eigentlich Nicolais Ex Natalya ins Spiel? Um von ihrer Existenz zu erfahren und ihr Ebenbild zu schaffen, muss Kaidavosky erneut auswärts gespukt haben. Wenn er das kann, wieso schafft er es nicht, Maries Tochter Emily ebenfalls nach Russland zu locken?

Einen hab’ ich noch: Wenn Nicolais Leben sich ausschließlich in Russland abgespielt hat, wieso spricht er dann Englisch und kann sich mit Marie verständigen, die nur diese Sprache versteht?

Oder spielt sich das gesamte Geschehen doch nur in Maries wirrem Kopf ab …?

[md]

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